Wie soll die Stadt Geldern im Jahr 2040 aussehen?
Nachhaltiges Stadtentwicklungskonzept setzt auf Beteiligung und langfristige Perspektiven
GELDERN. Wie soll die Stadt Geldern im Jahr 2040 aussehen? Welche Maßnahmen sind notwendig, um den Herausforderungen des demografischen Wandels, des Klimawandels und einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu begegnen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich in den vergangenen Jahren das Team Stadtplanung der Stadt Geldern. Die Ergebnisse wurden jetzt im „Nachhaltigen Stadtentwicklungskonzept Geldern 2040“ (NSK) festgehalten, das als strategischer Fahrplan für die zukünftige Entwicklung der Stadt fungieren soll.
„Ziel des Konzeptes ist es, die Stadt Geldern langfristig zukunftsfähig aufzustellen“, erklärt Isabel Hetzel aus dem Team Stadtplanung der Stadt Geldern. „Dazu wurden bestehende und sich verändernde Rahmenbedingungen analysiert und Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige, sozialverträgliche und umweltgerechte Stadtentwicklung zusammengetragen.“ Im Mittelpunkt standen dabei Themen wie Bevölkerungsentwicklung, Klimaschutz und Klimaanpassung, Energieversorgung, Mobilität, Grün- und Wasserflächen, Wohnraumentwicklung sowie soziale Teilhabe.
Breite Beteiligung der Stadtgesellschaft
Ein zentrales Merkmal des Projekts war die intensive Einbindung der Bürgerinnen und Bürger. Dafür setzte die Stadt auf ein crossmediales Beteiligungsverfahren, das neben politischen Gremien auch die Bürger in den Erarbeitungsprozess einbezog.
Grundlage der Diskussionen waren zahlreiche Fachgutachten und Konzepte zu Themen wie Klimaschutz, Mobilität, Demografie, Smart City sowie der Siedlungs- und Gewerbeflächenentwicklung, die von der Stadt beauftragt oder verwaltungsintern erarbeitet wurden.
Zwischen 2022 und 2023 fanden verschiedene Beteiligungsformate statt, darunter eine digitale Beteiligungsplattform, Sitzungen eines eigens eingerichteten Bürgerschaftsgremiums sowie Angebote für Kinder und Jugendliche.
Ideen für ein lebenswertes Geldern 2040
Im April 2022 definierten einige Mitglieder der politischen Ausschüsse gemeinsam erste Zukunftsvisionen und zentrale Handlungsfelder für die Stadtentwicklung. Im Anschluss startete das Bürgerschaftsgremium seine Arbeit. Rund 40 Bürger und Interessensvertreter diskutierten ihre Vorstellungen eines lebens- und liebenswerten Geldern im Jahr 2040.
Parallel dazu konnten Interessierte ihre Ideen auf einer digitalen Plattform einbringen. Aus den gesammelten Anregungen entstanden sechs zentrale Themenfelder: Ortschaften, Lebensumfeld und soziales Miteinander, Klima und Energie, Mobilität, Grün- und Freiflächen, Familie und Beruf sowie Innenstadt.
In mehreren Sitzungen vertiefte das Bürgerschaftsgremium die erarbeiteten Ideen. „In diesen Sitzungen hat sich herauskristallisiert, dass Themen wie eine autoarme Innenstadt, die Einführung von Tempo 30 auf den Wällen oder auch die Entwicklung des Heidesees bei Hartefeld die Bürger sehr beschäftigen“, erklärt Annika Dyx vom Team Stadtplanung der Stadt Geldern. Auch Maßnahmen zum Wasserschutz und zur Biodiversität, neue Treffpunkte in den Ortschaften, der Ausbau von Kita-Angeboten, generationenübergreifendes Wohnen sowie die Sicherung des Krankenhausstandortes spielten eine Rolle. In einer weiteren Sitzung stand das Thema Wohnen im Mittelpunkt. „Angesichts des demografischen Wandels spielten auch die Themen altersgerechtes Wohnen, generationenübergreifende Wohnformen und der zukünftige Umgang mit dem bestehenden Wohnungsbestand eine zentrale Rolle“, so Dyx weiter.
Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
Auch die jüngsten Einwohner wurden aktiv am Entwicklungsprozess beteiligt. Im Projekt „UWE – Umwelt, Wohlbefinden, Entwicklung“ erkundeten Schüler der vierten Klassen aller Gelderner Grundschulen ihre Stadt. Bei einer Fotosafari dokumentierten sie Orte, an denen sie sich besonders wohlfühlen, aber auch Bereiche, die sie als problematisch wahrnehmen.
Jugendliche konnten sich über das kommunalpolitische Planspiel „Pimp Your Town“, das heute als „CityUpgrade“ fortgeführt wird, einbringen. Dabei schlüpften sie in die Rolle von Kommunalpolitikern und entwickelten eigene Vorschläge für die Stadtentwicklung, von denen im vergangenen Jahr bereits zwei Projekte umgesetzt wurden: ein Trinkwasserbrunnen am Sport-Campus sowie die Lounge der Vielfalt in der Glockengasse.
Strategischer Fahrplan bis 2040
Nach Abschluss der Beteiligungsphase wurden die Ergebnisse aus Bürgerbeteiligung, Politik und Fachgutachten im NSK-Endbericht zusammengeführt. Der Bericht bündelt zahlreiche zuletzt erarbeitete Konzepte der Stadt Geldern, darunter beispielsweise den „Masterplan Wohnen“ oder das Integrierte Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept (IKKK).
Aus den gesammelten Erkenntnissen wurden sogenannte Top-Maßnahmen wie die Wohnbauflächenentwicklung für Geldern, die Zukunftswerkstatt für Hartefeld und Vernum oder der Ausbau der (Schnell-)Ladeinfrastruktur abgeleitet, die prioritär bis zum Jahr 2040 schrittweise umgesetzt werden sollen.
Transparenz durch kontinuierliches Monitoring
Um die Umsetzung für Politik, Verwaltung und Bürgerschaft nachvollziehbar zu gestalten, wurde jetzt die Monitoring-Plattform „geldern2040.de“ eingerichtet. Dort werden die wichtigsten Maßnahmen mit Informationen zu Zielen, Umsetzungsstand, Zeitplan und Verantwortlichkeiten veröffentlicht. Die Maßnahmen werden regelmäßig durch die Verwaltung überprüft und weiterentwickelt.
Das NSK 2040 wurde im Juni in einer öffentlichen Abschlussveranstaltung dem Bürgerschaftsgremium und interessierten Bürgern vorgestellt sowie im Anschluss durch den Bau- und Planungsausschuss beschlossen. Mit diesem verfügt Geldern nun über einen langfristigen Orientierungsrahmen für die Stadtentwicklung. Das Besondere dabei: „Das Konzept wurde maßgeblich durch die Ideen und Anregungen der Bürger geprägt – ein Zukunftsplan von Geldernern für Geldern“, freut sich Annika Dyx.
Der Endbericht und eine zusammenfassende Übersicht zum Erarbeitungsprozess des NSK findet sich auf der Website der Stadt Geldern unter https://www.geldern.de/umwelt-wirtschaft/nachhaltiges-stadtentwicklungskonzept-2040.