XOX-Theater neu aufgestellt
Ein Nachfolger für Wolfgang Paterok ist gefunden: Auf in die neue Spielzeit
KLEVE. Wer mal im Bereich Kleve waldbadet oder sonstwie unterwegs ist, könnte auf einen vor sich hin sprechenden Herrn treffen, der trotzdem nicht telefoniert. In diesem Fall könnte es sich um Johannes Himmes handeln, der eine neue Rolle einübt.
Wie ist eigentlich die Halbwertzeit eines gelernten Textes? Himmes antwortet und erst nach einer Satzhälfte merke ich, dass er gerade aus einem Stück zitiert, das er zur Coronazeit gespielt hat – im Klever XOX-Theater. Stimmt: Darum soll es gehen – das Post-Paterok-XOX-Theater. Der seit Dezember letzten Jahres ehemalige Regisseur und künstlerische Leiter hat sich – gesundheitsbedingt – zurückgezogen (die NN berichteten). Im „Abschiedsartikel für Paterok hieß es seinerzeit: „Wenn Wolfgang Paterok von seinem ‚Hobby‘ spricht, ahnt man längst, dass sich hinter dieser Untertreibung ein ganzes Leben in Stellung bringt.“
Jetzt also eine neue Ära. Was ist/wird anders? Man kennt das. Da geht einer, für den das Theater Teil des Lebenskerns war und man stellt fest: Um den (oder die) zu ersetzen, braucht es ein ganzes Team. So ist es auch beim XOX-Theater.
Am 6. Dezember 2025 wurde ein fünfköpfiger Vorstand gewählt: 1. Vorsitzendes Johannes Himmes; Stellvertretende Vorsitzende Brigitte van Gemmeren; Kassiererin Jutta Kannengießer; Schriftführerin Birgit Heinelt. Zum Vorstand gehört auch der neue künstlerische Leiter Ludger Terlinden. Der kommt aus Alpen, wo er einstmals die Gruppe „Spiellust“ leitete. Die spielte, in Ermangelung einer eigenen Spieltstätte, in Alpen, Xanten, Geldern, Sonsbeck. Jetzt also leitet Terlinden ein aus rund 18 Aktiven bestehendes Ensemble. Die Proben für das neue Stück („Die Wunderübung“) haben begonnen. Premiere wird am 16. April sein. Zurück zum Davor und Danach. Himmes: „Früher hat sich der Wolfgang [Paterok] um Vieles gekümmert. Da müssen wir jetzt ran.“ Mit anderen Worten: mehr Eigenverantwortung. Es gibt Vieles zu regeln, „und wir suchen auch Leute, die Lust haben, bei uns mitzumachen“, sagt Himmes. Zusatz: „Gern auch Jüngere.“ Hier gilt es, erklärend einzugreifen, denn, so sagt es Himmes, der selbst 68 Jahre alt und seit 13 Jahren Mitglied beim XOX-Theater ist: „Mitte 40 ist bei uns schon jung.“ Ist denn, wenn junges „Personal“ für ein Stück gebraucht wird, auch denkbar, mal beim „Theater im Fluss“ nachzufragen? Himmes: „In einem solchen Fall wäre eine Zusammenarbeit natürlich super.“
Wir halten fest: Nachwuchs wird gesucht. Wenn jemand mit unter 40 Theaterlust verspürt (und später versprühen möchte), dann ist er oder sie herzlichst willkommen. Wer Lust auf Theater hat oder das Team unterstützen möchte, ist am Freitag, 27. März, ab 19 Uhr eingeladen Tuchfühlung aufzunehmen.
Nochmal zurück zum fünfköpfigen Vorstand (drei Frauen, zwei Männer): Mitglied des Vorstandes ist (siehe oben) auch der Spielleiter. Und der hat, sagt Himmes, „bei allen künstlerischen Belangen natürlich das letzte Wort.“ Zwei Eigenproduktionen pro Jahr soll es weiterhin geben. „Wir laden aber auch Gäste ein“, sagt Himmes. Das ist zum Beispiel bei den Matineen der Fall, die immer am letzten Sonntag im Monat stattfinden und um 11.30 Uhr beginnen.
Wie finanziert sich eigentlich das Theater? Himmes: „Wir haben die Sparkasse Rhein-Maas als Hauptsponsor. Ohne die würde es nicht gehen. Aber in nächster Zeit möchten wir versuchen, auch andere potenzielle Sponsoren anzusprechen.“
Dabei muss es gar nicht immer um Geld gehen: „Momentan brauchen wir dringend zwei neue Kühlschränke“, sagt Himmes. Wenn sich da ein edler Spender fände, wäre das schon super. Und apropos Geld. Wie hoch ist eigentlich der Jahresbeitrag für Theatermitglieder? Himmes: „35 Euro.“ Das sollte zu machen sein.
Klar: Theaterbetrieb ist ja mehr als das Spielen des Stückes. Die Gäste werden beispielsweise mit Getränken versorgt. (Da kämen dann die Kühlschränke ins Spiel.) Und wer auch immer die Kühlgeräte sponsert, wird natürlich auch auf der Homepage des Theaters (www.xox-theater.de) Erwähnung finden.
Und noch was in Sachen Theaterbetrieb: Das neue Stück ist ein Dreipersonenstück. Bei 18 Aktiven wird also nur der kleinste Teil des Ensembles auf der Bühne stehen. Alle andere sind „im Hintergrund“ beschäftigt.
Apropos Hintergrund: „Wir suchen auch jemand, der sich für Theatertechnik interessiert“, sagt Himmes. Es geht um Ton- und Lichttechnik. Unterstützung für den derzeitigen Techniker wäre super. Auch in Sachen Medien will sich die XOX-Truppe neu aufstellen. „Bei einer Internetseite ist es nun mal wichtig, dass sie immer auf dem neuesten Stand ist“, beschreibt Himmes den Aktualitätsfaktor. Es gibt also reichlich zu tun. Auch beim Bühnenbau wird nach Mitstreitern gesucht. Für Himmes wichtig: „Es soll hier nicht so aussehen, als hätte all das zu Wolfgangs Zeiten brach gelegen, aber vieles, was er allein gemacht, auf die Beine gestellt hat, wird jetzt auf viele Schultern verteilt.“
Wer im April zur Premiere des neuen Stückes das Theater besucht, weiß nicht unbedingt, was alles im Hintergrund funktionieren muss. Für den neuen Vorstand ist in erster Linie wichtig, „dass unser Theater wahrgenommen wird, denn die Kosten müssen wir über den Eintritt wieder einspielen.“ Das Ensemble – übrigens inklusive Regisseur – arbeitet ehrenamtlich. Himmes: „Wir verstehen uns als Amateurtheater auf hohem Niveau.“
Himmes, das ist nicht zu überfühlen, ist Theatermann aus Überzeugung und den anderen aus der Truppe geht es nicht anders. Übrigens wurde der Mietvertrag für die Spielstätte soeben um fünf Jahre verlängert. Himmes: „Das fühlt sich gut an, denn es bedeutet, dass wir in aller Ruhe planen können.“
Jetzt darf man gespannt sein auf die neue Produktion, bei der Himmes auch auf der Bühne stehen wird. Könnte sein, dass er Jahre später – siehe oben – den Text noch drauf hat. Und sollte jemand – nochmal siehe oben – beim Waldspaziergang einen deklamierenden Herrn antreffen: Nicht stören. Alles in Ordnung. Der lernt nur seinen Text für „Die Wunderübung“ – Premiere für die Komödie von Daniel Glattauer ist am 16. April um 20 Uhr. (Weitere Termine sind am 17.,24, und 30 April, sowie am 2. Mai und am 26. und 27. Juni.
Thomas Bruns-Heiwegen, Birgit Heinelt und Johannes Himmes (v.l.) spielen in der neuen Produktion. „Die Wunderübung“ ist eine Komödie von Daniel Glattauer. Regie führt Ludger Terlinden. NN-Foto: Rüdiger Dehnen