Ein persönlicher Abschied: Trauerreden zu Lebzeiten
Expertinnen aus Rees wissen: Wer sie vor dem Tod selbst vorbereitet, setzt Akzente
NIEDERRHEIN. Den meisten Menschen liegt es fern, sich zu Lebzeiten mit ihrem eigenen Tod zu beschäftigen. Das ist verständlich, aber es gibt durchaus gute Gründe dafür und mehrere Arten, es zu tun. Ein Beispiel ist die Trauerrede zu Lebzeiten, die erst seit einigen Jahren langsam in der Bestattungskultur ankommt. Was hinter dem Konzept steckt und was dafür spricht, davon berichten Trauerbegleiterin Mandy Fritze-Rumahi und Tanja Warning von Bestattungen Warning aus Rees, die in diesem Kontext zusammenarbeiten.
So unangenehm der Gedanke auch sein mag: Wer sich dazu entscheidet, die eigene Trauerrede vorzubereiten, weiß nicht nur, was später einmal über einen gesagt wird, „es dient auch der Entlastung der Angehörigen“, sagt Mandy Fritze-Rumahi. Manchen Hinterbliebenen falle die Vorbereitung einer solchen Rede zwar leicht, andere wiederum könnten nur schwer über derartiges sprechen. Das nicht nur in emotionaler Hinsicht, oft fehlt auch der detaillierte Überblick über das Leben der betroffenen Person. „Jeder hat seine eigene Geschichte mit dem Verstorbenen, der Blickwinkel ist stellenweise sehr einseitig“, erläutert Tanja Warning. Das ist anders, wenn man die Rede selbst über einen längeren Zeitraum gestaltet und bei Bedarf überarbeitet: „Noch persönlicher oder umfangreicher geht es einfach nicht.“
Auch wenn das Thema noch nicht sehr weit verbreitet ist, haben die Expertinnen aus Rees bereits viele positive Reaktionen auf diese Option bekommen. Überhaupt bemerken sie eine immer häufigere Abkehr von der kirchlichen Beisetzung, die für gewöhnlich auch eine eher klassische Trauerrede einschließt. „Es fühlt sich nicht immer, aber oftmals unpersönlich an. Das möchten viele Menschen nicht mehr.“
Hilfe bei der Bewältigung
Über eine Trauerrede zu Lebzeiten kann die zukünftig versterbende Person nicht nur ihr Leben noch einmal Revue passieren lassen, ein weiterer Vorteil ist auch: Wenn sie sich nicht mehr um die Trauerrede kümmern müssen, fällt den Angehörigen eine Last von den Schultern, was mehr Raum für die Trauerbewältigung lässt.
Auch in der inhaltlichen Ausgestaltung spielt die Möglichkeit einer leichteren Trauerbewältigung eine Rolle, vor allem, wenn sich in der Rede persönliche Worte an die Hinterbliebenen wiederfinden. Diese fehlen in einer herkömmlichen Trauerrede naturgemäß. Das können zum Beispiel die schönsten Erinnerungen mit den Familienmitgliedern sein oder Dinge, die man Zeit seines Lebens nicht gesagt hat oder sagen konnte. „Das ist auch eine Generationen-Sache: Die älteren Menschen sind in einer anderen Zeit aufgewachsen, wo persönliche Dinge eher selten ausgetauscht wurden“, erläutert Warning.
Individuelle Gestaltung
Eine solche Trauerrede lässt sich ganz individuell gestalten. So ist auf Wunsch zum Beispiel immer auch Raum für Humor in Form von Anekdoten oder Eigenheiten der Person. Wo Angehörige vielleicht Zweifel und Vorbehalte haben, kann die betroffene Person viel leichter entscheiden. „Es nimmt einem niemand übel“, die Verantwortung bleibe schließlich bei der Person, die es betreffe, sagt Fritze-Rumahi.
Zum Inhalt einer Rede gehören für gewöhnlich auch der Mensch als solcher, also seine Persönlichkeit, sowie seine Lebensbiographie mit den wichtigsten Stationen, seien es die Wohnorte, der Beruf, die Familie oder das Engagement im Privatleben. Da ein Lebenslauf immer unterschiedlich ausfällt, lässt sich der Inhalt ganz individuell gewichten. „Manche legen großen Wert auf den Werdegang, andere wollen es gar nicht dabeihaben“, sagt Fritze-Rumahi.
Auch wenn noch nicht jeder die Möglichkeit anbietet, ist bei Interesse an einer Trauerrede zu Lebzeiten der Bestatter des Vertrauens die beste Anlaufstelle. Nach einem ersten Gespräch dürfte sich schnell zeigen, ob es zwischen Klient und Bestatter menschlich passt. Das ist wichtig: „Es ist immerhin eine sehr intime Angelegenheit“, sagt Warning. In weiteren Gesprächen mit den Bestattern nehmen diese dann die gewünschten Inhalte in Stichpunkten mit, um auf dieser Grundlage die Rede auszuformulieren. Wer möchte, darf dabei natürlich auch die Angehörigen mitbringen.
Hilfreich ist dabei immer ein wenig Vorbereitung: Die Expertinnen empfehlen, im Vorfeld zu überlegen, in welche Richtung die Rede gehen soll, welche persönlichen Dinge man erzählen möchte und mit welchen Schwerpunkten. Auch über die Musik kann man sich schon im Vorfeld Gedanken machen. Die Bestatter stehen bei alledem immer begleitend zur Seite, damit niemand sich verloren fühlt.
Wer eine Trauerrede zu Lebzeiten angehen möchte, kann das gut im Rahmen einer allgemeinen Bestattungsvorsorge tun. Ein Muss ist das aber nicht.