Vorfahrt für Fahrradfahrer in Rees
Weitere Maßnahmen im Radverkehrskonzept der Stadt Rees auf dem Planetenradweg umgesetzt
REES. Das erste Feedback gibt es noch während der Vorstellung. Zwei Niederländerinnen zeigen den Daumen hoch, ein weiterer Radfahrer lobt: „Endlich mal eine vernünftige Lösung – jetzt werden die Radfahrer nicht mehr umgenietet.“ Sebastian Hense freut sich sichtlich über diese Reaktionen. „Wir wollen den Radverkehr weiter gut behandeln, sind ‚fahrradfreundliche Stadt‘ und wollen das auch bleiben“, sagt der Reeser Bürgermeister beim Vor-Ort-Termin auf dem Planetenradweg an der Wilhelmstraße. Hier ist eine von zehn Kreuzungen entlang des Radweges, an der künftig Radfahrer Vorfahrt vor dem kreuzenden Straßenverkehr haben.
Rote Fahrbahnmarkierungen und entsprechende Verkehrsschilder (derzeit noch abgeklebt) weisen unter anderem die „Bevorrechtigung“ der Radfahrer auf dem etwa 6,6 Kilometer langen Weg aus. Sie gilt ab September an fast allen Überquerungen mit städtischen Straßen zwischen Skulpturenweg und Galaystraße; ausgenommen ist die Querung K7/Rauhe Straße. Geplant ist, die Regelung auf dem Planetenradweg bis zur K7/Bislicher Straße fortzuführen.
Die nun durch den Bauhof umgesetzte Maßnahme ist Bestandteil des im September 2022 beschlossenen Radverkehrskonzeptes in Rees. Verkehrszählungen im Frühjahr und Sommer 2024 hatten ergeben, dass die Zahl der Radfahrer auf dem Planetenradweg deutlich über der des Straßenverkehrs auf den kreuzenden Wirtschaftswegen liegt. „Es ist einer der meistbefahrenen Radwege im gesamten Stadtgebiet“, ergänzt Bürgermeister Hense. Da aber beispielsweise die Wilhelmstraße auch eine Durchgangsstraße ist und neben landwirtschaftlichem Verkehr und Bussen auch von Pkw-Fahrern oft als Abkürzung zwischen Rees und Haffen genutzt wird, sah man die Veränderung bei der Stadt Rees als angezeigt.
Rees belegt Platz zwei in NRW beim ADFC-Fahrradklimatest 2024
In Sachen Fahrradfreundlichkeit sei Rees „schon sehr gut aufgestellt“, betont Hense und verweist auf den Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) aus dem vergangenen Jahr. Hier legte die Rheinstadt Rang zwei im NRW-Vergleich, bundesweit erreichte sie den sechsten Platz von 429 vergleichbaren Kommunen.
Dies ist auch ein Resultat der weiteren, bereits umgesetzten Maßnahmen des Radverkehrskonzeptes, darunter die Einführung fahrradfreundlicher Ampelschaltungen an allen fünf Ampelschaltungen im Stadtgebiet. „Außerdem haben wir viele Radwege saniert“, ergänzt Stephanie Schlebusch vom Fachbereich Planen, Bauen und Umwelt, darunter am Grüttweg und entlang der L7 zwischen Esserdener Straße und Emmerich. „Und wir haben mehr als 100 Poller und Umlaufsperren auf Radwegen entfernt“, fügt Georg Messing, Fahrradbeauftragter der Stadt Rees, hinzu.
Während die Deichkronenradwege am Skulpturenpark in Rees und parallel zum Lindtackenweg in Haffen auf jeweils rund 800 Metern bereits saniert sind, soll nach Abschluss der Deichsanierung zwischen Rees und Bienen auf einer Länge von rund 5,5 Kilometern auch hier ein Radweg auf der Deichkrone entstehen.
Die Hüttenstraße, der Doelenweg und die Loirstraße sind nun Fahrradstraßen. „In Kürze möchten wir weitere Fahrradstraßen durch den Kreis Kleve ausweisen lassen“, sagt Schlebusch. „An einer Stelle haben wir schon mit dem Kreis diskutiert“, berichtet Sebastian Hense. „In aller Regel kommen wir zu einer guten Lösung. Wir könnten uns an anderer Stelle aber mehr Flexibilität vorstellen.“
Radverkehrsführung in der Reeser Innenstadt „ein großes Projekt“
Insgesamt sei die Radverkehrsführung gerade in der Reeser Innenstadt „ein großes Projekt“, sagt Stephanie Schlebusch. Dazu zählt beispielsweise der geplante Kreisverkehr Florastraße/Vor dem Delltor sowie „für mehr Sicherheit“ die Einführung von Tempo 30 innerstädtisch und innerörtlich, sagt Hense. Sein Wunsch: „Alle Hauptverkehrswege im Wesentlichen auf Tempo 30 reduzieren.“ Hier sei man in „konstruktivem Austausch“ mit dem Kreis Kleve. Von Radfahrern dürfte es auch dafür den Daumen hoch geben.
Kaum zu übersehen: Die rote Fahrbahnmarkierung signalisiert die „Bevorrechtigung“ von Radfahrern wie Bürgermeister Sebastian Hense, Stephanie Schlebusch und Georg Messing (v. l.) auf dem Planetenradweg. Drei bis vier Stunden haben Patrick Terwey-Altenhövel (l.), Thomas Pohle (2. v. l.) und ihre Kollegen des Reeser Bauhofs je Überquerung, wie hier an der Wilhelmstraße, benötigt. NN-Foto: MB