Thomas Hommen fuhr auf seiner diesjährigen Fahrradtour unter anderem durch die Alpen. Foto: Hommen
8. August 2026 · Sabrina Peters · Alpen

Sechs Länder, 2.612 Kilometer, unzählige Eindrücke und ein Schreckmoment: Thomas Hommen radelt durch Europa

Der Alpener Extremradfahrer erlebt beeindruckende Alpenpässe, historische Städte und kleine Abenteuer entlang seiner diesjährigen Europatour

ALPEN. Es war schon ein großer Schreckmoment, den der Alpener Viel-Radler gegen Ende seiner diesjährigen längeren Fahrradtour erlebte. Als er entlang der Serpentinen zwischen Trun und Lindau seine tägliche Etappe absolvierte, löste sich ein etwa handtellergroßer Stein, der ohne Vorwarnung den Radfahrhelm traf. „Es rumste plötzlich an meinem Helm, als ich den Berg hochfuhr. In dem Moment habe ich mich natürlich total erschrocken, angehalten und nachgesehen“, berichtet Hommen. Den Stein fand er neben sich auf dem Boden. „Ich weiß nicht, wie es ausgegangen wäre, wenn ich keinen Helm getragen hätte“, sagt Hommen. So kam er mit dem Schrecken davon. Den Stein nahm er als Andenken jedoch mit nach Hause. Er erinnert ihn seither daran, wie wichtig ein Fahrradhelm doch sein kann…

Zweieinhalb Wochen war Hommen in diesem Jahr wieder mit seinem „Wurm“, wie er sein Fahrrad mit elektronischer Unterstützung liebevoll nennt, unterwegs. 2.612 Kilometer führten ihn dabei durch sechs Länder: Deutschland, Österreich, Slowenien, Italien, Liechtenstein und die Schweiz. Wie so oft startete Hommen in Wolfratshausen, von wo aus es schließlich für ihn nach Inzell, Radstadt, Leoben, Graz, Maribor, Ljubljana (Laibach), Monfalcone, Treviso, Mantua, Bergamo, Vercelli, Turin, Arona, Pianezzo, Trun, Lindau, Ulm und zurück nach Wolfratshausen ging. „Bis auf Mantua kannte ich vorher noch keine einzige Stadt“, sagt Hommen, der besonders von Arona am Lago Maggiore angetan war: „Das war wirklich unglaublich toll. Eine traumhafte Gegend.“ Auf seiner persönlichen Top-5-Rangliste kamen danach die Städte Graz, Treviso, Turin und Maribor. „In Turin habe ich wieder gesehen: Es ist der reiche Norden Italiens. Aber auch Maribor in Slowenien hat mir unglaublich gut gefallen“, sagt Hommen.

Die Fahrt von Maribor nach Ljubljana, der slowenischen Hauptstadt, konnte Hommen allerdings nicht in Gänze genießen. „Die Vermieterin meiner Ferienwohnung hat mich vor freilaufenden Bären gewarnt. Sie sagte, dass es dort öfter mal zu Bärensichtungen kommt“, berichtet Hommen. Diese Worte habe er während seiner Etappe immer wieder im Hinterkopf gehabt. „Gott sei Dank habe ich aber keine Bären gesehen“, sagt Hommen.

Die Stadt Monfalcone in der Region Friaul-Julisch Venetien, Hommens erste Station in Italien, fiel beim 58-jährigen Extremradfahrer jedoch durch. „Ich fand die Stadt potthässlich, aber dafür hatte sie farblich sehr gut erkennbare Radwege“, sagt Hommen. Nach einem Aufenthalt in Mantua, wo er Rätselhefte für seine Alpener Bekannte Annemarie Cargnelutti abholte und diese sicher in der Heimat ablieferte („nur die Salami-Mitnahme war aufgrund der Hitze leider nicht möglich“) und einem kleinen Zwischenstopp am Mailänder Dom („der ist immer sehr schön“), erreichte Hommen die slowenische Grenze. „Dort empfing mich allerdings eine Baustelle, bei der es zunächst kein Durchkommen gab“, berichtet Hommen. Bauarbeiter hätten ihm dann allerdings eine wacklige Stahlplatte als Brücke gebaut. „Das war wirklich eine wacklige Angelegenheit“, erinnert sich Hommen. Aber es habe geklappt und ihm einen unnötigen Umweg erspart.

Als absolute Highlights würden ihm besonders die Überquerung der Alpen am Lukmanierpass in der Schweiz (1.930 Meter über NN) sowie die sehr leckeren Kaffeespezialitäten in Österreich und Italien in Erinnerung bleiben. „In Italien gab es in einer Bar zum Espresso sehr schöne Löffel in italienischem Stil, die ich so noch nie irgendwo gesehen habe. Deshalb habe ich die Bedienung gefragt, ob ich welche kaufen könnte. Sie war so überrascht darüber, dass ich welche geschenkt bekommen habe. Sie sagte, ich sei der erste, der gefragt hätte, weil die meisten sie einfach klauen“, berichtet Hommen.

Durch die zweieinhalb Wochen kam Hommen allerdings auch dieses Mal nicht ganz pannenfrei. Noch vor dem Steinschlag in den Bergen musste sich Hommen auf seiner Etappe von Trun nach Lindau noch mit einer lockeren Schraube herumschlagen. „Ich habe beim Fahren gemerkt, dass sie sich immer wieder gelockert hat. Mit der Hand konnte ich sie leider nicht fest genug festdrehen, und das dafür passende Werkzeug hatte ich nicht dabei“, sagt Hommen. Also fuhr er eine Werkstatt an, die diesen Defekt glücklicherweise beheben konnte. Am Ende habe aber wohl der komplette Tag unter keinem guten Stern gestanden. „Ich bin schon bei strömendem Regen losgefahren, dann kam die Schraube und dann der Stein“, sagt Hommen, der an diesem einen Tag durch die Schweiz, Liechtenstein, wieder die Schweiz, Österreich und Deutschland fuhr.

Im nächsten Jahr steht für Thomas Hommen die zehnte große Fahrradtour an, die eine „Höhentour“ werden soll. Sie soll durch das Stelvio beziehungsweise das Stilfser Joch und über die Ötztaler Gletscherstraße (mit 2.830 Metern Österreichs höchste befahrbare Asphaltstraße) hinüber nach Zermatt zum Matterhorn führen. Außerdem möchte der Extremradfahrer aus Alpen einen zweiten Versuch bei den Drei Zinnen wagen, die er vor drei Jahren an einem extrem nebligen Tag nur erahnen konnte. „Für diese Tour wird gerade mein Fahrrad umgebaut“, erklärt Hommen. Denn aufgrund der Höhe und der damit einhergehenden enormen Belastung müssten einige Sachen angepasst werden, damit auch das wieder eine schöne Fahrradtour werden kann.

Dieser Stein traf Thomas Hommens Fahrradhelm. Foto: Hommen

Dieser Stein traf Thomas Hommens Fahrradhelm. Foto: Hommen

Thomas Hommen vor dem Mailänder Dom. Foto: Hommen

Thomas Hommen vor dem Mailänder Dom. Foto: Hommen

Thomas Hommen fuhr auf seiner diesjährigen Fahrradtour unter anderem durch die Alpen. Foto: Hommen

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