Deutscher Mühlentag in Kalkar: Historische Windmühle dreht sich wieder
Zum 30-jährigen Jubiläum der Wiederinbetriebnahme gibt es exklusive Einblicke, Führungen und ein großes Mühlenfest
KALKAR. Das Wetter wird am Montag entscheidend sein. Denn damit sich die Kalkarer Mühle am Pfingstmontag, dem traditionellen Deutschen Mühlentag, auch tatsächlich drehen kann, braucht es Wind. „Wir Müller müssen auch heute immer noch das Wetter beobachten“, sagt Sabine Hillebrecht, examinierte und ehrenamtliche Müllerin. Denn zu viel Wind könne die Mühle beschädigen, zu wenig Wind bringe aber natürlich keine ausreichende Leistung. Deshalb müssten die Flügel immer passend zur Windstärke und die Flügelachse natürlich auch zur Windrichtung („die Mühle in den Wind drehen“) eingestellt werden. „Bis sich die Mühle dreht, gibt es für uns einiges zu tun“, berichtet Hillebrecht. Am kommenden Pfingstmontag, 25. Mai, gibt die Müllerin Interessierten ab 12 Uhr exklusive Einblicke in die Kalkarer Mühle, die an diesem Tag besichtigt werden kann. Gleichzeitig feiert der Verein Kalkarer Mühle am Hanselaerer Tor das 30-jährige Jubiläum der Wiederinbetriebnahme der historischen Windmühle.
Mit knapp 27 Metern (ohne Flügel) sei die Kalkarer Mühle die größte Mühle am Niederrhein in einem Stadtgebiet, was das markante Wahrzeichen der Stadt Kalkar zu etwas ganz Besonderem mache. „Mühlen kann man nur mit ganz vielen Händen betreiben. Wenn Gilden nicht da sind und den oder den schicken, geht das nicht“, betont Hillebrecht, „denn so eine Mühle braucht wirklich eine kontinuierliche Pflege“. In Kalkar zeichnet sich der Verein Kalkarer Mühle am Hanselaerer Tor dafür verantwortlich, das markante Wahrzeichen der Stadt Kalkar zu beschützen. Immerhin reicht die Geschichte der Kalkarer Mühle bis ins Jahr 1770 zurück. Damals wurde das baufällige Hanselaer Tor, die ehemalige Ostpforte der Stadt Kalkar, abgetragen.
Der französische Lederfabrikant Guerin nutzte die Steine des Tores, um in unmittelbarer Nähe eine Lohmühle zu errichten. In der mächtigen Windmühle wurde zunächst Eichenrinde für die Ledergerbung gemahlen. Später entwickelte sich die Mühle zu einer Getreidemühle und prägte über Generationen das Stadtbild. Gemeinsam mit der angrenzenden Scheune und dem ehemaligen Müllerhaus bildet die Kalkarer Mühle ein denkmalgeschütztes Ensemble, das 1985 in die Denkmalliste eingetragen wurde. Mitte der 1990er Jahre wurden Scheune und Windmühle umfassend restauriert und 1996 als Gaststätte und historische Mühle wieder in Betrieb genommen.
Das 30-jährige Jubiläum, das der Verein Kalkarer Mühle am Hanselaerer Tor am kommenden Pfingstmontag mit allen Interessierten feiern möchte, steht auch unter einem wichtigen Zeichen des Neuanfangs. Nach mehreren Jahren des Stillstands konnte die Mühle mit Unterstützung der NRW-Stiftung, die 60.000 Euro gab, wieder umfassend instandgesetzt werden. Insbesondere notwendige Arbeiten am Flügelkreuz und an den Mühlenruten wurden bis Herbst 2024 abgeschlossen. Kurz vor dem Jubiläum musste zudem ein Problem an der Flügelwelle behoben werden, damit die historische Technik wieder sicher und zuverlässig funktioniert. Dank des Engagements der ehrenamtlichen Müller sowie der kurzfristigen Unterstützung eines niederländischen Mühlenbauers konnte auch diese Herausforderung gemeistert werden, wie der Verein Kalkarer Mühle am Hanselaerer Tor mitteilt. Nach einem erfolgreichen Probelauf soll sich die Kalkarer Mühle am kommenden Pfingstmontag das erste Mal wieder offiziell drehen.
Für Müllerin Sabine Hillebrecht beginnt damit die eigentliche Arbeit. Denn bevor sich die Mühle am Pfingstmontag wieder dreht, steigt sie die mehreren, teils steilen Treppen bis ganz nach oben („an solchen Tagen braucht man keinen Sport mehr“), um alles zu kontrollieren und entsprechend einzustellen. Dazu gehörte etwa auch das Einfetten des Krühwerks – also des historischen Drehmechanismusses der Mühlenkappe – beziehungsweise des Krührings und der Krührollen mit Schweinenierenfett („Flomen“).
Wer sich das Innenleben einer Mühle – inklusive der verschiedenen Ebenen wie des Mehlsöllers oder Steinsöllers – einmal näher anschauen möchte, erhält am Pfingstmontag in Kalkar die Gelegenheit dazu. Bereits am Morgen beginnt der Mühlentag mit einem gemeinsamen Frühstück im Mühlenrestaurant. Es folgen ein Kindergottesdienst im Bruderschafts- und Gildenraum sowie ein Pfingstgottesdienst im Garten des Seniorenzentrums St. Nikolaus.
Um 12 Uhr startet der offizielle Festakt mit Ansprachen und der feierlichen Eröffnung des Mühlenfestes. Im Anschluss verwandelt sich das Gelände rund um die Mühle in einen lebendigen Treffpunkt für Familien, Mühlenfreunde und Kulturinteressierte. Zahlreiche Angebote und Mitmachaktionen laden große und kleine Gäste dazu ein, die Geschichte und Technik der Mühle hautnah zu erleben. Besucher können die imposante Windmühle besichtigen, Schmiedearbeiten kennenlernen, in der Holzwerkstatt kreativ werden oder weitere traditionelle Handwerke entdecken. Für Kinder gibt es unter anderem eine Hüpfburg und weitere Mitmachangebote. Auch kulinarisch hat das Mühlenfest einiges zu bieten: Neben Kuchen, Brot aus dem Backhaus, Spezialitäten vom Grill und Flammkuchen sorgt das Mühlenrestaurant mit seiner Tageskarte für Genuss in besonderer Atmosphäre. Dazu gibt es frisch gezapftes Mühlenbier und Live-Musik der Band „Recall“ aus Goch.
Müllerin Sabine Hillebrecht, Ludger Seesing und Ansgar Boßmann (alle Kalkarer Mühle am Hanselaerer Tor; v.l.) geben am Pfingstmontag Einblicke in die Kalkarer Mühle. NN-Foto: SP
Redakteurin in Xanten, Kalkar, Rheinberg und Alpen sowie Büderich und Ginderich