Ohne Frauen ist kein Staat zu machen
Margret Voßeler-Deppe, scheidende CDU-Landtagsabgeordnete für den Kreis Kleve, im NN-Interview
NN: Nach zwölfjähriger Zugehörigkeit zum Landtag NRW haben Sie sich entschlossen, kein viertes Mal für das Landesparlament zu kandidieren. War das eine Kopf- oder eine Bauchentscheidung?
Margret Voßeler-Deppe: Sowohl als auch. Einerseits bin ich traurig, dass dieses wichtige Kapitel meines Lebens bald endet. Ich habe sehr gerne und mit vollem Einsatz meinen Wahlkreis im Landtag vertreten, viele Menschen getroffen und unheimlich viel gelernt. Als dann aber die Entscheidung anstand, ob ich noch einmal kandidieren würde, fragte der Kopf, ob ich diesen Einsatz im Alter von 65 Jahren wirklich noch fünf weitere Jahre schaffen würde. Letztendlich habe ich mich dazu entschieden, Jüngeren die Möglichkeit zu geben, diese wichtige Aufgabe zu übernehmen. Ich freue mich nun darauf, mehr Zeit mit der Familie und Freuden verbringen zu können.NN: Welche Entscheidung im Landtag war für Sie die wichtigste und welche die frustrierendste?
Margret Voßeler-Deppe: Die wichtigste Entscheidung ist für mich persönlich immer noch der Beschluss zum Bau der OW 1 in Kevelaer. Über 60 Jahre wurde dafür gekämpft. Jetzt wird sie realisiert Hierbei denke ich sehr gerne an die tolle Zusammenarbeit mit dem damaligen Verkehrsminister und heutigen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst zurück. Ansonsten erinnere ich mich nur an die schönen Dinge.NN: Welche Eigenschaften benötigt eine Abgeordnete, um sich im Politikbetrieb Anerkennung und Respekt zu verschaffen?
Margret Voßeler-Deppe: Man muss auf jeden Fall ein Teamplayer sein, denn nur gemeinsam kann man etwas erreichen. Man muss sich Verbündete suchen und mit diesen kontinuierlich an Themen arbeiten. Dazu gehört, dass man Menschen in ihrer Verschiedenheit liebt, anerkennt und auch eben so behandelt, wie sie sind.
NN: Würden Sie Frauen raten, sich politisch zu engagieren?
Margret Voßeler-Deppe: Selbstverständlich. Ohne Frauen ist kein Staat zu machen. Ich selbst habe nie den Eindruck gehabt, dass meine Arbeit und auch mein Erfolg irgendetwas mit meinem Geschlecht zu tun gehabt hätte. Wenn man gut arbeitet und sich einbringt, geht es um die Sache, und nicht darum, ob man Mann oder Frau ist.
NN: Was/wer ist während Ihrer Zeit als Abgeordnete zu kurz gekommen?
Margret Voßeler-Deppe: Es ist ein großer Balanceakt, neben seinem Mandat und dem Auftrag, den man ja von seinen Wählerinnen und Wählern bekommen hat, Freundschaften und persönliche Beziehungen zu pflegen. Auch die Familie ist manchmal zu kurz gekommen.
NN: Wie sieht Ihr ideales Wochenende im Ruhestand aus?
Margret Voßeler-Deppe: Vielleicht ein wenig länger schlafen als sonst. Die Zeit mit der Familie, Freunden oder auch nur mit meinem Mann verbringen und eine Radtour am Niederrhein oder eine Wanderung im Bergischen Land zu unternehmen.
NN: Welche Pläne hat das Ehepaar Voßeler-Deppe für die nächsten zwei Jahre?
Margret Voßeler-Deppe: Die Zeiten wieder komplett selbst bestimmen zu können. Wir wollen die deutsch-französische Freundschaft pflegen. Als erstes werden wir zum Nationalfeiertag am 14. Juli nach Frankreich reisen und dort mit unseren Freuden gemeinsam feiern. Kerstin Kahrl