„Vom Herz zur Brücke: Aber wir bleiben bunt!“
Die Brücken-Stiftung setzt den Themenschwerpunkt Kinderarmut
EMMERICH. Mehr als 450 Jahre gehörte der Name „Katholisches Waisenhaus“ zur Stadt Emmerich wie der Eimer zum Stadtwappen. Seit dem Herbst 2024 heißt die Stiftung offiziell „Brücken-Stiftung – Katholisches Waisenhaus Emmerich“. Mehrere Jahre hatte es in Anspruch genommen, unter Beteiligung aller Mitarbeitenden neue Führungsleitsätze, ein neues Leitbild und darauf aufbauend einen „neuen“ Namen zu finden, in dem sowohl die lange Geschichte als auch das moderne Erscheinungsbild und die Vielfalt der Stiftung Ausdruck finden.
Mit einer Veranstaltung im PAN-Kunstforum, zu der knapp 100 regionale und überregionale Vertreter aus Politik, Kirche, Gesellschaft und Fachkreisen erschienen waren, wurde dieser Prozess nun noch einmal geschildert und endgültig abgeschlossen. Ein Herz aus bunten Punkten bildete das alte Logo der Stiftung. Nun formen sich die bunten Punkte zu einer Brücke. „Vielfältig und bunt, so sind Kinder und Jugendliche – und so war und bleibt auch die Stiftung“, bekräftigte Thomas Selders, Vorstand und Mitglied der Geschäftsleitung. Kinderarmut war ein Gründungsanlass der Stiftung, „und stellt auch heute noch viel zu oft eine Herausforderung in allen Arbeitsfeldern der Stiftung dar“, leitete Gousel Will (Mitglied der Geschäftsleitung) in den thematischen Teil des Programms über. Eingeladen hatte die Stiftung hierzu Pastor Bernd Siggelkow. Der Gründer der „Arche“ Berlin führte mit einem Impulsvortrag in das Thema Kinderarmut ein. Mehr als vier Millionen Kinder leben in Deutschland in Armut – ein Skandal, bei dem es keinen Aufschrei gibt. Warum? „Kinder haben in Deutschland keine Lobby“, sagt Pastor Bernd Siggelkow. „Wie kann das sein?“, dass in einem der reichsten Länder Europas Kinder und Jugendliche in Armut leben. „Wie kann das sein?“, dass es 30 Jahre nach Gründung der ersten „Arche“ mittlerweile auch mehr als 30 „Archen“ in ganz Deutschland geben muss, damit die materielle Not von Kindern und Jugendlichen ein wenig gelindert wird und sie Unterstützung finden.
Aber es ist nicht nur wirtschaftliche Not, die belaste und Zukunftschancen stark beeinträchtige. Immer mehr Kinder und Jugendliche litten unter der Armut an erwachsener Aufmerksamkeit, emotionaler und seelischer Fürsorge und Unterstützung, so Siggelkow. Sie würden zunehmend allein gelassen mit ihren Fragen, Zweifeln, Ängsten und Sorgen. Das ist ein anderes Gesicht der Kinder- und Jugendarmut. Und eines, das nicht weniger beschämend ist.
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von Carolin Kronenburg (Pressesprecherin der Caritas für das Bistum Münster) mit Pastor Siggelkow, David Koep (Geschäftsleitung und Einrichtungsleitung Kinderheim St. Elisabeth Emmerich) und Neslihan Plum (Leitung Familienzentrum „Wiesenhüpfer“ Rees) wurden verschiedene Fragestellungen aufgegriffen, vertieft und diskutiert. Der Fokus wurde insbesondere auf Lösungsansätze gelegt und die Podiumsteilnehmer danach gefragt, wie verhindert werden könne, dass Armut „vererbt“ werde und welche strukturellen Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und Armutsverhinderung es in den Kommunen und im Kreis Kleve gebe? Ferner, welche wirksamen Angebote es aus Sicht der Podiumsteilnehmer brauche und wo akuter Handlungsbedarf bestehe? Abschließend wurden Forderungen an die Politik formuliert, wobei erörtert wurde, welche Weichen die Politik und insbesondere die Bundesregierung stellen müsse, um Kinderarmut wirksamer zu bekämpfen? „Aufbauend auf diesem Tag werden wir uns weiter mit dem Thema Kinderarmut beschäftigen und erarbeiten, welche eigenen Schwerpunkte wir hier setzen können“, so David Koep (Mitglied der Geschäftsleitung). Dabei werden die Ausarbeitungen (Interviews, Plakate) der Kinder und Jugendlichen aus den verschiedenen Bereichen der Stiftung zum Thema Armut, welche im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt wurden, Berücksichtigung finden.
Mit den Temperaturen entsprechenden kalten Getränken leckerem mexikanischem Fingerfood, das die Catering-Abteilung des „Schülereinsatzkommandos“ am Förderzentrum Grunewald professionell zubereitet und geliefert hatte, wurden alle Gäste schließlich entlassen und verstreuten sich in alle Richtungen. Die Brücken-Stiftung und ihre Mitarbeiter aber bleiben da, wo sie „schon immer“ (seit 1567) waren, und setzen sich weiter für die Zukunft aller Kinder und Jugendlichen in und um Emmerich ein.
Und geblieben ist an diesem Tag auch eine wichtige Botschaft: Kinder und Jugendliche zu sehen, zu hören, sich an ihre Seite zu stellen und vor allem an sie zu glauben – das zumindest „kostet“ uns alle doch gar nichts!