"Pole Aleks auf Bauernhof in Sonsbeck mit Familie, Foto von Thomas Grütters"
23. Juni 2026 Von NN-Online · Sonsbeck

Mitstreiter für Projekt „Denkmal an die Verfolgten“ gesucht

Das erste Treffen findet am 9. Juli in der Gommanschen Mühle statt

SONSBECK. Rund sechs Millionen Juden sind nach Schätzungen während der NS- Zeit ermordet worden. In Sonsbeck werden bald Stolpersteine auf dem Gehweg der Hochstraße verlegt, mit denen die Gemeinde an die getöteten Juden der Familie Marcus erinnern möchte.

Rika und Albert Marcus wurden laut der Sonsbecker Schulchronik am 10.12.1941 nach Riga „umgesiedelt“, nachdem ihre Kinder, Lieselotte und Martin, bereits vorher ins Ausland fliehen konnten. In der Schulchronik heißt es: „Marcus wollten nach Chile. Es bestand wohl keine Verkehrsmöglichkeit.“ Rika und Albert Marcus sind direkt nach ihrer Ankunft in Riga ermordet worden. Sie waren die letzten Sonsbecker jüdischen Glaubens. Allerdings gab es noch weitere jüdische Familien in Sonsbeck als Familie Marcus. Diese Familien sind vor dem Krieg verzogen. Diese verfolgten und getöteten Juden haben bislang in der Sonsbecker Geschichte keinen Platz gefunden.

Zwischen 200.00 und 300.000 Menschen, so die Schätzungen, sind während der NS- Zeit Opfer der Euthanasie geworden und ermordet worden. Auch aus Sonsbecker Sonsbecker Familien wurden Menschen mit geistigen Einschränkungen herausgeholt und später umgebracht. Das „Haus van Doornick“ auf der heutigen Xantener Straße war seit 1930 eine Zweigstelle des Katholischen Krankenhauses und wurde als Außenstelle der Heil- und Pflegeanstalt Bedburg für „hilfsbedürftige Frauen“ genutzt. Im Juli1941 wurden aus diesem Haus in Sonsbeck 64 Patientinnen abgeholt, im März 1943 sind weitere 26 Frauen von hier weggebracht worden. Der Verbleib dieser Frauen ist weitestgehend unbekannt.

Schätzungen zufolge sind etwa 13 Millionen Menschen zur Zwangsarbeit im Deutschen Reich eingesetzt und ausgebeutet worden. Als die Deutschen Soldaten an die Front kamen und somit in der Heimat wichtige Arbeitskräfte ausfielen, entschied man sich, Kriegsgefangene auf das gesamte Land zu verteilen und als billige Arbeitskräfte einzusetzen, um die entstandenen Lücken zu füllen. Hauptsächlich aus Polen und aus Russland, aber auch aus anderen Ländern hat man Frauen und Männer verschleppt und von den Familien getrennt, um sie als Zwangsarbeiter einzusetzen. In den Städten wurden vor allen Dingen in der Industrie Arbeiter benötigt. In den ländlichen Gebieten war die Landwirtschaft der wichtigste Zweig, der „mit Personal versorgt“ werden musste. So war es natürlich auch in Sonsbeck.

Juden, geistig beeinträchtigte Menschen, Zwangsarbeiter, die Liste der Menschen, die systematisch verfolgt und getötet oder ausgenutzt wurden, ist lang. Sie kann um weitere Gruppen erweitert werden, beispielsweise um Sinti und Roma, die Homosexuellen Menschen oder auch um die Menschen, die in der politischen Opposition waren.

Der Verein „Denkmal an Sonsbeck“ möchte sich mit dem Thema der verfolgten Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus in Sonsbeck befassen. Man möchte die Resultate, die teils schon in langer Recherche gesammelt wurden, mit noch vorhandenen Spuren kombinieren und aufarbeiten. Auf den meisten Höfen gab es Zwangsarbeiter. In den Archiven finden sich nur wenige Hinweise, aber manche Sonsbecker haben bestimmt sogar noch Fotos in ihren Familienalben, auf denen Zwangsarbeiter zu sehen sind. Denn teils wurden sie in den Familien enger aufgenommen, als die NS- Diktatur es erlaubte. Aber auch die hier in Sonsbeck getöteten Zwangsarbeiter gehören zur Ortsgeschichte, genau so, wie die Frauen aus dem Haus van Dornick, die abgeholt und vermutlich ermordet wurden.

Eine Gruppe von Vereinsmitgliedern wird sich am Donnerstag, 9. Juli, um 17 Uhr in der Gommanschen Mühle, Auf der Mauer 4 in Sonsbeck, erstmals treffen. Es wäre schön, wenn die Menschen aus Sonsbeck und Umgebung, die sich dieser Gruppe anschließen möchten, ebenfalls zu dem Treffen kämen. Und es wäre sehr hilfreich, wenn die Gruppe mit möglichen Materialien und Geschichten unterstützt werden würde. Weitere Informationen sind über die Email-Adresse email@denkmal-sonsbeck.de bei Bedarf erhältlich.

Der Pole Aleks hat in Sonsbeck auf einem Bauernhof gearbeitet und dort mit der Familie gelebt. Foto: Thomas Grütters/privat

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