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Sovana ist dankbar für die Zeit in Kenia. Foto: privat
12. Dezember 2025 · Verena Schade · Kleve

„Hat meinen Blick auf die Welt verändert“

Sovana de Groot hat einen Freiwilligendienst in Kenia geleistet und möchte diese Erfahrung auch nicht missen

KLEVE. Es hat seine Zeit gebraucht, bis Sovana de Groot wieder Frieden mit sich und der Welt schließen konnte. „Seit meiner Rückkehr habe ich alles hinterfragt. Ich war unendlich traurig über so viel Ungerechtigkeit und fühlte mich machtlos“, erzählt die 20-jährige Kleverin, die nach dem Abitur zehn Monate lang einen Freiwilligendienst in Kenia absolviert hat. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – möchte sie anderen jungen Menschen Mut machen, den Schritt zu wagen. „Diese Erfahrung hat meinen Blick auf die Welt verändert, mir die Augen geöffnet und mir einen ewigen Schatz gegeben“, sagt sie.

„Mein Glaube hat mich getragen“, betont Sovana, und es ist kein bisschen dahingesagt. „Ich bin im christlichen Glauben aufgewachsen“, erzählt sie – und sie hat, über viele Stationen hinweg, ihren eigenen Weg gefunden: katholisch getauft, später zur Evangelischen Kirche konvertiert und jetzt in der Freikirche. „Mir war es immer wichtig, meinen Glauben lebendig zu leben“, sagt sie. Ein Schlüsselmoment war das „Christival“. „Dort habe ich den modernen Lobpreis zum ersten Mal richtig kennengelernt“, erzählt sie. In Kenia hat sie Glauben praktiziert in einer einfachen Hütte mit Wellblechdach. Der Gottesdienst war lebendig, familiär und freudvoll. Das Leben in Kenia und die Straßen wie ein Wimmelbuch. Und Sovana: mittendrin. Zehn Monate lang begleitete sie das Projekt Fadhili Dada („Hilf Deiner Schwester“) der Crossroads Fellowship Church in Kisumu in Westkenia. Träger ihres Freiwilligendienstes war das Forum Wiedenest, ein christliches Bildungs- und Begegnungszentrum in Bergneustadt-Wiedenest bei Köln. „Fadhili Dada ist eine Anlaufstelle für schwangere Mädchen und Teenie-Mütter“, erklärt Sovana. Sie selbst betreute die Kinder, während die Mütter zur Schule gingen oder eine Ausbildung machten. Es gibt dort auch ein Frauenhaus, in dem die jungen Mütter mit ihren Kindern leben, solange sie besondere Unterstützung brauchen. „Der Alltag vieler Menschen dort ist herausfordernd. Man kocht über dem Feuer, wäscht mit der Hand – und weiß am Abend nicht, ob man am nächsten Morgen etwas zu essen hat. Viele der Mütter kommen aus komplizierten Familienverhältnissen und ihre Kinder sind teilweise das Ergebnis von Armutsprostitution“, erzählt sie. „Und trotzdem ist da so viel Licht, so unglaublich viel Lebensfreude.“ Diese Erfahrung hat sie tief bewegt. Auch die bedingungslose Gastfreundschaft und der starke Zusammenhalt der Gemeinschaft haben sie beeindruckt. „Ich kam dort an und wurde sofort herzlichst aufgenommen“, sagt sie dankbar. „Es war so leicht, die Menschen dort zu lieben, weil sie mich zuerst geliebt haben.“ Rund 15 Kinder betreute sie gemeinsam mit einer weiteren Freiwilligen. Die Schicksale der jungen Mütter sind ihr, als in etwa gleichaltriger Frau, sehr nah gegangen. „Man lernt, das Leben hier ganz anders zu schätzen, wenn man erlebt, wie man mit kleinen Dingen, die für uns selbstverständlich sind, große Freude bereiten kann“, erzählt sie. „Wir haben zusammen getanzt, über Gott gesprochen und ich habe es zutiefst genossen, eine Schwester sein zu dürfen“, sagt sie. Und weil sie Klavier spielt und singt, konnte sie sogar die Worship-Band unterstützen und die Gottesdienste mitgestalten. Besonders wichtig ist ihr: „Wir müssen uns bewusst machen, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung genau so lebt – und wie gesegnet wir hier sind! Während wir uns über eine lange Schlange im Supermarkt ärgern oder im Stau gestresst sind, kämpfen die Menschen dort ums Überleben – und klagen trotzdem nicht.“

Wie es für Sovana weitergeht, weiß sie noch nicht genau. „Wahrscheinlich werde ich studieren, vielleicht etwas Soziales oder Theologie“, überlegt sie. Auch ein weiterer Auslandsaufenthalt ist für sie vorstellbar – etwas, das sie vor ihrem Freiwilligendienst nie in Betracht gezogen hätte. „Eigentlich bin ich gar kein mutiger Mensch“, meint sie. Und trotzdem hat sie sich für Kenia entschieden. „Es war ein innerer Ruf, ich musste es einfach tun“, sagt sie. Der Schritt aus ihrer Komfortzone heraus war nicht leicht, aber heute ist sie dankbar dafür: „Diese Zeit hat mich in so vieler Hinsicht weitergebracht, auch wenn sie herausfordernd war.“ Ihren Mitmenschen rät sie, ihren Herzen zu folgen. „Mut ist Angst, die gebetet hat“, hat Corrie ten Boom, eine niederländische Widerstandskämpferin, einmal gesagt. „Für mich stimmt das“, sagt Sovana. Aber am Ende möchte sie vor allem eines: „Danke sagen – meiner Familie, den Gemeinden und allen Menschen, die mich unterstützt und mir geholfen haben, diesen Traum zu verwirklichen. Es ist das Beste, was ich hätte machen können.“

Sovana mit ihrer Worship-Band. Foto: privat

Sovana mit ihrer Worship-Band. Foto: privat

Auch die üppige Natur hat Sovana begeistert. Foto: privat

Auch die üppige Natur hat Sovana begeistert. Foto: privat

Sovanas Alltag mit den Kindern. Foto: privat

Sovanas Alltag mit den Kindern. Foto: privat

Sovana ist dankbar für die Zeit in Kenia. Foto: privat

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