Verlässliche Grundschule vor ungewisser Zukunft
Betreuungsangebot an der Marienschule könnte im kommenden Schuljahr entfallen
NIEUKERK. In Nieukerk wächst die Sorge um die Zukunft der „Verlässlichen Grundschule“ (VGS) an der Marienschule. Das Betreuungsangebot, das vielen Familien eine flexible Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht, könnte im kommenden Schuljahr entfallen, wenn sich nicht genügend Eltern anmelden. Gleichzeitig endet die Anmeldefrist bereits am 15. März, während die endgültigen Elternbeiträge nach derzeitiger Planung erst im Mai politisch beschlossen werden sollen.
Für betroffene Familien bedeutet dies, dass sie eine weitreichende Entscheidung über die Betreuung ihrer Kinder treffen müssen, ohne die tatsächlichen Kosten zu kennen. „Wir sollen verbindlich zusagen, wissen aber nicht, welche Beiträge am Ende beschlossen werden“, heißt es aus der Elternschaft. Diese Unsicherheit führe dazu, dass viele Eltern zögern oder sich vorsorglich für andere Modelle entscheiden, obwohl sie die VGS grundsätzlich bevorzugen würden.
Die VGS unterscheidet sich deutlich von der Offenen Ganztagsschule (OGS). Sie bietet Betreuung bis in den frühen Nachmittag, ohne verpflichtende Anwesenheit an mehreren Tagen bis mindestens 15 Uhr. Gerade für Eltern in Teilzeit oder mit wechselnden Arbeitszeiten ist dieses Modell häufig die einzige praktikable Lösung. „Nicht jede Familie braucht Ganztag bis in den späten Nachmittag. Aber viele brauchen Verlässlichkeit bis 14 Uhr“, so eine Mutter aus Nieukerk.
Mit einem konkreten Beispiel aus der vorausgegangenen Bedarfsabfrage verdeutlicht die Elterninitiative aus Nieukerk die Problematik: „Für die höchste Einkommensgruppe wurden für die VGS bei Betreuung bis 14 Uhr mit verpflichtendem Mittagessen monatliche Beiträge von bis zu etwa 410 Euro in Aussicht gestellt. Für die OGS wird hingegen ein Beitrag von etwa 235 Euro erwartet. Damit wäre die flexiblere Betreuung deutlich teurer als das umfangreichere Ganztagsangebot.
In umliegenden Kommunen bewegen sich vergleichbare flexible Modelle in der höchsten Einkommensstufe häufig im Bereich zwischen rund 50 und 100 Euro monatlich, teils etwas darüber, teils darunter. Vor diesem Hintergrund wirkt ein Betrag von über 400 Euro für eine Betreuung bis 14 Uhr außergewöhnlich hoch.“
Die Beteiligung an der damaligen Umfrage war insgesamt begrenzt. „Dies wird von der Gemeinde als Hinweis auf möglicherweise geringen Bedarf gewertet. In der Elternschaft wird diese Schlussfolgerung jedoch kritisch gesehen. Viele berichten, dass die in Aussicht gestellten Beiträge sowie fehlende Klarheit über die endgültige Ausgestaltung zu großer Unsicherheit geführt hätten. Wer nicht weiß, welche Kosten am Ende entstehen, trifft schwer eine verbindliche Auswahl“, erläutert die Initiative. Dass die VGS grundsätzlich gewünscht sei, zeige sich auch daran, dass sich inzwischen über 50 Eltern mit ihrer Unterschrift für den Erhalt des Angebots ausgesprochen haben. Die niedrigen Anmeldezahlen würden daher von vielen nicht als Ablehnung des Modells verstanden, sondern als Reaktion auf eine Ausgestaltung, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen für zahlreiche Familien nicht tragfähig erscheint.
Mit Blick auf den nahenden Stichtag wächst der Zeitdruck. Die Eltern betonen: „Sollte das Angebot tatsächlich wegfallen, hätte dies für zahlreiche Familien unmittelbare Auswirkungen auf ihre berufliche Planung und den Alltag ihrer Kinder. Gleichzeitig würde damit ein flexibles Betreuungsangebot verschwinden, das in vielen Kommunen längst als fester Baustein familienfreundlicher Strukturen gilt. Damit steht nicht nur ein Betreuungsmodell zur Diskussion, sondern auch die Frage, wie stark familienpolitische Prioritäten in Kerken künftig gewichtet werden.“