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"Porträt von Davely aus der DR Kongo, Musiker in Rees, ZUE. Foto: Heiner Frost"
28. Mai 2026 · Heiner Frost · Rees

Vom Flüchtling zum Operntalent: Ein außergewöhnlicher Sänger aus der ZUE Rees

Dank Unterstützung aus der Gemeinschaft, darunter dem Haldern Pop Festival, kann Davely aus dem Kongo an der Kreismusikschule Kleve Gesangsunterricht nehmen.

REES. Mit dem Singen ist es so eine Sache: Die einen singen im Chor – andere unter der Dusche, auf dem Rad, im Auto oder bei der Arbeit. Und dann ist da Davely: Er singt schon mal in der Küche. Davely wohnt in der ZUE in Rees. Er kommt aus dem Kongo und ist ein Jahresend-Baby – geboren am 31. Dezember 1992. Wenn Davely in der Küche singt, kann es passieren, dass die Mitbewohner zum Zuhören aus ihren Zimmern kommen und... staunen.

Zeit, über Max zu schreiben: Max ist Sozialarbeiter und arbeitet in eben der Unterkunft, in der man Davely immer wieder singen hört. Max schreibt mir eine SMS: „Du kennst dich doch mit Musik aus. Wir haben da einen bei uns, den solltest du dir mal anhören. Der singt Opernarien.“

Das klingt irgendwie schräg und macht neugierig Also: Termin gemacht. Davely spricht Englisch und Französisch – sein Deutsch ist „noch in Arbeit“. Als ich Davely frage, welche Musik ihn interessiert, geht es nicht um Rock, Pop, Metal oder sonstwas. Er sagt ein Wort: „Opera“. Okay.

Da ist einer ganz Musik

Dann mal Butter bei die Fische. Ich bitte Davely, etwas zu singen – einfach so. Ohne Begleitung. Davely überlegt einen Augenblick, dann singt er die Arie des Prinzen Kalaf zu Beginn des 3. Aktes aus Puccinis „Turandot“: „Nessun dorma“ (Niemand soll schlafen). Bei den ersten Tönen wird klar: Da ist etwas. Da wird einer zum Klang – ist ganz Musik. Da ist einer, der Oper aus dem Radio kannte und von CDs seines Vaters. Der sagte damals: „So musst du singen.“

Da singt einer, der nie Unterricht hatte. „Ich habe zuhause elf Jahre in einem Kirchenchor gesungen“, sagt Davely. Zuhause – das ist die Demokratische Republik Kongo. „Aber eigentlich ist Zuhause dort, wo ich mich sicher fühle.“ Davelys Leben bleibt im Hintergrund. Er redet nicht gern darüber. Er hat zwei jüngere Geschwister. „Mein Vater war Politiker“, sagt er, und über dem „war“ liegt ein kalter Hauch. Sein Vater, erzählt Davely, sei vergiftet worden. Plötzlich wirkt die strahlende Opernstimme brüchig. „Zuhause ist, wo ich mich sicher fühle.“ Zuhause hat Davely sich mit Elektrotechnik beschäftigt. Er zeigt mir das Foto eines jungen Mannes im Anzug. Der Mann erklärt ein Solarzellenprojekt. „Das bin ich“, sagt Davely. Er möchte nicht seinen kompletten Namen in der Zeitung lesen. Man weiß ja nie...

Eine Verwandlung in der Welt der Töne

Zurück zum Gesang: Da ist es wieder: Dieses wunderbare Erlebnis, dass jemand in einer Welt der Töne zu jemand anderem wird. Da findet Verwandlung statt. Und es taucht die Erkenntnis auf: Davley braucht Unterricht. Er ist einer, der auf dem Weg ist. Er ist einer, der mit unglaublicher Musikalität ausgerüstet ist.

Ein paar Tage später: Dieselbe Arie. Jetzt mit Klavierbegleitung. Anja Speh arbeitet viel mit Sängern zusammen. Natürlich kennt sie „Nessun Dorma“. Sie spielt die Einleitung. Davely und sie haben sich nie getroffen, haben nie zusammen geprobt. Davely beginnt zu singen, und irgendwie vibriert die Luft. Da gibt einer einfach mal eben alles. Er muss das Dosieren lernen – muss trainieren, sich nicht zu verausgaben. Haushalten lernen mit seiner Stimme. Davely – da ist auch Anja Speh sicher – braucht Unterricht. Und Max sagt: „Wir müssen sehen, ob sich das irgendwie finanzieren lässt.“ Der Unterricht an der Kreismusikschule Kleve würde, stellt sich heraus, knapp 60 Euro pro Monat kosten.

Ich sage zu Max: „Weißt du was, wir suchen einfach Sponsoren.“ Und Max sagt, er würde drei Monate übernehmen. „Ich auch“, sage ich.

Start der Ausbildung – dank Haldern Pop Festival

Ortswechsel: Pressekonferenz in Sachen Haldern Pop Festival. Es geht um anderes, aber am Ende frage ich Stefan Reichmann, den künstlerischen Leiter des Festivals: „Hättest du morgen Zeit? Ich würde dir gern eine Geschichte erzählen.“ Wir verabreden uns. Ich erzähle die Davely-Geschichte. „Hammer, oder?“ Reichmann nickt. „Ich melde mich“, sagt er.

Zwei Tage später: ein Anruf. Stefan ist am Apparat. „Wir machen das“, sagt er und ich frage: „Wer ist wir?“ „Das Haldern Pop Festival. Wir übernehmen den Unterricht für ein Jahr. Und vielleicht kann Davely beim 27er-Festival dann ein paar Stücke singen. Wäre doch super, oder?“

Anruf bei Max. „Guten Morgen“, sagt er und ich sagt: „Ganz genau. Es ist ein guter Morgen. Das Haldern Pop Festival übernimmt ein Jahr die Ausbildung. Du kannst Davely für den Unterricht anmelden. Und in einem Jahr sehen wir weiter.“ Längst habe ich auch Freunden die Davely-Geschichte erzählt. Wie es aussieht, sollte es in einem Jahr kein Problem sein, Davelys „Stipendium“ zu verlängern. Sie würden alle mitmachen.

Am kommenden Dienstag wird Davely seine erste Gesangsstunde bekommen. Vielleicht besorge ich ihm eine Schultüte...

Einer mit ganz viel Musikalität: Davely stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, lebt heute in der ZUE in Rees. NN-Foto: Heiner Frost

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