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"Vogelperspektive auf dichten Nadelwald im Herbst, goldenes Laub, Naturfotografie von Thomas Langer"
24. April 2026 · Thomas Langer · Niederrhein

„Freiheit für die Kunst“: Nach 40 Jahren ist nicht alles Banane

Thomas Baumgärtel feiert sein „Bananensprayer“-Jubiläum mit der bis dato größten Ausstellung am Niederrhein

NIEDERRHEIN. 40 Werkgruppen aus 40 Jahren an 40 Orten: Eine Kunstausstellung solchen Ausmaßes hat es am Niederrhein noch nicht gegeben – vermutlich auch nicht darüber hinaus. Der „Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel feiert das Jubiläum seiner „Exzellenz-Banane“ im ganz großen Stil und lädt nicht nur dazu ein, sein umfangreiches Schaffen jenseits der Banane zu entdecken, sondern auch den Niederrhein als Kulturlandschaft.

Nicht nur Thomas Baumgärtel hat dieser Tage alle Hände voll zu tun. Vielerorts werkeln seine Partner aus der Kulturbranche mit Vollgas an ihren Ausstellungsräumen – allen voran das Niederrheinische Museum Kevelaer. Unter dem Titel „Freiheit für die Kunst“ wird der künstlerische Reigen hier nämlich am Freitag, 8. Mai, um 19 Uhr zentral eröffnet.

Eröffnung Niederrheinisches Museum Kevelaer 8. Mai: Veronika Kaenders, Jenny Geißler-Bentler, Thomas Baumgärtel, Dr. Stephan Mann.

Laden alle Interessenten zur Eröffnung im Niederrheinischen Museum Kevelaer am 8. Mai ein: (v.l.) Veronika Kaenders (Niederrheinisches Museum Kevelaer), die Bonner Galeristin Jenny Geißler-Bentler, der Bananensprayer Thomas Baumgärtel und Dr. Stephan Mann (Museum Goch). NN-Foto: Thomas Langer

Schaut man sich vorab im Kevelaerer Ausstellungsraum um, fällt Baumgärtels berühmte Banane sofort ins Auge: ob als Motiv auf der Kleidung einer riesigen Playmobil-Figur, oder – mit Farbe auf Leinwand gebannt – ans Kreuz genagelt. Vielleicht ein gewagtes Motiv, ja, aber mit genau diesem Wagnis haben die Dinge für Thomas Baumgärtel vor so vielen Jahren überhaupt erst ihren Lauf genommen.

„Nach dem Abitur hatte ich noch gar nicht den Wunsch, Künstler zu werden“, erinnert er sich. Überhaupt war sein privates Interesse an der Kunst nicht sonderlich ausgeprägt. Geändert hat sich das erst, als es den gebürtigen Rheinberger nach seinem Schulabschluss ins katholische Krankenhaus zum Zivildienst verschlug – eine besondere Zeit mit vielen besonderen Erfahrungen, wie er erzählt. Trotzdem: „Für mich sah es immer so aus, als würden die Leute eher sterben als zu gesunden.“ Dann, als eines Tages eines der Kruzifixe über den Patientenbetten auf den Boden gefallen war, befestigte er spontan seine Frühstücksbanane an den Nägeln des Kreuzes. Seine Idee ging auf: Die Banane sorgte für eine Menge guter Laune unter den Patienten und Thomas Baumgärtel hatte sein prägendes Schlüsselerlebnis: „Ich hatte das Gefühl, die Leute waren plötzlich geheilt. An dem Tag habe ich beschlossen, Künstler zu werden.“

"Banane am Kreuz in Rheinberger Krankenhaus, Kunstgeschichte, Thomas Langer Foto"

Mit einer Banane am Kreuz hat vor 40 Jahren alles in einem Rheinberger Krankenhaus begonnen. NN-Foto: Thomas Langer

Die Ordensschwestern hätten die Aktion nicht gerade begeistert aufgenommen, gibt er zu, „aber man hat mich auch nicht rausgeworfen“, erzählt er mit breitem Lächeln. Jahre später habe er sogar noch einen Brief von einer der Nonnen erhalten. Sie war sich sicher: Gott habe ihm den Weg zur Kunst gezeigt.

Ein Symbol für Freiheit und Offenheit

Auch wenn sein Ansatz in den kommenden Jahrzehnten teils auf Widerstand gestoßen ist, hat Thomas Baumgärtel seit 1986 weltweit circa 4.000 Kulturstätten mit seiner „Exzellenz-Banane“ ausgezeichnet – als Symbol für die Freiheit der Kunst, Meinungsvielfalt und kulturelle Offenheit, seit jeher das Hauptthema für Baumgärtel, wie auch der Titel der Jubiläumsausstellung zeigt. „Er hat sich nie gescheut, unbequeme Themen anzusprechen und dafür geradezustehen. Diese Grundhaltung braucht man heute umso mehr“, sagt Dr. Stephan Mann vom Museum Goch, der Baumgärtel zusammen mit der Bonner Galeristin Jenny Geißler-Bentler bei seinem Projekt unterstützt. In diesem Sinne spielen aber auch andere zeitaktuelle Themen eine Rolle. Mit Blick auf Trump und Co gehören dazu beispielsweise die Probleme des Personen- und Heldenkults und die damit oft verbundene Vorstellung davon, was (männliche) Macht und Stärke ausmacht. Oder die Herausforderungen durch Umweltverschmutzung und Klimawandel.

Seine Banane hat Thomas Baumgärtel über die Jahrzehnte in vielerlei Kontexte überführt und mit ihrer Hilfe auch den Besonderheiten und Aushängeschildern seiner Geburtsstadt Rheinberg Tribut gezollt: zum Beispiel in Gestalt der Underberg-, der Isabell-Werth- und der Claudia-Schiffer-Banane.

Zwischen 800 und 900 Werke dürften demnächst nach und nach in der Region vorgestellt werden, schätzt Baumgärtel. Und das ist nur ein Teil seines Schaffens: Während sein Werksverzeichnis 3.150 Stücke auflistet, schätzt der Künstler sein Œuvre auf gut 4.000 Arbeiten. „Genug für 100 Ausstellungen. Das glaubt man nicht.“

Mehr als die Banane

Dem übergeordneten Freiheitsgedanken entsprechend ist die Banane nicht nur für die ausgezeichneten Institutionen, sondern auch für Thomas Baumgärtel selbst ein Symbol, hinter dem sich so viel mehr verbirgt. So offenbart jede Station der Ausstellung eine andere Facette des Wahl-Kölners. Verschiedene Themen und Materialien nehmen in vielen künstlerischen Ansätzen Gestalt an: von Malerei, Grafik und Installation über politische Kunst und Street Art bis hin zu performativen Aktionen.

Damit ist die Ausstellung für die Kulturstätten wenig überraschend eine „immense logistische Herausforderung“, sagt Dr. Stephan Mann. Dennoch identifizieren sich er und alle übrigen Partner sehr mit der Bedeutung und den Werten hinter dem Ausnahme-Projekt. Darüber hinaus setzen alle Partner mit dieser gelebten Gemeinschaft ein starkes Zeichen in zunehmend schwierigeren Zeiten – ganz im Sinne des Erfinders. „Nur so kann das Projekt überhaupt erst funktionieren“, betont Baumgärtel. Sein Wunsch, mit seiner Kunst Wirkung zu erzeugen, geht auch nach 40 Jahren noch eindrucksvoll in Erfüllung.

Gleichzeitig ergibt sich für ihn die Gelegenheit, in Gestalt dieser Kunsttour auch seiner niederrheinischen Heimat ein Denkmal zu setzen. „Als ich die Orte ausgewählt habe, habe ich wieder gesehen, wie schön der Niederrhein eigentlich ist. Vor allem im Mai und Juni!“ Gleiches gilt für die Vielseitigkeit der 40 Ausstellungsorte: egal ob das malerische Wasserschloss Wissen in Weeze, die alte Narrenmühle in Viersen oder das Museum in Goch. Baumgärtel ist sich sicher: „Der Niederrhein hat sein Licht zu lange unter den Scheffel gestellt.“
"Ausstellung am Niederrhein von Thomas Baumgärtel, Kulturraum entdecken"

Mit der Ausstellung möchte Baumgärtel die Besucher auch einladen, den Niederrhein als Kulturraum zu entdecken. Foto: Thomas Baumgärtel

Weitere Details zu allen Veranstaltungsorten, Zeiten, Werkgruppen und zum Künstler gibt es unter www.40jahrebananensprayer.de. Die zentrale Finissage findet am Freitag, 10. Juli, um 19.30 Uhr im Museum Kurhaus Kleve statt.

"Claudia-Schiffer-Banane von Thomas Baumgärtel, berühmte Kunstbanane, moderner Kunststil"

Seine Bananen (hier die Claudia-Schiffer-Banane) haben Thomas Baumgärtel zwar berühmt gemacht ... Foto: Thomas Baumgärtel

"Ausstellung von Thomas Baumgärtel mit hunderten Kunstwerken an 40 Orten"

... aber sein Schaffen umfasst noch wesentlich mehr, wie die Ausstellung mit hunderten Werken an 40 Orten zeigen wird. Foto: Thomas Baumgärtel

NN-Foto: Thomas Langer

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