Klein, aber fein: Haldern Pop
Von Mittwoch, 5. August, bis Samstag, 8. August, wird ein ganzes Dorf zur Bühne
NIEDERRHEIN. „Einer sich selbst kopierenden Welt gehen die Originale aus“ – das Motto des 43. Haldern Pop, das vom 5. bis zum 8. August stattfindet. Man denkt kurz nach und endet bei einem inneren Nicken.
‚Westside Cowboy’ aus England gastieren am Donnerstag im Spiegelzelt. Foto: Westside Cowboy Foto: Westside Cowboy

Sara Parkman aus Schweden gastiert am Freitag in der Kirche. Foto: Sara Parkman Foto: Sara Parkman
Irgendwie ist das wieder mal die Haldern-Melange, denkt man. Das Motto: Alles ist möglich – es muss nur gut sein. Und eines steht für Stefan Reichmann fest: „Gut ist nichts Relatives.“ Man greift innerlich zum Füllfederhalter: Das möchte man unterschreiben. Da ist was dran.
Haldern Pop – das ist über die Jahre zum gallischen Dorf geworden. Ringsumher: Gigantismus. Immer neue Rekorde, Und in Haldern muss keine Kirche gebaut werden: Sie steht fertig da. Auch der Supermarkt ist Teil des Dorfes – eines Dorfes, das einfach da ist. Irgendwie ganz unspektakulär spektakulär. Haldern Pop ist irgendwie immer noch Handmade, während viele der Megafestivals längst aufgekauft wurden. „Einer sich selbst kopierenden Welt gehen die Originale aus“ – je mehr man diesem Gedanken Platz im Hirn einräumt, umso mehr Platz nimmt er ein. Man läuft durchs Dorf. Noch knapp zwei Wochen bis zum Start. Noch verrät nichts das anrückende Festival. Alles ist wunderbar ruhig ohne still zu sein. Stefan Reichmann ist zum Philosophieren aufgelegt – spricht über Hartmut Rosa; über dessen Buch, das vom Verschwinden der Spielräume handelt und davon, dass wir von Handelnden zu Vollziehenden geworden sind. „Wir sollen konsumieren und die Klappe halten.“ Das sagt Reichmann und dann kommt er auf das Reh zu sprechen: „Stell dir vor, du gehst im Wald spazieren und siehst ein Reh. Das ist ein Erlebnis. Das Bild nimmst du mit. Im Kopf. Da bleibt etwas. Du erzählst die Geschichte ein paar Leuten und einer zückt einen Zwanziger, gibt ihn dir und sagt: ‚Kauf dir ’ne Karte für den Zoo. Da hast du Rehe satt.‘ Wir versuchen hier, den Leuten, die nach Haldern kommen, Lust auf das Reh im Kopf zu machen“, sagt Reichmann.
Ist das eine Sozialträumerei? Vielleicht. Wer will das entscheiden? Vielleicht geht es bei einem Festival wie dem Haldern-Pop um einen Rest Selbstwirksamkeit. Ein Festivaltag ist wie eine Ausstellung: Es braucht nicht nur die Exponate. Es braucht einen Rhythmus. „Unser Samstag ist ein Kunstwerk“, sagt Stefan Reichmann und man wünscht sich, dass er Recht behält. Haldern-Pop ist – so viel steht fest – keine Kopie; nicht mal eine von sich selbst. Es geht – auch beim 43. Mal – darum, kein Rezept durchzuführen. Es geht um das Sich-Einlassen: für die Macher ebenso wie für das Publikum. Wie bereits im letzten Jahr beginnt das Festival schon am Mittwoch. Gespräche finden statt. Haldern-Pop ist mehr als Musik-Vollzug. Es geht um das Denken im Hintergrund. Zu diskutieren gibt es reichlich. In jedem Fall ist Haldern Pop – die Hauptbühne ausgenommen – ein Freilichttheater: Alles ist schon da.
Wichtige Frage: Gibt es noch Karten – fürs gesamte Festival beziehungsweise für einzelne Tage? Stefan Reichmann: „Es gibt sowohl Karten für das gesamte Festival (195 Euro; Schüler 160 Euro) als auch für einzelne Tage. Für den Samstag könnte es allerdings mit den Tageskarten (99 Euro) eng werden.“ Wer ohne Karte Festivalatmosphäre spüren möchte, dem sei ein Ausflug nach Haldern empfohlen. Wer bei gutem Wetter die Dorfmitte erkundet, bekommt reichlich Stimmung. Auch Spielorte gibt es reichlich: Neben der Pop-Bar, der Kirche und dem Jugendheim (alles im Dorfkern), gibt es die Mainstage, das Niederrhein-Zelt und das Spiegelzelt auf dem Festivalgelände und das Tonstudio.
Ein Tipp für Samstag: Geordie Greep im Spiegelzelt. Foto: Geordie Greep/Yis Kid