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Pastor Alois van Doornick, Cilli und Gerd Peters und Pastor Bernd de Baey (v.l.) mit den Zeugnissen. Foto: Rainer Jansen
21. Mai 2026 Von NN-Online · Kalkar

Zeugnisse mittelalterlichen Glaubens gefunden

Pfarrer Bernd de Baey fand fünf kleine mittelalterliche Figuren

WISSEL. Dass Hirten dem Verlorenen erfolgreich nachgehen können, erwies Pfarrer Bernd de Baey aus Emmerich in diesen Wochen in Wissel: Fünf kleine mittelalterliche Figuren fand er bei der Auflösung eines Restauratorenhaushalts für die Wissel St.-Clemens-Kirche zurück.

Bei einem Ortstermin im Stiftsmuseum konnte er auch zur Tabakausstellung eine historische Schrift mit Rezepten zur qualitätvollen Tabakherstellung beisteuern, die Stiftsmuseumsvorsitzender Rainer Jansen dankbar in die Sammlung aufnahm. Gern stellte er die Wechselausstellung, den Lebensmittelladen, die Tabakpräsentation sowie die große Sammlung zur Wisseler Ortsgeschichte dem Gast in einer eigenen Führung vor. Das Museum ist samstags und sonntags zwischen 14 und 17 Uhr zu besichtigen.

Die Figuren waren vor etwa 30 Jahren von der Pfarrei in die Werkstatt gegeben worden und dann über den Wechsel der handelnden Personen in Vergessenheit geraten. Entdeckt hatte sie damals in den oberen Etagen der Türme der romanischen Stiftskirche Erich Hubbertz, der Gründer des heute florierenden Wisseler Stiftsmuseums. Als er in den neunziger Jahren diese zur Eröffnungsausstellung des Museums von der Pfarrei ausleihen wollte, sprach man immerhin von einer Versicherungssumme von 40.000 DM.

Cilli und Gerd Peters als aktive Unterstützer im Stiftsmuseum erinnern sich an die damaligen Vorgänge und lieferten bei dieser Gelegenheit weitere Details. Cilli Peters als spätere Küsterin von St. Clemens freut dieser Fund besonders. Sie hatte schon mehrfach Pastor van Doornick nach dem Verbleib dieser Figuren gefragt. Dieser hat sie nun in der Sakristei an prominenter Stelle über dem Ankleidetisch aufgestellt, wo Priester und Messdiener ihren Dienst beginnen und mit einer Verneigung und einem „Gelobt sei Jesus Christus“ beenden. Diese relativ kleinen Schnitzwerke scheinen nicht für die Pfarrkirche erstellt, sondern eher für die Privatverehrung eines Stiftskanonikers geschnitzt worden zu sein: Bis in die Zeit nach 1800 lebten in den Häusern rund um den Wissler Friedhof mit seiner Kirchfreiheit eine Gemeinschaft von Priestern, die ihre Stiftung auf den Klever Grafen Luthard im 9. Jh. n.Chr. zurückführten. Die rein romanische Wisseler Stiftskirche aus dem 11. Jh. mit der Grablege Luthards und mit ihren markanten zwei Türmen sowie dem hellen Eifeler Tuffstein gehört wie Elten zu den ältesten Zeugnissen des Kirchbaus am Niederrhein. Zumindest das Kreuz mit dem prägnanten Totenschädel und die Assistenzfiguren Maria und Johannes gehen in die Zeit um 1450 zurück. Ungewöhnlicher ist die Darstellung „Christus auf dem kalten Stein“ oder „Christus in der Rast“: Solche Darstellungen sind wie am Kreuzwegbeginn in Marienbaum oder in der Passionskapelle der Nicolai-Kirche Kalkar Meditationsbilder zur eigenen Lebensbetrachtung: „Bedenk es, Seele, welche Schmerzen dein Herr für dein Heil gelitten hat!“ Im Kontext der „Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempen dienen solche Kunstwerke der Verinnerlichung und dem Mitfühlen mit Jesus in der so genannten „Compassio“.

Die Entstehungszeit kann passender nicht sein: Die Verwüstungen und Kriegszüge sowie die Hungersnöte und Pestzeiten des 80-jährigen Krieges 1568-1648 im niederländischen Grenzraum ließen in der „geschlagenen“ Bevölkerung die Menschen auf die als trostgebend erfahrenen Leidensdetails Jesu blicken. Zeichen der Hoffnung war ihnen auch immer wieder Maria. Nicht umsonst entstanden in dieser Zeit Wallfahrtsorte zur „Trösterin der Betrübten“ wie Kevelaer. Die Darstellung „Maria in der Sonne“ hebt ab auf das 12. Kapitel der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, das von der starken Frau spricht, die ihr Kind gegen den Satan verteidigt und in der Wüste bewahrt bleibt.

Die zur „Himmelskönigin“ auch im fünften Rosenkranzgesätz erhobene Gottesmutter in ihrer weiblichen Passionsstärke war für die Landbevölkerung ein wichtiger Anker der privaten Gebete. Die Pfarrgemeinde St. Clemens Kalkar ist dankbar für die Rückkehr solcher kostbaren Glaubenszeugnisse des Mittelalters und hofft, die Geschichten um die verlorenen und wiedergefundenen Glaubenszeichen noch lange erzählen zu können.

Pastor Alois van Doornick, Cilli und Gerd Peters und Pastor Bernd de Baey (v.l.) mit den Zeugnissen. Foto: Rainer Jansen

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