Gruppenfoto ehrenamtlicher Helferinnen im Ladenlokal der Kinderkiste, lächelnd vor Regalen, Fototermin mit Susanne Eis und Team.
29. Mai 2026 · Verena Schade · Kleve

Gegen die Wegwerfgesellschaft

Die Kinderkiste Flic-Flac des SkF setzt seit 20 Jahren auf Nachhaltigkeit, Ehrenamt und Hilfe für Familien

KREIS KLEVE. „Die Sachen sind einfach zu schade zum Wegschmeißen und ich finde immer etwas, wenn ich hier bin“, sagt eine Frau aus Goch, während sie die Kleiderständer inspiziert. Sie spendet selbst regelmäßig Kleidung, aus denen die Kinder herausgewachsen sind – und freut sich, wenn sie beim Stöbern auf etwas stößt, was ihre Enkelkinder „wiederverwerten“ können. Eine Mutter mit Kleinkind ist derweil fündig geworden und steht an der Kasse. Da kommt schon die nächste Kundin zur Tür herein. „Bei uns ist eigentlich immer was los“, sagt Gisela Bohnke, die seit vielen Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin der Kinderkiste und gemeinsam mit Petra Zimmer Gruppensprecherin ist.

"Kinderkiste Flic-Flac Öffnungszeiten, Hagsche Straße, Montag-Donnerstag, Spielzeugladen"

Geöffnet ist die Kinderkiste Flic-Flac an der Hagschen Straße 59-63 montags und donnerstags von 9.30 bis 12 Uhr sowie von 14.30 bis 17.30 Uhr und mittwochs von 14.30 bis 17.30 Uhr. Foto: Rüdiger Dehnen

Träger des Second-Hand-Ladens an der Hagschen Straße am Rand der Fußgängerzone ist der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Als Frauen-Fachverband innerhalb der katholischen Kirche übernimmt der SkF vielfältige soziale Aufgaben – unter anderem im Auftrag der Kommunen im Kreis Kleve, des Kreises selbst sowie des Landes NRW. Gegründet wurde Flic-Flac am Weltfrauentag 2006. Vor kurzem feierte der Laden sein 20-jähriges Bestehen. Rund 20 ehrenamtliche Helferinnen und auch viele Alt-Verdiente, die aus Altersgründen inzwischen ausgeschieden sind, kamen dazu im Pfarrzentrum St. Mariä Himmelfahrt zusammen. SkF-Geschäftsführer Dieter Paeßens und Inga Veeger, derzeitige Vorsitzende, dankten den Ehrenamtlichen für ihren Einsatz und betonten in ihrer Festrede: „Das Herz der Kleiderkiste schlägt durch die vielen Ehrenamtlichen.“ Immer wieder kämen neue Helferinnen hinzu und sorgten dafür, dass das Projekt auch nach zwei Jahrzehnten lebendig bleibe. Anerkennung erhielt das Engagement auch von anderer Seite: 2025 belegten die Kindersecondhandläden in Kleve und Kevelaer – die SkF-Verbände beider Städte waren bereits 2018 zum SkF im Kreis Kleve fusioniert – den zweiten Platz beim Ehrenamtspreis des Bistums Münster.

Dorothee Duderstadt, langjährige Vorsitzende des SkF, gehörte zu den Mitbegründerinnen der Kinderkiste. „Die Idee kam damals aus der Geschäftsführung. Ich habe mir verschiedene Läden angeschaut und überlegt, wie man so etwas hier umsetzen könnte“, erinnert sie sich. Unterstützung erhielt sie dabei unter anderem vom damaligen Bürgermeister Theo Brauer, der eine städtische Immobilie an der Werftstraße mietfrei zur Verfügung stellte. „Dort waren wir sechs Jahre lang. Es war eng, aber gemütlich“, erzählt Duderstadt. Als das Gebäude abgerissen werden sollte, musste jedoch ein neuer Standort gefunden werden. Nach längerer Suche zog die Kinderkiste schließlich an die heutige Adresse – „unter sehr fairen Bedingungen“, wie Duderstadt betont.

Auf rund 130 Quadratmetern Verkaufsfläche fanden damals Kinder- und Babyartikel aller Art Platz – von Unterwäsche bis hin zum Kinderwagen. Heute wünschen sich die Helferinnen allerdings mehr Lagerfläche, denn die Spendenbereitschaft ist groß und die Kapazitäten stoßen schnell an ihre Grenzen. „Anfangs gab es durchaus Kritik, weil wir die Sachen kostenlos bekommen, sie aber nicht verschenken“, erinnert sich Duderstadt. Doch dahinter stecke ein bewusstes Konzept: „Es geht um Wertschätzung.“ Man habe verhindern wollen, dass Kleidung achtlos mitgenommen und später doch entsorgt werde – nach dem Motto: Was nichts kostet, ist nichts wert. Gewinne, die nach Abzug aller laufender Kosten erzielt werden, kommen der Gruppenarbeit zugute, die der SkF für Frauen unterhält, etwa für junge Mütter oder wohnungslose Frauen. Ebenso bewusst habe man von Beginn an darauf verzichtet, den Kundenkreis einzuschränken. Wer bei Flic-Flac einkaufen möchte, müsse keine Bedürftigkeit nachweisen. „Jeder kann kommen und einkaufen“, sagt Bohnke. Viele Stammkunden schauen regelmäßig vorbei, andere kämen spontan zum Stöbern. Dabei bleibe oft auch Zeit für ein Gespräch. „Immer mehr Menschen möchten bewusst etwas gegen die Wegwerfgesellschaft tun“, beobachtet Bohnke. Viele kämen nicht in erster Linie, um Geld zu sparen, sondern weil ihnen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung wichtig seien. „Da hat sich in 20 Jahren einiges verändert“, weiß Bohnke.

Verändert habe sich auch das Kaufverhalten. Manche Angebote, etwa Starterpakete für Neugeborene, seien heute kaum noch gefragt. „Die Kunden sind anspruchsvoller geworden“, sagt Bohnke. Auch Bücher würden nur noch selten verkauft. Die Spendenbereitschaft hingegen sei weiterhin groß. „Wir bekommen meistens ausreichend Waren, die wir für einen kleinen Obolus weitergeben können“, erzählt sie dankbar. Dennoch werde genau aussortiert. Nicht jede Spende lande automatisch im Regal. „Wir achten sehr darauf, dass die Sachen sauber und gut erhalten sind“, betont Bohnke.

In diesem Zusammenhang spricht sie auch ein Problem an, das die Helferinnen schon lange beschäftigt: Vor dem Laden gilt ein Halteverbot. Das erschwere das Anliefern größerer Spenden wie Möbel, Spielzeug oder mehrerer Kartons Kleidung erheblich. „Eine kurzfristige Parkerlaubnis wäre für die Spender und auch für uns eine große Erleichterung“, sagt sie.

Gesucht werden zudem weiterhin neue Mitstreiterinnen für das ehrenamtliche Team – insbesondere für die Nachmittage am Mittwoch und Donnerstag. Neben der gemeinsamen Arbeit erwartet die Ehrenamtlichen ein gutes Miteinander. „Wir machen Ausflüge, gehen zusammen kegeln und einmal im Jahr lädt uns der SkF zu einem großen Frühstück ein“, erzählt Bohnke. Aktuell werden außerdem besonders Kinderwagen und Kinderfahrräder benötigt. „Solche Dinge sind immer schnell verkauft, werden aber ständig nachgefragt“, sagt sie. Kinderkleidung bis Größe 164 und Umstandskleidung sind natürlich nach wie vor willkommen, „wenn es Sachen sind, die man auch selbst noch tragen würde“, sollte Orientierungshilfe sein. Ob als Spender oder Helfer – die Botschaft der Ehrenamtlichen ist eindeutig: „Einfach mal vorbeischauen.“ Geöffnet ist die Kinderkiste Flic-Flac an der Hagschen Straße 59-63 montags und donnerstags von 9.30 bis 12 Uhr sowie von 14.30 bis 17.30 Uhr und mittwochs von 14.30 bis 17.30 Uhr.

Fototermin im Ladenlokal: Susanne Eis, Irmgard Janßen, Dorothee Duderstadt, Angelika Killemann und Gisela Bohnke (v.l.) stehen hier stellvertretend für eine ganze Reihe von Helferinnen, die ehrenamtlich in der Kinderkiste arbeiten. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

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