Wenn Schauspieler Schauspieler schauspielern
Zum 100. Jubiläum wird es bei der Theatergruppe des Musikvereins Wemb meta
WEMB. Zwei 100. Jubiläen direkt hintereinander können nicht viele Vereine feiern. Der Musikverein Wemb ist die Ausnahme: Nachdem zuerst der Verein als solcher großen Geburtstag gefeiert hat, ist dieses Jahr die interne Theatergruppe an der Reihe – und die steckt gerade mitten in der heißen Phase, denn: Mit den Mitbürgern möchte man schon bald die Premiere der hauseigenen Komödie „Das Jahrhundert-Drama – Unternehmen Schinderhannes“ feiern. Das nach 2019 zweite selbstgeschriebene Stück in der Vereinsgeschichte schließt das Jubiläumsjahr des Vereins ab und dient gleichzeitig als 100-Jahr-Feier der Schauspiel-Sparte.
Ging es in den letzten Jahrzehnten zumeist um komödiantische Verwechslungen und Missverständnisse – nicht selten im bäuerlichen Milieu –, wird es dieses Mal meta: „Das Jahrhundert-Drama – Unternehmen Schinderhannes“ handelt von Theaterschauspielern, die Theater spielen – und dabei in der gleichen Lage stecken, wie die Wember derzeit: Zur Feier des 100. Jubiläums muss ein ganz besonderes Stück her. Was könnte sich dafür besser eignen als der Klassiker „Schinderhannes“ von Carl Zuckmayer? Jenes haben nicht nur die Mitglieder des fiktiven Vereins bereits zum 50. Jubiläum auf die Bühne gebracht, sondern in einer abgewandelten Version auch der echte Wember Trupp von 1976 – so schließt sich der Kreis in Fakt und Fiktion.
Die ursprüngliche Idee des Autors Ralf Verrieth sah eigentlich vor, dass die Darsteller in die Rollen ihrer wahren Vorgänger schlüpfen, um das 50. Jubiläum in Wemb nachzustellen. Nach dem Blick ins Original war für Verrieth jedoch klar, dass das nicht gangbar wäre – schon logistisch nicht: „Allein der erste von vier Akten hat drei verschiedene Bühnenbilder und 30 Personen, die auftreten. Das ist gar nicht machbar.“ Angesichts frauenfeindlicher oder fremdenfeindlicher Zeilen sei das Stück heute auch inhaltlich etwas… schwierig. Eine weitere Hürde wäre die Authentizität gewesen: „Ob wir es glaubhaft hinbekommen hätten, dass es aussieht, als würde es 1975 stattfinden? Schwierig. Das würden die Zuschauer vielleicht gar nicht bemerken.“ Kritik hätte es eventuell auch bei der Darstellung der ehemaligen Mitglieder geben können.
Die rettende Folgeidee ließ nicht lange auf sich warten: ein Stück über die Probleme, ein solches Theaterspiel in der heutigen Zeit aufzuführen. „Das hat uns die Möglichkeit gegeben, trotzdem Zitate aus dem Original einzubauen. Die Sätze werden gesagt und sofort greift jemand ein“, erläutert Ralf Verrieth. Seine Kollegen musste er nicht groß überzeugen: „Er hatte zu Anfang die Sorge, dass das Stück bei uns nicht ankommt, dass es vielleicht zu anspruchsvoll ist. Aber wir waren alle sofort begeistert“, sagt Sandra Janßen, ein Neuzugang in der Gruppe.
Während Verrieth das erste eigene Stück aus 2019 noch im Tandem mit seiner Lebensgefährtin geschrieben hatte, war er dieses Mal ganz auf sich gestellt. „Die Idee ist schon etwas älter“, erzählt er. „Ich habe das immer eine Weile vor mir hergeschoben, aber irgendwann war es September 2025 und ich musste einfach mal loslegen.“ Der Anfang sei das Schwierigste. „Dann gibt es Phasen, in denen es läuft. Dann kommt eine Idee nach der anderen.“ Der Schluss fiel ihm nachts im Bett ein, noch bevor überhaupt der Mittelteil vollendet war. „Dann musste ich einfach aufstehen und ihn stichpunktartig aufschreiben, sonst hätte ich das morgens wieder vergessen“, erzählt er mit einem Lachen. Die Inspirationen für seine Ideen habe er zwischendurch aufgeschnappt und eingebracht. „Ich habe aber keine KI benutzt“, betont er – nicht einmal für die Recherchen zur historischen Figur und des weiteren Hintergrunds.
Figuren mit Charakter
Gutes Theater lebt vor allem von seinen Figuren und in Wemb geben dieses Mal schon ihre Namen dezente Hinweise auf ihre Wesenszüge. Da wäre zum Beispiel Johannes Kleinlicht: „Der heißt so, weil er einfach nicht der Schlauste ist“, erläutert Verrieth mit einem Lachen. „Das merkt man immer deutlich.“ Hinter einer Figur verbirgt sich jedoch noch eine Besonderheit: Wember Lokalgeschichte mit Vereinsbezug. So basiert nämlich die Figur der Wirtin Maria auf der gleichnamigen, in Wemb legendären Wirtin der ehemaligen Gaststätte Dennißen, in der vor 50 Jahren an Ort und Stelle des heutigen Bürgerhauses der „Schinderhannes“ tatsächlich aufgeführt wurde – und die heute als Inspiration für das Bühnenbild dient.
Jenes Bühnenbild und den Ablauf des Stücks hat Ralf Verrieth zwar ebenfalls skizziert, „die Ausgestaltung entsteht jedoch immer im Zusammenspiel während der Proben“, betont er. So entwickelte sich auch dieses Projekt wieder organisch im Miteinander der Theatergruppe.
Dieses Jahr konnte sich die Truppe schon über vier neue Mitglieder freuen: zwei Schauspieler und zwei Bühnenbauer. Wie in anderen Vereinen auch dürfen es aber gerne noch mehr werden. „Es ist immer eine Herausforderung, so ein Stück besetzt zu bekommen“, erzählt Verrieth. Dieses Jahr etwa gebe es elf Rollen und zwei Komparsen. Wer Lust hat, mitzumachen, kann sich gerne bei Ralf Verrieth melden unter schriftfuehrer@mv-wemb.de oder bei den anderen Vereinsmitgliedern.
Die Aufführungen im Bürgerhaus Wemb, Auf der Schanz 47, finden statt am Samstag, 11. April, 15 Uhr (Seniorenvorstellung ab 60 Jahre); Sonntag, 12. April, 18 Uhr; Samstag, 18. April, 19 Uhr; Sonntag, 19. April, 18 Uhr. Einlass ist jeweils eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.
Eintrittskarten für zehn Euro sind erhältlich bei Birgit Selders, Feldstraße 6, Weeze-Wemb, Telefon 01575/1719680; Hanni Woschek, Kirchweg 11, Weeze, Telefon 0151/79843613; im Kaufladen der Wember (KDW), Auf der Schanz 35, Weeze-Wemb; in der Cyriakus-Apotheke Weeze, Wasserstraße 2 und an der Abendkasse. Die Karten zur Seniorenvorstellung gibt es für sieben Euro an der Tageskasse.
Die Schauspieler und Bühnenbauer der Theatergruppe des Musikvereins Wemb laden zu den Jubiläumsaufführungen ein. Foto: privat