"Fröhliche Zusammenkunft beim Zwergenglück-Treffen, Foto von Rüdiger Dehnen"
31. Juli 2026 · Verena Schade · Kleve

Ein Stück Wärme schenken

Gemeinsam für die Kleinsten stricken: Die Initiative „Zwergenglück“ hat ein neues Zuhause gefunden

NIEDERRHEIN. Stricken war für Ulrike Heetlage schon immer eine Herzensangelegenheit. Vor zwölf Jahren hat sie die Gruppe „Zwergenglück“ ins Leben gerufen. Vorher hat sie warme Kleidungsstücke für Menschen in Afrika gestrickt und gespendet. Aus diesem Engagement heraus entstand schließlich die Idee, Früh- und Neugeborenen vor Ort etwas Gutes zu tun. Was mit einer ersten Übergabe von 42 kleinen Sets begann, hat sich zu einem beeindruckenden ehrenamtlichen Projekt entwickelt: Heute fertigt die Initiative jährlich über 1000 Sets, die jeweils zur Hälfte an das St.-Antonius-Hospital in Kleve und das St.-Clemens-Hospital in Geldern übergeben werden.

Gehäkeltes Kuscheltier Bär, handgemacht, beliebt bei Familien, DIY, Häkelkunst, Geschenkidee für Kinder.

Auch gehäkelte Kuscheltiere kommen bei den Familien gut an. Foto: Rüdiger Dehnen

Für Heetlage ist das Engagement eng mit ihrer eigenen Lebensgeschichte verbunden. Ihr Sohn kam 1989 als Frühchen im St. Antonius-Hospital zur Welt. „Wir sind hier so gut versorgt worden. Ich wollte einfach etwas zurückgeben“, erzählt sie. Das Sortiment der Handarbeiten ist im Laufe der Jahre stetig gewachsen. Neben Mützchen, Söckchen, Pullovern und weiterer Kleidung für Früh- und Neugeborene entstehen auch Beanies und selbst gehäkelte Kuscheltiere. Einen besonderen Stellenwert nimmt die Arbeit für Sternenkinder ein. Mit viel Liebe nähen die Ehrenamtlichen Decken und Einschlagtücher. „Das kann aber nicht jeder“, räumt Heetlage ein, dass dies für einige der Frauen, sie selbst eingeschlossen, emotional zu schwierig ist. Dennoch ist sie dankbar, dass es Mitstreiterinnen gibt, die diese Arbeit übernehmen und so den Familien mit Sternenkindern zeigen, dass sie nicht vergessen werden.

In den vergangenen Jahren hat „Zwergenglück“ unzählige Kleidungsstücke gestrickt. Im vergangenen Jahr, kurz vor Weihnachten, konnte die Gruppe mit rund 1.200 winterlichen Mützen und Söckchen einen neuen Spendenrekord aufstellen. „2012 habe ich im Krankenhaus ein kleines Körbchen abgegeben. Heute kommen wir mit großen Taschen“, freut sich Heetlage. Zur Gemeinschaft gehören heute rund 15 bis 20 Ehrenamtliche. Etwa zehn Frauen treffen sich regelmäßig alle zwei Wochen zum gemeinsamen Stricken und Häkeln. Hinzu kommen die „Ghost-Strickerinnen“, die von zu Hause aus mitarbeiten, sowie ein Mann, der die Gruppe tatkräftig unterstützt und kleine Turnschuhe häkelt. Bisher fanden die Treffen im Pfarrheim Materborn statt. Nun hat man im Haus Frerick an der Lindenallee 20 ein neues Domizil gefunden. Das nächste Treffen ist am 6. August von 15 bis 17 Uhr geplant.

Damit die Kleidung den hohen Anforderungen auf den Geburts- und Frühchenstationen entspricht, verwendet die Gruppe für Frühchen ausschließlich kochfeste Strumpfwolle, die bei 60 Grad gewaschen werden kann. Für andere Kleidungsstücke genügt Wolle, die bei 30 Grad waschbar ist. Ein Teil des Materials wird privat finanziert, weshalb „Zwergenglück“ auf Unterstützung angewiesen ist. Regelmäßig helfen Wollgeschäfte wie das Handarbeitsstübchen in Rees mit Materialspenden. Darüber hinaus gibt es ein Spendenkonto, und immer wieder unterstützen auch Familien die Initiative – beispielsweise, indem sie anstelle von Geburtstagsgeschenken um Spenden bitten.

Für Ulrike Heetlage und ihre Mitstreiterinnen ist jede fertige Mütze, jede Decke und jedes Paar Söckchen weit mehr als ein Handarbeitsprojekt. „Wir denken an euch und wir machen es gerne“, beschreibt sie die Motivation der Gruppe. Besonders schön sei es, wenn sie Kinder mit ihren selbstgestrickten Sachen begegne. „Wir freuen uns immer, wenn wir Kinder mit unseren Sachen sehen. Das ist der schönste Lohn für unsere Arbeit.“ Mit jedem Kleidungsstück schenkt die Initiative Familien ein Stück Wärme, Geborgenheit und Hoffnung – in einer Zeit, die für viele von ihnen besonders bewegend ist.

Neue Mitstreiterinnen und selbstverständlich auch Mitstreiter sind jederzeit willkommen. „Wer mitmachen möchte, kommt einfach vorbei und bringt am besten gleich Wolle und ein Nadelspiel der Stärke 2 oder 3 mit“, sagt Heetlage. Fragen beantwortet sie gern per Mail an ulrikehee@web.de. Hier kann man sich natürlich auch melden, wenn man Wollspenden abgeben möchte. Beim Haus Frerick kann man Wollspenden montags bis donnerstags zwischen 10 und 16 Uhr abgeben. „Oder man bringt die Wolle einfach bei einem unserer Treffen vorbei“, sagt sie. Nach dem 6. August geht es am 20. August, 3. und 17. September weiter. So langsam dürfen es auch „weihnachtliche“ Farben oder Stoffe mit weihnachtlichen Motiven sein, denn die nächste Übergabe steht wieder kurz vor den Festtagen an. Wer die Initiative Zwergenglück unterstützen möchte, findet weitere Infos in Kürze (Seite ist aktuell noch in Bearbeitung) im Internet auf der Seite www.initiative-zwergenglueck.de.

Gesellig geht es bei den Treffen des „Zwergenglücks“ zu. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

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