StiftsMuseum Xanten erhält Werk von Gil Shachar als Schenkung
Der Bildhauer hat dem Museum einen seiner charakteristischen verhüllten Spiegel überlassen
XANTEN. Das StiftsMuseum Xanten freut sich über eine bedeutende Schenkung: Im Nachgang der Sonderausstellung „UN-COVERED. Der Bildhauer Gil Shachar hat dem Museum einen seiner charakteristischen verhüllten Spiegel überlassen. Das Werk wurde von Dompropst Stefan Notz und Museumsleiterin Claudia Kienzle offiziell entgegengenommen und wird künftig die Sammlung des StiftsMuseums bereichern.
Die Serie der verhüllten Spiegel gehört zu den zentralen Werkgruppen Gil Shachars. Die Arbeiten sind von einer rituellen Handlung inspiriert, die in der jüdischen Tradition im Rahmen der sogenannten Schivʿa, der siebentägigen Trauerzeit, praktiziert wird. So verhängen die Hinterbliebenen für eine Woche die Spiegel in ihren Wohnungen. Sie sollen sich in dieser Zeit ganz auf Abschied, Erinnerung und Trauer konzentrieren und nicht von Äußerlichkeiten ablenken lassen. Mit Wachs und Epoxidharz nimmt Shachar Abgüsse von Stoffstücken. Mit diesen monochrom bemalten Reproduktionen verhüllt der Künstler anschließend echte Spiegel und wirft so Fragen nach Realität und Materialität, Sichtbarkeit, Identität oder Vergänglichkeit auf.
Dompropst Stefan Notz würdigt insbesondere die spirituelle Dimension der Schenkung: „Der verhüllte Spiegel verweist auf einen jahrhundertealten religiösen Brauch, der den Blick von der äußeren Erscheinung auf das Wesentliche lenkt. Gerade in einer Zeit, in der Selbstinszenierung allgegenwärtig ist, erinnert uns dieses Werk daran, dass Trauer, Besinnung und die Hoffnung über den Tod hinaus zum Menschsein gehören. Dass ein solches Kunstwerk dauerhaft im StiftsMuseum bewahrt wird, eröffnet einen wichtigen interreligiösen und spirituellen Dialog.“
Die Sonderausstellung „UN-COVERED. Der Bildhauer Gil Shachar“ präsentierte von Februar bis April 2026 Werke des in Duisburg lebenden Künstlers im Dialog mit den mittelalterlichen Beständen des StiftsMuseums. Die Gegenüberstellung historischer Sakralkunst und zeitgenössischer Skulptur stieß auf großes Interesse und eröffnete den Besucherinnen und Besuchern neue Perspektiven auf beide Werkgruppen.
Claudia Kienzle sieht in der Schenkung deshalb einen nachhaltigen Erfolg der Ausstellung: „Die Resonanz auf die Ausstellung hat gezeigt, wie bereichernd der Dialog zwischen unseren Sammlungsbeständen und den zeitgenössischen Arbeiten von Gil Shachar ist. Umso mehr freut es uns, dass dieser Dialog mit der Schenkung dauerhaft fortgesetzt werden kann. Das Werk ist nicht nur eine wertvolle Ergänzung unserer Sammlung, sondern zugleich eine bleibende Erinnerung an eine außergewöhnliche Ausstellung, die viele Menschen nachhaltig beeindruckt hat.“ Und der Künstler ergänzt: „Die Zeit im StiftsMuseum war für mich etwas Besonderes. Dass eines meiner Werke nun Teil der Sammlung wird, verstehe ich als Zeichen einer gewachsenen Verbindung. Ich freue mich sehr, dass eine meiner Arbeiten an diesem außergewöhnlichen Ort ein neues Zuhause gefunden hat.“