Bettina Keysers, Martina Härter und Niklas Beyer besichtigen rollstuhlgerechte Wohnung in Issum für barrierefreies Wohnen im Kreis Kleve.
24. Juni 2026 Von NN-Online · Niederrhein

Zukunftssicher investieren

KKB und Inklusionsbeauftragter werben für barrierefreien Wohnungsbau im Kreis Kleve

KREIS KLEVE. Der Bedarf an barrierefreiem Wohnraum im Kreis Kleve steigt rasant. Um auf diese gesellschaftliche Herausforderung aufmerksam zu machen, trafen sich Bettina Keysers, Geschäftsführerin der Kreis Kleve Bauverwaltungs‑GmbH (KKB) sowie Martina Härter (KKB) und der Inklusionsbeauftragte des Kreises Kleve, Niklas Beyer, zu einem Termin in einer barrierefreien Wohnung mit „R‑Standard“ („rollstuhlgerecht“) in Issum. Ihr gemeinsamer Appell richtet sich an die gesamte Wohnungswirtschaft: Es müssen dringend mehr barrierefreie Wohnungen gebaut werden, die den spezifischen Anforderungen von Menschen mit Behinderungen sowie älteren Menschen gerecht werden, so die Forderung von Kreis Kleve und KKB.

Die KKB geht mit gutem Beispiel voran und realisiert aktuell zwei weitere rollstuhlgerechte Wohnungen in Uedem und Straelen. Diese befinden sich bereits in Planung. Dass sich barrierefreies Bauen wirtschaftlich auszahlt, zeigen die Zahlen: Ein barrierefreier Neubau verursacht im Vergleich zu einer gewöhnlichen Wohnung lediglich rund zwei bis drei Prozent höhere Baukosten. Wird eine Wohnung dagegen erst im Nachhinein barrierefrei umgebaut, ist dies oft um ein Vielfaches teurer und somit wirtschaftlich kaum darstellbar.

Aktuell sind bundesweit nur knapp zwei Prozent aller Wohnungen barrierefrei. „Auf dieses geringe Angebot trifft eine hohe und wachsende Nachfrage“, sagt Bettina Keysers. Wie dringend der Handlungsbedarf in der Region ist, belegen die Zahlen des Statistischen Landesamtes NRW: Zum Stichtag 31. Dezember 2025 lebten im Kreis Kleve genau 30.695 schwerbehinderte Menschen. Das ist ein spürbarer Zuwachs im Vergleich zum 31. Dezember 2023, als noch 29.160 Betroffene registriert waren, was ein Plus von 1.535 Menschen innerhalb von nur zwei Jahren bedeutet. Bezogen auf die Gesamteinwohnerzahl des Kreises besitzt damit fast jeder Zehnte einen Schwerbehindertenausweis. Ein Großteil dieser Menschen lebt mit einer Mobilitätseinschränkung.

„Beim Rundgang durch die barrierefreie Wohnung der KKB wird deutlich, wie viel Lebensqualität durch kluge Planung entsteht“, sagt Niklas Beyer. Der eingehaltene „R‑Standard“ garantiert extra breite Türen, großzügige Bewegungsflächen für Rollstühle in allen Räumen, schwellenlose Übergänge zur Terrasse sowie schwenkbare Armaturen und unterfahrbare Waschbecken im Bad und eine rollstuhlgerechte Dusche und Toilette. „Die Zahlen des Statistischen Landesamtes sind ein unübersehbarer Handlungsauftrag“, betont KKB‑Geschäftsführerin Bettina Keysers. „Barrierefreier Wohnraum ist kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben im Alter oder mit Behinderung. Als kommunales Unternehmen gehen wir hier voran, doch der gesamte Markt muss nachziehen.“ Niklas Beyer ergänzt: „Inklusion beginnt mit der Vermeidung von Barrieren bereits in der Planungsphase. Jede Wohnung, die heute barrierefrei oder zusätzlich nach dem ‚R-Standard‘ entsteht, schafft Teilhabe, schützt vor teuren Nachrüstungen und stärkt unsere Gemeinschaft für die Zukunft.“ Die Partner sind sich einig: Angesichts des demografischen Wandels und der steigenden Zahlen muss der barrierefreie und rollstuhlgerechte Wohnungsbau stärker in den Fokus von Investoren, Planern und Kommunen rücken.

Gemeinsam für barrierefreies Wohnen im Kreis Kleve (v.l.): KKB-Geschäftsführerin Bettina Keysers und Martina Härter (KKB) sowie der Inklusionsbeauftragte des Kreises Kleve, Niklas Beyer, bei der Besichtigung einer rollstuhlgerechten Wohnung in Issum. Foto: Kreis Kleve/Gerhard Seybert

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