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Vollblut-Karnevalisten und Freunde: Helmut Vehreschild (l.) und Walter Heicks. NN-Foto: vs
24. Januar 2026 · Verena Schade · Kleve

„Man weiß nie, was kommt“

Walter Heicks und Helmut Vehreschild haben den Klever Karneval über viele Jahre mitgeprägt

KLEVE. Bekanntlich soll man gehen, wenn es am schönsten ist – oder wenn man das Gefühl hat, es ist an der Zeit. So sehen es zumindest Walter Heicks und Helmut Vehreschild, die viele Jahre lang als Präsidenten die Karnevalssitzungen der Schwanenfunker und Brejpott Quaker geprägt haben. Nun übergeben sie ihre Ämter an die nächste Generation. Während Heicks seinen Abschied bereits im vergangenen Jahr verkündet und dabei auch das ein oder andere Tränchen vergossen hat, führt Vehreschild heute Abend ein letztes Mal den Elferrat beim Einzug ins Kellener Schützenhaus an und leitet einen Teil der Premierensitzung, bevor auch für ihn endgültig Schluss ist.

„22 Jahre sind eine lange Zeit“, sagt der 68-jährige Vehreschild rückblickend – und betont, dass er keinen Moment davon missen möchte. Heicks hat das Amt vor zwölf Jahren übernommen und kann gut nachvollziehen, wie es seinem Amtskollegen gerade geht. „Ich habe das auch wahnsinnig gern gemacht“, sagt er. Dennoch sind sich beide einig: Es ist besser, den Zeitpunkt des Abschieds selbst zu bestimmen, als darauf zu warten, dass andere ihn festlegen. Deshalb haben sie bereits vor gut zwei Jahren auf eigenen Wunsch den Wechsel angestoßen. „Ich bin jetzt 72 und ich sehe ja, wie gut allein schon die Verjüngung des Elferrates unserem Verein getan hat“, sagt Heicks. Die jungen Mitglieder brächten eine ganz neue Energie mit und könnten vor allem auch das jüngere Publikum besser erreichen – ein wichtiger Punkt für Karnevalsvereine.

Denn auch darin sind sich beide einig: Der Karneval hat sich verändert. Bewerten möchten sie das nicht, es sei schlicht eine andere Art zu feiern. „Früher standen die Büttenreden im Mittelpunkt, heute gibt es mehr Musik und Tanz. Alles muss kurzweilig und schnell getaktet sein, damit das Publikum dranbleibt“, sagt Heicks, der auch schon mal für Ruhe im Saal sorgen musste. „Für einen ohnehin aufgeregten Redner ist Unruhe das Schlimmste – das hat auch etwas mit Respekt zu tun“, findet er. Vehreschild stimmt ihm zu. Schließlich bestreiten beide Vereine ihre Sitzungen komplett aus eigenen Reihen. „Den Wandel merkt man auch an anderen Stellen. Es gibt noch Aktive, die richtig gut Platt sprechen, aber es werden weniger. Und irgendwann muss man sich sicher fragen, ob das Publikum das überhaupt noch versteht.“ Brauchtumspflege sei wichtig, finden beide. Noch wichtiger sei jedoch, mit ganzem Herzen dabei zu sein. „Die Zeit als Sitzungspräsident war eines der schönsten Kapitel meines Lebens“, sagt Heicks und ist überzeugt: „Und das merken die Leute.“ Vehreschild stimmt zu – auch wenn er sein Prinzenjahr mindestens auf die gleiche Stufe stellt.

Denn Prinzen waren beide ebenfalls: Als Walter der Herzliche führte Heicks 1999 die Klever Narren an, Vehreschild war 2016 als Helmut der Sportliche unterwegs. „Helmut war sogar in meiner Prinzengarde“, erzählt Heicks, dass die beiden Tollitäten seit vielen Jahren befreundet sind. Diese Verbundenheit spiegelt sich auch in den Vereinen wider. Immerhin gibt es nicht ohne Grund inoffiziell auch die Schwanen-Quaker... Daraus sind nicht nur gute Freundschaften entstanden, sondern auch viele besondere Erinnerungen. Ein Moment, den Vehreschild nie vergessen wird: „Das war der Abend, als mein Elferrat mich in meinem Prinzenjahr bei der Schwanenfunker-Sitzung empfangen hat.“ Vergessen wird er aber auch nicht den Abend, an dem er, frisch im Amt des Sitzungspräsidenten, die Zeit bis zum Eintreffen von Prinz André dem Sonnigen – heute ist André Budde Vorsitzender der Schwanenfunker – überbrücken musste. „Wir waren eigentlich schon komplett durch mit der Sitzung“, erinnert er sich. Hier zeigte sich, dass Improvisationstalent als Präsident unerlässlich ist. „Wir haben dann alles Mögliche gemacht – und als der Prinz endlich kam, wurde noch lange gemeinsam gefeiert“, kann Vehreschild heute darüber lachen.

Solche Situationen kennt auch Heicks. Spontanität allein reiche aber nicht immer aus. „Man muss vorbereitet sein – vielleicht eine Ehrung vorziehen oder einen Programmpunkt umstellen.“ Und nicht immer kommt man mit Humor weiter. Heicks erinnert etwa an den Abend, an dem eine Musikerin in den Orchestergraben gefallen und sich dabei leider auch verletzt hat. Und manchmal gab es auch Gäste, die provozieren wollten. „Dann muss man die Zähne zusammenbeißen und vor allem höflich bleiben – niemals unter die Gürtellinie.“ Das haben die beiden schon von ihren Vorgängern Alfred Vermaaten (Brejpott Quaker) und Fred Quinkertz (Schwanenfunker) gelernt.

Und natürlich gab es auch ein aktives Bühnenleben vor dem Chef-Posten. Während Vehreschild als „Lokalreporter Harry“ bereits zwölf Mal solo in der Bütt gestanden hatte, war Heicks zuvor als Teamplayer bei den Chaoten und im Funkerchor aktiv. „Für mich war das damals sehr aufregend“, blickt er auf seinen ersten Einsatz als Präsident zurück. „Man trägt eine große Verantwortung – das macht man nicht mal eben so.“ Alle Gruppen, Programmpunkte und Abläufe müssten im Blick behalten werden. „Man ist Teil der Spielleitung“, erklärt Vehreschild, der, so wie Heicks, unzählige Proben besucht und viele Gespräche geführt hat, um die Moderation für die Sitzungsabende vorzubereiten. Feingefühl sei gefragt, wenn Programmpunkte gekürzt oder angepasst werden müssten. „Kritik muss man aushalten können“, sind sich beide einig – und räumen ein, selbst ihre größten Kritiker zu sein. „Man muss zugeben können, wenn man falsch gelegen hat, Fehler eingestehen und sich dann auch entschuldigen“, findet Heicks. Mit dem Lampenfieber haben beide gelernt umzugehen. „Man kann sich noch so gut vorbereiten – am Ende weiß man nie, was kommt“, sagen sie. Doch spätestens beim Einzug des Elferrates zähle nur noch der Gänsehaut-Moment. „Und nach den ersten paar Sätzen läuft’s fast von allein“, weiß Vehreschild.

Mit Blick auf ihre Nachfolger sind Heicks und Vehreschild mehr als zuversichtlich. Jan Vierboom und Mario Coumans stehen nun alle Möglichkeiten offen. „Jeder Präsident ist anders – und das ist auch gut so“, sagen sie. „Jan wird das gut machen. Wenn er dabei genauso viel Spaß hat wie ich, mache ich mir überhaupt keine Sorgen“, gibt Heicks seinem Nachfolger mit auf den Weg. „Mario ist ein echter Entertainer“, blickt auch Vehreschild gelassen in die Zukunft. Damit beginnt ein neues Kapitel für den Klever Karneval. Walter Heicks und Helmut Vehreschild haben ihn über viele Jahre mitgeprägt. Jetzt nehmen sie – mit ein bisschen Wehmut, aber auch mit Stolz auf das Erreichte – im Saal Platz und hinterlassen eine Bühne, auf der nun andere weitermachen dürfen.

Vollblut-Karnevalisten und Freunde: Helmut Vehreschild (l.) und Walter Heicks. NN-Foto: vs

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