"Georg Hiob, Maren Hendes, Johanna Löw präsentieren Kinderschutzkoffer im Klever Kolpinghaus"
10. Juni 2026 · Heiner Frost · Kleve

Kinderschutz beginnt mit Vorbeugung

Paritätischer stellt Präventionskoffer vor

NIEDERRHEIN. Kinderschutz bedeutet immer auch: Prävention. Hinschauen. Mitdenken. Kinderschutz setzt Kompetenz auf Seiten aller voraus, die beispielsweise in Kitas arbeiten. Kinderschutz bedeutet aber auch, den Kinder „Werkzeuge“ an die Hand zu geben.

Der Paritätische hat nun mit dem „Kinderschutzkoffer“ ein ebensolches Werkzeug vorgestellt. Johanna Löw, Fachreferentin für Kinderschutz beim Paritätischen: „Gewaltprävention und die Stärkung von Kindern sind elementare Bausteine des Kinderschutzes und gehören zu den grundlegenden Aufgaben pädagogischer Arbeit. Kinder brauchen Erwachsene, die sie ermutigen, über ihre Gefühle zu sprechen, die sie stärken und gemeinsam mit ihnen Themen wie Gefühlsbildung, den Umgang mit Gewalt und sexuelle Bildung bearbeiten.“ Zur Frage des Transfers von der Theorie in die (all)tägliche Praxis sagt Löw, die Initiatorin des Projekts: „Genau hier möchte der Paritätische NRW seine Mitgliedsorganisationen mit dem Projekt Paritätische Kinderschutzkoffer unterstützen.“ Gestartet wird das Projekt mit zehn Koffern – für das Land Nordrheinwestfalen. Zehn? Die vergleichsweise kleine Zahl erklärt Georg Hiob, Geschäftsführer der Kreisgruppen Kleve und Wesel beim Paritätischen, mit begrenzten Mitteln. Klartext; Mehr Budget, mehr Koffer.

For members only

Beim Kinderschutzkoffer, der (leider) nur den Mitgliedern zugänglich gemacht werden kann, geht es einerseits darum, Kinder zu stärken und andererseits darum, alle Erwachsenen, die beispielsweise in Kitas arbeiten, für die Grenzen des eigenen Verhaltens und das der Kollegen zu sensibilisieren. Hiob: „Wir als Paritätischer sind ja ein Dienstleister und es geht für uns darum, Leute zu erreichen.“

Es hat sich viel geändert

Zurück zu den „Verhaltensgrenzen“. Früher, da sind sich Löw und ihre Kollegin Maren Hendes, Fachreferentin Tagesangebote für Kinder, einig: „Früher hat sich niemand etwas dabei gedacht, einem Kind ungefragt über den Kopf zu streicheln. Das ist heute übergriffiges Verhalten.“ Es sei, so Löw und Hendes, nicht nur wichtig, die Kinder aufmerksam zu beobachten. „Wenn es um Übergriffigkeiten geht, dann darf es auch innerhalb eines Teams keine Hierarchien geben.“ Es gehe immer auch um Haltungsfragen.

Eltern ins Boot holen

"Fröhliche Gruppe von Menschen im Gespräch, lächelnd, freundschaftliche Atmosphäre"

Und? Wie seid ihr drauf? Foto: HF

Und wenn nicht jedes Kind Worte findet, um seine Lage zu beschreiben, bietet der Koffer reichlich Material. Da wären beispielsweise bunte Gesichter, die verschiedene Stimmungslagen darstellen und so zum Signal für die Erziehenden werden. Löw: „Es ist bei diesem Thema aber auch wichtig, die Eltern mit ins Boot zu holen.“ Die Koffer sind mit reichlich Material gefüllt. Da wäre zum einen ein roter Koffer. Da geht es inhaltlich um „Gefühle, Grenzen und Gewalt“. Und dann wäre da der blaue Koffer mit der Aufschrift „Sexuelle Bildung“.

Ein lobenswertes Projekt, bei dem man sich als Außenstehender allerdings fragt, warum der Koffer und sein Inhalt nur den Mitgliedern des Paritätischen zur Verfügung steht. Man würde sich wünschen, dass Aktionen wie diese ein landespolitisches Unterfangen wären und für alle, die mit Kinder arbeiten, erreichbar sind. Für die Mitglieder beim Paritätischen wurden die Koffer, deren konzeptionelle Inhalte übrigens auch digitalisiert wurden und also im Internet abrufbar sind, im Rahmen einer Vorstellung präsentiert. Ergänzend zur Auftaktveranstaltung stehen die Paritätischen Kinderschutzkoffer bis einschließlich 16. Juni bei Fachreferentin Maren Hendes zur Ansicht bereit. Termine können individuell per E-Mail unter hendes@paritaet-nrw.org vereinbart werden.

Georg Hiob, Maren Hendes und Johanna Löw bei der Vorstellung des Kinderschutzkoffers im Klever Kolpinghaus. NN-Foto: HF

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