Vier Personen protestieren gegen Haushaltskürzungen der Stadtbücherei. Von links: Daniel Boumanns, Petra Tekath, Michael Meuten, Yvonne Lamik.
8. Juli 2026 Von NN-Online · Kleve

„Wer an Bildung spart, überschreitet eine rote Linie“

SPD/Volt-Fraktion kritisiert Stellenabbau und Etatkürzung um 25 Prozent in der Stadtbücherei

KLEVE. Die SPD/Volt-Fraktion im Rat der Stadt Kleve übt scharfe Kritik an den geplanten Kürzungen im Haushalt zur Stadtbücherei. Im Haupt- und Finanzausschuss wurde von der Politik mehrheitlich empfohlen, eine Personalstelle zu streichen und den Medienetat der Stadtbücherei um ein Viertel zu kürzen. Für die SPD/Volt-Fraktion ist diese Entscheidung nicht hinnehmbar.

Beide Maßnahmen wurden gegen das ausdrückliche Votum und Bedenken der SPD/Volt-Fraktion empfohlen. Sie gefährden die Bildungs- und Chancengerechtigkeit der Klever Bürgerinnen und Bürger. Die SPD/Volt-Fraktion weiß, wovon sie spricht: Erst im Sommer letzten Jahres informierte sich die Fraktion bei einem Besuch bei Büchereileiter Neumann vor Ort aus erster Hand über die wichtige Arbeit der am mit am meisten genutzten städtischen Kultureinrichtung. „Die Stadtbücherei ist ein öffentlicher Bildungs- und Begegnungsort für Menschen jeden Alters“, erklärt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Petra Tekath (SPD/Volt). „Hier entdecken Kinder ihre Freude am Lesen, Schülerinnen und Schüler recherchieren für die Schule. Wer an einer solchen Einrichtung spart, spart klar an Bildung und Chancengleichheit.“

Gerade weil die finanzielle Lage der Stadt schwierig ist, müsse genau abgewogen werden, wo gespart werde, so der kulturpolitische Sprecher der SPD/Volt Fraktion und Ratsmitglied Daniel Boumanns: „Über Haushaltsfragen kann man und muss man streiten. Aber wer an der Bildung unserer Kinder spart, überschreitet eine rote Linie.“ Es sei ein fatales Signal, ausgerechnet an einer Einrichtung zu kürzen, die jeden Tag Bildung ermöglicht und soziale Teilhabe stärke und von denen insbesondere Kinder und Jugendliche profitieren. Die Empfehlung der anderen Fraktionen habe die SPD/Volt-Fraktion schockiert, so Boumanns. „Dies ist kein maßvolles und weitsichtiges Einsparen, sondern eine kurzsichtige Schwächung der eigenen öffentlichen Infrastruktur mit langfristigen Folgen.“ Wenn Personal fehle und Öffnungszeiten eingeschränkt werden müssten, treffe dies insbesondere diejenigen, die auf kostenfreie Bildungsangebote angewiesen seien. Also die Schwächsten in unserer Gesellschaft. „Bildung darf keine Frage des Geldbeutels sein“.

Besonders unverständlich seien die Kürzungen vor dem Hintergrund der hervorragenden Arbeit der Stadtbücherei. Unter der Leitung von Herrn Neumann hat sich die Einrichtung in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Besonders kritisiert die SPD/Volt-Fraktion die Vorstellung, die wegfallende Stelle könne durch ehrenamtliches Engagement kompensiert werden. Ratsmitglied Yvonne Lamik (SPD/Volt) weiß: „Die ehrenamtlich Engagierten leisten einen unverzichtbaren Beitrag und bereichern die Stadtbücherei mit großem Einsatz, etwa durch Vorleseangebote für Kinder, die Unterstützung von Veranstaltungen oder weitere zusätzliche Projekte“. „Unser Dank gilt allen Ehrenamtlichen, die sich mit so viel Herzblut für die Stadtbücherei einsetzen. Ihr Engagement macht die Bücherei noch lebendiger und attraktiver. Ehrenamt ergänzt professionelle Arbeit, es darf aber niemals qualifiziertes Fachpersonal ersetzen“, betont Lamik.

Zur Streichung der Planstelle kommt die Kürzung des Medienetats um 25 Prozent hinzu. Dadurch können künftig deutlich weniger aktuelle Bücher, Hörbücher, Zeitschriften und digitale Medien angeschafft werden. Dies schmälert die Attraktivität der Stadtbücherei und beeinträchtigt langfristig die Qualität ihres Angebots. Für die SPD/Volt-Fraktion ist deshalb klar: Die angedachten Einsparungen sind der falsche Weg. Gerade in einer Zeit, in der Bildung, Informations- und Medienkompetenz, lebenslanges Lernen und gesellschaftlicher Zusammenhalt immer wichtiger werden, brauche es Investitionen in öffentliche Bildungsorte statt weiterer Kürzungen. Hinzu komme die prägende Bedeutung der Stadtbücherei als dritter Ort, der unabhängig von Herkunft, Bildung und Einkommen soziale und kulturelle Teilhabe ermöglicht.

„Die Stadtbücherei ist keine freiwillige Luxusleistung, sondern eine Investition in Bildung, Chancengerechtigkeit und einer demokratischen Gesellschaft. Wer heute Bücher streicht, zahlt morgen einen deutlich höheren, gesellschaftlichen Preis. Deshalb werden wir im Rat alles dafür tun, diese Kürzungen noch zu verhindern, sodass die Stadtbücherei weiterhin ihren öffentlichen Bildungsauftrag gut erfüllen kann. Die Stadtbücherei ist und bleibt für uns eine rote Linie“, so das Ratsmitglied Daniel Boumanns. „Diesen Weg werden wir daher nicht mitgehen“, betont Petra Tekath.

Kritisieren die geplanten Kürzungen im Haushalt zur Stadtbücherei (v.l.): Daniel Boumanns, Petra Tekath, Michael Meuten, Yvonne Lamik. Foto: SPD/Volt Kleve

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