Toter Wal vor dem Altar als Sinnbild der Verletzlichkeit der Schöpfung
Weihbischof Lohmann ist Schirmherr des Kunstprojekts im Xantener Dom
NIEDERRHEIN. Mit eindringlichen Worten hat Weihbischof Rolf Lohmann am ersten Fastensonntag die Kunstinstallation „The Cast Whale Project“ des Künstlers Gil Shachar im Xantener Dom eröffnet.
Im Mittelpunkt der Predigt stand die spirituelle Dimension des Kunstwerks – der lebensgroße Abguss eines in Südafrika gestrandeten Buckelwals –, das für Lohmann ein starkes Symbol für die Verletzlichkeit der Schöpfung darstellt.
Bereits zu Beginn stellte er die Frage, welche Gedanken die Betrachtung dieser Skulptur auslöst. Der Wal sei „ein geschundenes Säugetier“ und mache unübersehbar deutlich, „wie verletzlich die Schöpfung insgesamt“ sei. Die monumentale Figur zeige, wie sehr Arten bedroht sind – „bedingt durch falsches menschliches Handeln, bedingt durch den Klimawandel und das Aufwärmen und Verschmutzen der Meere“. Das Schlimmste sei, dass das von einigen Politikern bis in höchste Staatsämter hinein verleugnet werde, obwohl es längst wissenschaftlich bewiesen sei.
In seiner Predigt verband Lohmann diese Mahnung mit dem Beginn der österlichen Bußzeit. Die Skulptur werde zu einer Einladung, sich der eigenen Verantwortung zu stellen und sich zu fragen, ob man „die Hände in den Schoß legen“ wolle oder ob man sich von diesem Bild „berühren und zum Handeln anregen“ lasse. Das Kunstwerk eröffne einen Raum der Betrachtung, der die Unterscheidung von Gut und Böse neu herausfordere – im persönlichen Leben wie im gesellschaftlichen Miteinander. Das Kunstwerk im Dom diene dabei als eindrucksvolle Visualisierung des biblischen Auftrags, Leben zu schützen. Der Wal rufe dazu auf, Verantwortung zu übernehmen – „für die geschundene Welt, für die allzu oft vergessene Schöpfung“. Er sei ein „martialisches Bild. Und das ist gut“, denn es stoße notwendige Nachdenklichkeit an. Gleichwohl wisse er, sagte Lohmann, dass das Projekt im Dom nicht jedem gefalle. „Aber“, betonte er, „es geht nicht um Wohlgefallen. Das Kunstwerk soll etwas in den Menschen auslösen, Nachdenklichkeit, Auseinandersetzung und Diskussionen.“ Am Ende seiner Predigt dankte Weihbischof Lohmann allen Beteiligten des Projekts und verband seine Worte mit einem hoffnungsvollen Impuls: Die Installation eröffne „neue Wege in der Glaubensverkündigung“ und ermögliche zugleich, „gesellschaftliche Relevanz christlicher Positionen“ sichtbar zu machen. Die Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk solle helfen, „die Augen und Herzen zu öffnen“ und Verantwortung konkret werden zu lassen. „Wir Christen werden dringend gebraucht, mitzuwirken, anzupacken und die Welt nach Gottes Plan und Weisung mitzugestalten, an seinem Reich der Liebe, des Friedens und der Gerechtigkeit mitzuarbeiten“, schloss Lohmann.