Kirche, Kunst und Karneval
„Knatz Geck“ macht die mögliche Kirchenschließung in Frasselt zum Thema
KRANENBURG. Seit nunmehr zwölf Jahren sind „Knatz Geck“ im Kranenburger Straßenkarneval unterwegs. Ebenso lange ist Dirk Willemsen als Mit-Ideengeber im „närrischen Boot“.
Willemsen entwirft die Skizzen für den jeweiligen Mottowagen. Schritt zwei: In Birten fertigt Michael Mooren den Rohbau für den Wagen, bevor es dann in der Werkstatt von van Wickeren „ans Eingemachte“ geht. Willemsen: „Da muss man in jedem Fall auch noch Andreas Röder nennen, der maßgeblich am Wagenbau beteiligt ist.“ Für Willemsen ist Karneval neben dem „Spass anne Freud“ immer auch die Möglichkeit, auf Missstände hinzuweisen oder Pläne der Politik satirisch auszuleuchten. Im vergangenen Jahr traten die Leute von „Knatz Geck“ als Gondolieri auf. Es ging – natürlich – um die Pläne, auf der Großen Straße in Kranenburg einen Bachlauf zu installieren. Willemsen: „Ich finde den Plan gut, aber das Ganze war ja ein echtes Diskussionsthema und ist es noch. Die Sache mit den Gondolieri war also eine humoristische Stellungnahme.“
Als sich Michael Mooren, Andreas van Wickeren und Dirk Willemsen diesmal zum Brainstorming in Sachen Mottowagen zusammensetzten, war die Ideenlage zunächst mau. „In der Politik war wenig los, das man aufs Korn hätte nehmen können“, sagt Willemsen. Schließlich aber kam er mit einer Idee um die Ecke: „Wie wär‘s, wenn wir etwas zur geplanten Kirchenschließung in Frasselt machen?“ Mooren und van Wickeren waren sofort mit dem Thema einverstanden. Willemsen: „Was da abgeht, ist alles andere als witzig.“ Man merkt ihm an, dass er für dieses Thema brennt.
Willemsen machte also einen Entwurf gemacht, in dem ein Pastor seine Kirche nebst Orgel „gegen die Wand fährt“. Das wird, mutmaßt man, dem Pastor nicht gefallen. „Wir machen das ja auch nicht, um dem eine Freude zu bereiten“, sagt Willemsen und fügt hinzu: „Was da passiert, ist doch ein Unding und genau darauf wollen wir hinweisen. Da ist eine völlig intakte Kirche, die geschlossen werden soll, weil zu wenig Besucher zu den Gottesdiensten kommen. Wenn du aber mal Nütterden, Mehr und Frasselt vergleichst und dabei die Gemeindemitgliederzahlen mit einrechnest, dann ist es einfach falsch, dass Frasselt am schlechtesten dasteht.“
Der Wagen greife ein Thema auf, dass für viele Menschen von enormer Bedeutung sei. Eine Kirche ist ja auch ein Stück Heimat. „Den Wagen machen wir im Rahmen dessen, was man künstlerische Freiheit nennt. Und genau die nehme ich für mich in Anspruch.“ Er ist nicht also Jasager oder Abnicker angetreten. Das war schon immer so.
„Es muss 1985 oder `86 gewesen sein, da habe ich für einen Kegelclub einen Wagen gebaut, bei dem es um die Ruine einer Schokoladenfabrik bei uns in Kranenburg ging. Die Ruine der Firma Delfi sah gruselig aus und war am Verfallen. Nicht nur, dass das bescheiden aussah – es war auch noch gefährlich.“ Willemsen entwarf einen Wagen, auf dem dann zu lesen war: „Zum Glück sind die Ratsherrenköpfe hohl. Wir Ratten fühlen uns hier wohl.“ Die Ruine wurden im gleichen Jahr abgerissen. Zufall? Willemsen: „Wenn so etwas passiert, dann weißt du: Der Karneval hat eine Funktion abseits von Spaß und Feiern.“
Beim „Kirchenwagen“ geht es diesmal quasi um das Gegenteil von Abreißen. Willemsen: „Da steht ein vollkommen intaktes Gotteshaus mit einer (noch) intakten Orgel. Und jetzt soll der Laden dicht gemacht werden? Das kann doch wohl nicht wahr sein.“ Willemsen ist nicht allein mit seiner Meinung und man darf davon ausgehen, dass der Wagen mit seiner Botschaft vielen Menschen in Frasselt aus der Seele spricht. Willemsen: „Wir werden sehen, wie die Sache weiter geht.“ Mittlerweile hat Willemsen in Sachen Wagengestaltung nur noch zwei „Kunden“. Da ist zum einen Knatz Geck und zum anderen die Freiwillige Feuerwehr. Worum wird es da diesmal gehen? „Um das Verkehrschaos bei Rewe.“ Na dann. Ach ja – da wäre dann doch noch eine letzte Frage: Was, wenn die Kirche nun doch nicht geschlossen wird? Willemsen: „Dann denke ich mir: Moppern hilft!“ Mittlerweile ist in bei der Wagenbeschriftung aus einem ehemaligen Aussagesatz eine Frage geworden: „Was die Vorfahren stolz errichtet, wird das in Frasselt jetzt vernichtet?“ Eines steht fest: Man darf gespannt sein.
Willemsens Entwurf für den Kirchenwagen. „In echt werden die Leute den Wagen dann beim Frühschoppenzug zu sehen bekommen.“ NN-Foto: HF