Was bleibt, ist die Liebe
Hans-Jürgen Schulz veröffentlicht mit „Liebe“ seinen neunten Gedichtband
KLEVE. „Die Welt ist schon schlecht genug“, findet Hans-Jürgen Schulz. Also schreibt er in seinem neuen Gedichtband über das, was ihm Hoffnung gibt: die Liebe.
Seit mehr als 50 Jahren widmet sich Schulz, der im Dezember seinen 76. Geburtstag feiert, der Dichtkunst. Entdeckt hat er sein Talent während seiner Zeit bei der Bundeswehr. „Beim Streifengang in der Kaserne in Neumünster habe ich im Kopf die ersten Zeilen geschrieben“, erinnert er sich. Eine Lokalzeitung berichtete damals über den ungewöhnlichen Poeten und bestärkte ihn darin, weiterzuschreiben. Ans Geldverdienen dachte Schulz allerdings nie. „Ich war, bin und bleibe ein armer Poet“, sagt er. Was ihn heute besonders beschäftigt, ist der Wunsch nach Frieden. „Ich sehne mich nach Frieden“, sagt Schulz. Er mache sich Sorgen um die Zukunft – und dabei längst nicht nur um seine eigene. Vor allem die Kinder liegen ihm am Herzen. Schulz hat neun Enkel und Urenkel und hofft, dass sie niemals einen Krieg erleben müssen.
In seinem neuen Buch hält er sich von politischen Themen dennoch bewusst fern. „Meine Gedichte sollen einfach nur Liebe bringen“, sagt er über „Liebe – Momente des Glücks“. Darin geht es um die unterschiedlichsten Facetten dieses Gefühls: um eine Liebe, „die jung und ungestüm sein kann, sinnlich und voller Begehren“, aber auch um die tiefe Verbundenheit zweier Menschen, die über Jahrzehnte miteinander durchs Leben gehen. Eine solche Liebe kennt Schulz aus eigener Erfahrung. „Meine Frau und ich haben in diesem Jahr unsere Goldene Hochzeit gefeiert, ein Paar sind wir aber schon seit 55 Jahren“, erzählt er. Ehefrau Marianne liest zwar lieber Krimis als Prosa, in seinem Gedichtband hat er sie trotzdem verewigt – mit seinen „Gedanken an Marianne“: „Nimm mich mit in deine Welt ... Wenn du nicht mehr sein solltest, wäre das Leben auf Erden für mich undenkbar, nicht wirklich ...!“
Auch Freundschaften geben Schulz Kraft und lassen ihn die Hoffnung nicht verlieren. Eine besondere Seelenverwandte hat er in Edeltraud Sighart gefunden. Sie lebt in Tirol, die beiden sind aber seit vielen Jahren eng befreundet und tauschen sich regelmäßig aus. Kennengelernt haben sie sich über die Sozialen Medien – und die spielen im Leben des Klevers ohnehin eine wichtige Rolle. Von Facebook bis TikTok: Schulz ist auf vielen Plattformen unterwegs, diskutiert, tauscht sich aus und sagt gern seine Meinung. „Man muss unbequem bleiben und darf sich niemals den Mund verbieten lassen“, lautet seine Devise. Dabei verlässt er sich nicht auf vermeintliche Gewissheiten. Viel wichtiger ist ihm seine Intuition. Dass er auf dieses Bauchgefühl hört, habe ihm und seinen Angehörigen schon mehrfach geholfen. Er erzählt von einem Schlaganfall, den Ärzte zunächst nicht erkannt hätten, von einem zunächst verharmlosten Hautkrebs, der sich später als bösartig herausstellte, und von falschen Medikamenten. Gerade bei Gesundheitsthemen lasse er sich nicht „für dumm verkaufen“. Seine Intuition habe ihn nur selten getäuscht.
Woher diese besondere innere Stimme kommt, dafür hat Schulz seine eigene Erklärung: „Das kommt alles von oben.“ Er glaubt an eine höhere Macht und sieht auch seine Dichtkunst als ein Geschenk Gottes. Vor dem Tod hat er deshalb keine Angst. „Die Energie steigt auf und lebt weiter“, ist seine Vorstellung. „Ich bin ein religiöser Mensch“, sagt Schulz. Das spiegelt sich auch in einigen Gedichten seines neuen Buches wider. Mit „Liebe – Momente des Glücks“ möchte Schulz seinen Lesern bewusst ein „Versöhnungsangebot“ machen. Ganz ohne Anecken geht es bei ihm allerdings auch weiterhin nicht. „Ich streite mich nach wie vor gern“, räumt er ein. Aufhören zu schreiben kommt für Schulz auch in Zukunft nicht infrage. „Ich dichte ganz bestimmt weiter“, steht für ihn fest. Und wer weiß: Vielleicht wird es beim nächsten Mal wieder politischer...
Der Gedichtband „Liebe – Momente des Glücks“ umfasst 164 Seiten und kostet 14,90 Euro. Er ist online und im Buchhandel erhältlich.
Hans-Jürgen Schulz mit seinem neuesten Gedichtband „Liebe“. NN-Foto: vs