Versuch über Flüchtigkeiten
Die Ausstellung „something that flees the hands“ wird morgen im Kurhaus eröffnet
KLEVE. „something that flees the hands“ heißt eine neue Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve, die am Samstag, 21. März, um 17 Uhr eröffnet wird.
Werke von sieben Künstlerinnen und Künstlern (Wisrah C. V. da R. Celestino, Sultan Çoban, Rashiyah Elanga, Xheneta Imeri, Hanni Kamaly, Arthur Stachurski, Tobias Hohn und Stanton Taylor) wurden im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen dem Museum Kurhaus Kleve und „Residence NRW“ von Anneliese Ostertag und Antoine Simeao Schalk kuratiert.
Ausstellungstitel und Kunstwerke bilden, denkt man, einen Widerspruch ab, denn Kunst ist ja zu einem gewissen Teil auch Handwerk. Aber, denkt man dann: Vielleicht ist ja der Augenblick gemeint, in dem Kunstwerk und Künstler getrennte Wege gehen. Es ist der Augenblick der Fertigstellung, der das Kunstwerk von seinem Schöpfer trennt: Es ist der Augenblick, der zwei Eigenleben entstehen lässt. Man liest: „‘something that flees the hand‘ bezieht Spuren von Werken der vorangegangenen Sammlungspräsentation mit ein, wodurch sich die Ausstellung von der konventionellen zeitlichen Strukturierung von Kunstpräsentation widersetzt.“
Da steht man vor dieser sandenen Fläche – denkt an Paloma Varga Weisz und tatsächlich ist ein Teil einer Arbeit von Varga Weisz zur Kulisse einer Arbeit von Hanni Kamali geworden. Neue Zusammenhänge entstehen. Gleich daneben – am Boden hockend und mit der Museumswand verschraubt – etwas, das das Skelett einer Blume sein könnte. Etwas Knöchernschwarzes. Ein Dreihorn vielleicht. Der Name der Arbeit: AMAD AHMAD. Irgendetwas schlägt im Hinterkopf Alarm. „Was sagt Ihnen das?“, fragt jemand. Ich denke an Kleve – an das Jahr 2018. An den Tod eines Häftlings der Justizvollzugsanstalt. Tatsächlich schließt sich ein Kreis, denn Hanni Kamaly bezieht sich auf eben diese Geschichte und im eigenen Kopf wird das schwarzschimmernde Ding aus Metall jetzt zur Hand – es ist die Hand eines Sterbenden, der nach Rettung greift. Fleisch und Haut sind verschwunden (something that flees the hand); sind zum Gerippe geworden. Was aber, wenn jemand die Geschichte nicht kennt? Andere Assoziationen werden entstehen. Andere Bilder. something that flees the brain, denke ich. Etwas, das dem Denken enflieht.
Arthur Stachurskis „Prison Reliefs“ zeigen Gefängnisgitter, Schlösser und architektonische Barrieren. „Die Bronzearbeiten verstehen sich im Rückgriff auf eine Bildsprache, die mit staatlicher Autorität, Kontrolle und Bestrafung verbunden ist“, heißt es in einem Text zur Ausstellung.
Ist „Something that flees the hand“ ein politisches Statement? Vielleicht. Vielleicht ist die Ausstellung Diskussionsgrundlage. Startrampe, Rutschbahn ins Denken.
Vielleicht kann all das auch ganz anders gelesen werden. Vielleicht können andere Geschichten entstehen. Andere Denk- und Gedankenräume.
Kunst ist immer ein Dosenöffner für das eigene Denken. „something that flees the hand“ dokumentiert die Loslösung des Kunstwerks vom Schöpfer und ist Einladung zum Denkalog – einem gedachten Dialog also.
Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 28. Juni.
Amad Ahmad (2019-2012) – eine Arbeit von Hanni Kamaly, die sich mit einer Klever Geschichte auseinandersetzt. Foto: privat
Anneliese Ostertag und Antoine Simeao Schalk haben „something thnat flees the hand“ kuratiert. NN-Foto: HF