Mit Teamspirit und Einsatz zum Erfolg
Nachwuchsstars mit Pfeife: Wie drei junge Talente den Traum vom Profifußball als Schiedsrichter erleben
NIEDERRHEIN. „Sommerpause? Die kennen wir nicht …“, lachen drei junge Schiedsrichter. Für Mats Gaerber, Maik Heinen und Marvin Konopatzki bestand der Sommer aus ganz viel Training. Zum Ende der letzten Saison hatten sie nämlich eine besondere Nachricht erhalten: Sie steigen als Schiedsrichter in die nächsthöhere Liga auf. Marvin Konopatzki konnte den Sommerurlaub in diesem Jahr nicht wie gewohnt genießen: „Als Regionalliga-Schiedsrichter müssen wir zu Beginn der Saison unsere Prüfung ablegen. Die besteht aus einem praktischen und theoretischen Teil.“ Deshalb werden in der Sommerpause Regelfragen und Videoszenen geübt, um in der Theorie gut abzuschneiden. Wenn der erste Prüfungsteil geschafft ist, gehts auf den Platz. Mehrere Sprints und ein anstrengender Intervalltest über etwas mehr als 20 Minuten müssen absolviert werden, damit man in der vierten Liga eingesetzt werden kann.
Highlight
Der Aufwand hat sich für Konopatzki schon in der Saisonvorbereitung gelohnt. Während die meisten Fußballfans nach der WM noch mitfieberten, ob Jürgen Klopp nun Bundestrainer wird, pfiff der Klever Schiedsrichter einige von Klopps baldigen Nationalspielern. Beim Testspiel von Bayer Leverkusen durfte Konopatzki neben bekannten Fußballstars wie Jonas Hofmann, Janis Blaswich oder Edmond Tapsoba auflaufen. „Ein absolutes Highlight meiner Karriere“, schwärmt der 22-Jährige, der auch schon das Revierderby der A-Junioren zwischen Schalke und Dortmund geleitet hat. „Als Schiedsrichter kennt man die Nachwuchsteams der Bundesligisten, aber eine Champions League-Mannschaft zu pfeifen, ist noch einmal besonders.“ Am zweiten Spieltag stand schließlich direkt das nächste Highlight an: Debüt in Liga 4. Im Spiel zwischen Rödinghausen und dem Bonner SC durfte er vor über 900 Zuschauern zum ersten Mal auf Regionalliga-Rasen auflaufen. In einem spannenden Spiel benötigte der Neuling nur fünf gelbe Karten und konnte einen gelungenen Einstieg in die neue Spielklasse feiern. Im weiteren Saisonverlauf geht es für den Verwaltungsbeamten nun darum, weitere Punkte im Bewertungssystem zu sammeln. Wenn das klappt, könnte er vom Fußballverband Niederrhein für einen Perspektivplatz des DFB nominiert werden. Dann winkt im nächsten Jahr mitunter der Kampf um den Aufstieg in Liga 3, doch das ist noch weit hin. „Wichtig ist, dass ich in der neuen Liga Fuß fasse – dann kann ich angreifen“, gibt sich Konopatzki optimistisch.
Maik Heinen steht direkt hinter Konopatzki in den Startlöchern. Nachdem er nur ein halbes Jahr in der Landesliga beobachtet wurde, haben sich die Verantwortlichen des Verbandsschiedsrichterausschusses entschieden, den Uedemer schon zur vergangenen Rückrunde in die Oberliga aufsteigen zu lassen. Dieser Vorgang ist ungewöhnlich, normalerweise entscheidet sich der Aufstieg der Unparteiischen auch erst am Saisonende. Heinen war dementsprechend überrascht von der Nachricht: „Ich war gerade auf einer Kreuzfahrt, als ich den Anruf erhalten habe. Da habe ich mich gefragt, ob ich das richtig verstanden habe – oder der Wind die Wörter durcheinandergewirbelt hat.“ Der 21-jährige hatte aber alles richtig verstanden, zur Rückrunde ging es in die Oberliga. Und der Start verlief traumhaft: „Die Umstellung von der Landesliga auf die Oberliga ist natürlich groß. Besonders die Kulisse und die Organisation sind doch etwas anderes als in der Landesliga. Durch die vielen Traditionsvereine kann man viele tolle Spiele pfeifen.“ Die Beobachter der Oberliga waren sich in ihrer Bewertung am Saisonende einig, Heinen sei in der Oberliga gut aufgehoben. Deshalb kam im Sommer direkt die nächste gute Nachricht: Aufstieg in die A-Junioren Nachwuchsliga des DFB. Dadurch kommt Heinen auch vermehrt bei Junioren-Nationalspielen zum Einsatz, so hat er schon Deutschland-Israel und England-Venezuela bei den B-Junioren geleitet.
Die Nachwuchsligen haben unlängst die Junioren-Bundesligen abgelöst, für die Schiedsrichter bleibt die Herausforderung allerdings gleich. Von Hamburg über Osnabrück bis nach Trier reicht Heinens Einsatzgebiet, dabei lernt er neben neuen Mannschaften auch neue Schiedsrichter-Kollegen kennen. „Normalerweise habe ich meine gewohnten Assistenten an der Linie stehen. Es kann jedoch vorkommen, dass ich bei einem Spiel in Münster einen niedersächsischen Schiedsrichter im Team habe.“ Genau in solchen Konstellationen wird die Teamarbeit der jungen Referees auf den Prüfstand gestellt – etwa bei der Zusammenarbeit bei Abseitsentscheidungen. „Das ist doch gerade das tolle – Schiedsrichterei lebt noch viel mehr von Teamspirit, als man glaubt!“, betont der Versicherungskaufmann. Nun wird es für Heinen darum gehen, ob er nicht nur beruflich als Schutzengel agieren, sondern auch auf dem Platz Fairness garantieren kann. Sollte ihm dies gelingen, könnte er im nächsten Jahr neben Konopatzki der zweite Schiedsrichter des Kreises sein, der in der Regionalliga aktiv ist.
Für Mats Gaerber ist der Weg in die vierte Liga noch etwas weiter, schließlich ist er der jüngste der drei Aufsteiger. Im vergangenen Sommer schaffte er den Sprung in die Landesliga, nachdem er vorher in der Bezirksliga aktiv war. Dieser Aufstieg war die beinahe schon logische Folge seiner Förderung im Kreis und Verband. „Seit drei Jahren bin ich in verschiedenen Verbandskadern aktiv. Dadurch durfte ich in den Niederrheinligen der A- und B-Junioren wertvolle Erfahrungen sammeln“, berichtet der angehende Polizist. „Trotzdem habe ich mich natürlich überaus gefreut, als der Anruf mit der tollen Nachricht kam!“
Nun kämpft der 19-Jährige darum, durch gute Leistungen weiterhin positiv aufzufallen. Sollte ihm dies gelingen, könnte er vom Verband in ein Perspektivteam berufen werden. Dort gäbe es noch intensivere Förderung und die Chance, in die Oberliga aufzusteigen. Schon auf Kreisebene werden junge Talente durch intensives Coaching und spezielle Lehrgänge gefördert. Ein ganz wichtiger Baustein ist dabei das Patensystem. Direkt nach der abgeschlossenen Ausbildung zum Schiedsrichter bekommen die Neulinge einen erfahrenen Kollegen zur Seite gestellt, der mit ihnen die ersten drei Spielleitungen gemeinsam absolviert. So haben sie einen festen Ansprechpartner und eine vertraute Unterstützung bei den ersten Schritten im neuen Hobby. Für den Aufstieg sind auch Faktoren neben dem Platz entscheidend, etwa die Zuverlässigkeit. „Ich muss regelmäßig schauen, wann meine Dienstzeiten sind, da ich dann kein Spiel pfeifen kann“, erzählt Gaerber. In einer speziellen App kann er seine Abwesenheit jedoch ganz einfach im Kalender eintragen, sodass seine Arbeit kein Hindernis für eine erfolgreiche Karriere darstellt. Und letztlich lohnt sich der Aufwand schon im jungen Alter: Mit nur 17 Jahren durfte Gaerber in der legendären Grotenburg vor mehreren tausend Zuschauern als Schiedsrichter-Assistent die Fahne schwingen. Auch wenn sie in drei unterschiedlichen Spielklassen aktiv sind, zeigen die drei jungen Referees bei einer Frage Einigkeit: Sollte man in diesen Zeiten zur Pfeife greifen? „Unbedingt!“, versichern die drei, „mit diesem Hobby kann man nicht nur tolle Erfahrungen auf dem Platz machen – gerade neben dem Platz schafft man sich Erinnerungen, die für immer bleiben!“.
Weitere Informationen findet man unter www.werdeschiedsrichter.de.