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Petra van Bergen, Fachbereichsleiterin der Sozialen Dienste der Diakonie in Geldern. Foto: privat
9. Januar 2026 Von NN-Online · Niederrhein

Medienkonsum – gute Vorsätze umsetzbar machen

Wenn Geschenke süchtig machen: Diakonie gibt Tipps und bietet Beratung an

GELDERN. Konsolen, Handys, Computer waren vor ein paar Wochen häufige Weihnachtsgeschenke – nicht nur für Kinder und Jugendliche. Bei aller Freude über das Geschenk, Eltern, Freunde, Lehrpersonen und Fachleute sorgen sich, dass übermäßiger Konsum zu Beeinträchtigungen und Abhängigkeit führt, teilt die Diakonie im Kirchenkreis Kleve mit.

„Tatsächlich hatten wir in unserer Suchtberatung bereits im neuen Jahr erste Anfragen besorgter Eltern“, so Petra van Bergen, Fachbereichsleiterin der Sozialen Dienste der Diakonie in Geldern. „Das geliebte ‚Geschenk‘ kann zu Konflikten innerhalb der Familie führen, insbesondere dann, wenn bereits Schule, Job oder soziale Kontakte erkennbar vernachlässigt werden.“

Denn es gebe auch Erwachsene, die nach eigener Aussage tagelang durchstreamen und viele Stunden sinnfrei daddeln. Eine Entwicklung, die bei Jugendlichen und Erwachsenen zu gesundheitlichen Einschränkungen führen kann. „Als Suchtprävention und -beratung wollen wir dem entgegenwirken und wir begleiten Betroffene und Angehörige während einer Mediensucht.“

Das Fachjournal BMC Medicine veröffentlichte kürzlich eine Studie von Univ.-Prof. Dr. Christoph Pieh, Leiter des Departments für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität für Weiterbildung Krems. Sie zeigt, dass eine Beschränkung der Smartphone-Nutzung auf unter zwei Stunden pro Tag zu einer signifikanten Verbesserung der psychischen Gesundheit führen kann. Ebenso konnte ein klarer Zusammenhang zwischen Handynutzung und psychischem Wohlbefinden hergestellt werden. Weitere Ergebnisse zeigen: Nach drei Wochen verbesserte sich das Wohlbefinden. Depressive Symptome gingen um 27 Prozent zurück, Stress nahm um 16 Prozent ab, die Schlafqualität stieg um 18 Prozent und das allgemeine Wohlbefinden um 14 Prozent.

Für viele ist die Beschränkung zum Beispiel der Handynutzung undenkbar oder schwierig umzusetzen. Apps sind bewusst darauf programmiert, Nutzung immer wieder zu initiieren. Benachrichtigungen wirken wie kleine Belohnungen, die man immer wieder haben will. Einige kleine Schritte schlägt die Suchtberatung der Diakonie vor: Die Benachrichtigungen von Apps und Chatgruppen auf ein Minimum beschränken. Während der Schule oder der Arbeitszeit können Routinen festlegt werden, die Apps zeitlich begrenzt stummschalten. „Am allerwichtigsten ist jedoch die grundsätzliche Frage, was ich am Handy wie lange tun möchte, statt die Verantwortung für meine Nutzung den apps zu überlassen“, so van Bergen. Wer auch ohne sicht- und hörbare Benachrichtigung oft an das Handy geht, könnte in diesen Momenten kurz bis 10 zählen. „Allein dieses kurze Innehalten führt zu einer Reduzierung der Handynutzung, weil Menschen den eigenen Konsum hinterfragen“, so die Fachberaterin weiter. Wer nicht akut erreichbar sein muss, kann das Handy für regelmäßige Tätigkeiten, Hausaufgaben, Kochen, Essen, insbesondere während des Schlafs außer Sicht- und Hörweite legen. Ein Radiowecker statt dem Handywecker ist sinnvoll.

Für alle anderen Medien können Regeln ebenfalls angewandt werden. Wichtig ist, dass jeder sich überhaupt realistische eigene Regeln setzt, oder Familienregeln besprochen werden, die für alle verbindlich sind. Beispiele: Keine Mediennutzung während des Essens oder anderen Gesprächen, feste Medienzeiten für Kinder (dazu gibt es Einstellungen an den Geräten oder dem Router), Handys der Familie werden nachts an einen gemeinsamen Ort gelegt. Damit die (eigenen) Regeln erträglich werden, sollte man sich überlegen, was stattdessen Spaß macht: Lesen, Brettspiele, Sport, Musik.

Die Suchtvorbeugung der Diakonie ist am Ostwall 20 in Geldern und unter Telefon 02831/ 9130800 oder E-Mail: vanbergen@diakonie-kkkleve.de zu erreichen.

Petra van Bergen, Fachbereichsleiterin der Sozialen Dienste der Diakonie in Geldern. Foto: privat

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