"Maria Vogt vom Künstlerkollektiv Aorta arbeitet historische Ortsgeschichte auf, Foto von Rüdiger Dehnen"
13. Juni 2026 · Heiner Frost · Kleve

Aorta: Auf der Suche nach Geschichte(n)

Ein Kulturverein sucht „Geschichtenerzähler“

KLEVE. Es gibt intime Kenner der Geschichte, und es gibt Kenner intimer Geschichten. Die Ersteren sind Faktenspezialisten. Und die anderen?

In dieser Geschichte geht es um Schnittmengen. Es geht um Aorta. War das nicht die Hauptschlagader, die die Organe mit Sauerstoff versorgt? Medizinisch gesehen ja. Aber hier ist die Rede von einem generationsübergreifenden Klever Kulturverein – das wäre dann auch ein wichtiges Gefäß. Lange suchte der Verein nach einem Zuhause und fand es schließlich in Kleve an der Ecke Heldstraße/Kavarinerstraße – stadteinwärts gesehen rechtsseitig. Eigentlich nichts Besonderes, wenn da nicht die spezielle Geschichte des Eckhauses wäre, das früher mal ein Sexshop war. In aufgeklärten Zeiten eigentlich kein Ding. Trotz allem ranken sich Geschichten um Orte wie diesen.

Aorta macht sich jetzt auf die Suche nach eben diesen Geschichten, die ja ein Stück Geschichte sind. Maria Vogt, Performancekünstlerin, Modedesignerin und Mitglied bei Aorta: „Diesen Ort hat es ja über 50 Jahre lange gegeben und wir suchen jetzt Geschichten dazu.“ Aorta hat ein Plakat entworfen: Oben steht groß: WANTED. Darunter: „Wir suchen deine Geschichte, Erinnerungen an den Laden, Eindrücke von außen, Geschichten aus der Nachbarschaft.“ Am Ende noch eine Frage: „Kennst du jemanden, der was erzählen kann?“ Geschichtsschreibung „über Bande“. Jetzt entsteht die Schnittmenge aus den intimen Kennern der Geschichte und den Kennern intimer Geschichten. Und damit eines gleich klar ist: Niemand muss, wenn nicht gewollt, mit Namen in Erscheinung treten. Wer möchte, bleibt anonym. „Schreib uns!“, steht weiter unten auf dem Plakat: „Per Mail, oder wirf uns einen Brief ein. Alles ist willkommen – anonym oder mit Namen. Hilf uns, die Geschichte des Ortes sichtbar zu machen.“ Und dann eine Emailadresse: briefkasten@aorta-kleve.de.

Hochgeklappte Kapuze

Ein paar Meldungen haben die Aorta-Leute bereits bekommen. Maria Vogt erzählt von Nachbarn, die von Menschen erzählten, die mit „hochgeklappter“ Kapuze den Laden betreten haben. Viel „Geschichte von außen“. Was noch fehlt sind „Innenansichten“. Ganz wichtig: Es geht nicht um Voyeurismus – es geht ums Sichtbarmachen der Geschichte und man wünscht sich, dass Menschen sich melden, damit ein Ort nicht sang- und klanglos von der Geschichtslandkarte verschwindet.

Das gesammelte Material wird in ein Kunstprojekt eingebettet und wer Lust hat, kommt am Freitag, 17. Juli, um 21 Uhr einfach mal zur Ecke Kavarinerstraße/Heldstraße. Maria Vogt wird dann – zusammen mit zwei anderen Frauen – im Schaufenster stehen und ... werˋs genau wissen möchte, sollte hingehen.

Maria Vogt gehört zu dem Künstkerkollektiv, das die Geschichte des Ortes aufarbeitet, der das neue Zuhause von „Aorta“ ist. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

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