Sonsbeck lässt es wieder spuken
Nico Breitenstein und viele andere Sonsbecker verwandeln ihre Häuser in Halloween-Kulissen
SONSBECK. „Süßes, sonst gibt‘s Saures!“ – und in Sonsbeck darf es dabei ruhig ein bisschen mehr sein. Wenn am Samstagabend die kleinen Gespenster, Hexen und Monster durch die Straßen ziehen, wird es in so manchem Garten ziemlich unheimlich. Denn Halloween ist in Sonsbeck längst mehr als Kürbis auf der Fensterbank. Hier werden Häuser zu Gruselkulissen, Vorgärten zu Geisterbahnen und Hauseinfahrten zu kleinen Horror-Parcours. Nebel steigt auf, Skelette hängen herum, Hexen lauern im Dunkeln und irgendwo leuchtet garantiert etwas, das man bei Tageslicht lieber nicht so genau anschauen möchte.
Im Maisfeld lauern gruselige Gestalten. Foto: Nico Breitenstein

Die Halloween-Hexe kommt aus den USA. Foto: Nico Breitenstein
Auf Grusel-Tour durch Sonsbeck
Wer möglichst viele Halloween-Häuser sehen möchte, kann sich inzwischen sogar auf eine kleine Grusel-Rundreise durch Sonsbeck machen. Nico und einige Nachbarn haben im vergangenen Jahr erstmals eine Route zusammengestellt. Rund 3,3 Kilometer ist der Rundkurs lang. Los geht‘s am Neutorplatz. Von dort führt die Strecke über die Weseler Straße und die Gartenstraße weiter zum Grünen Weg und Taubenweg. Über Zur Licht, Langebend und Mühlenfeld geht es schließlich zurück zur Hochstraße. Eine Übersicht über die komplette Route gibt es online unter hobby-imkereibienchen.com/halloween-route-sonsbeck. Und die Liste ist längst nicht vollständig. „Es machen natürlich noch viel mehr Häuser mit“, weiß Nico. Wer also unterwegs nach rechts und links schaut, könnte durchaus noch die eine oder andere Überraschung entdecken. Ob ein Haus beim Halloween-Spaß mitmacht, ist meistens schnell zu erkennen. Wo Skelette im Vorgarten hängen, Nebel aus dem Gebüsch quillt oder die Hauseinfahrt verdächtig düster aussieht, ist die Wahrscheinlichkeit jedenfalls ziemlich hoch. Und manchmal steht einfach ein Körbchen mit Süßigkeiten vor der Tür. Auch das ist ein ziemlich eindeutiges Zeichen.
Bei Nico selbst dürfte am Samstag jedenfalls einiges los sein. Hunderte Tüten mit Süßigkeiten stehen bereit, Nicos Mutter kümmert sich um die Getränke. Ob der Vorrat reicht? Schwer zu sagen. 2024 kamen rund 350 Besucher, im vergangenen Jahr waren es bereits etwa 450. „Das spricht sich herum“, sagt Nico. Im vergangenen Jahr schaute sogar ein Kamerateam vorbei. „Da war auch das Fernsehen hier“, erzählt Nico nicht ganz ohne Stolz. Dabei geht es ihm nicht nur um seine eigene Gruselwelt. Er findet vor allem spannend, was sich die anderen Sonsbecker jedes Jahr einfallen lassen. Einen besonderen Tipp hat er schon parat: „Ein besonderer Höhepunkt dürfte der Gruseltunnel am Mehrfamilienhaus an der Hochstraße 116 sein.“
Wer am Abend also durch Sonsbeck zieht, sollte nicht nur auf die Süßigkeitenbeute achten. Ein Blick in die Vorgärten lohnt sich mindestens genauso. Denn zwischen Kürbissen, Skeletten und Hexen steckt jede Menge Kreativität. Halloween ist in Sonsbeck längst zu einer kleinen Gemeinschaftsaktion geworden. Nachbarn dekorieren gemeinsam, Kinder ziehen von Haus zu Haus und aus ganz normalen Vorgärten werden kleine Gruselwelten. Und wenn am Ende wieder ein paar Hundert Besucher durch die Straßen ziehen, dürfte eines sicher sein: Der Halloween-Spuk in Sonsbeck wird so schnell nicht verschwinden.
Warum eigentlich Halloween?
Dass am 31. Oktober überall Skelette herumhängen und Kinder „Süßes, sonst gibt‘s Saures!“ rufen, ist übrigens keine Erfindung der Süßwarenindustrie. Die Wurzeln von Halloween reichen weit zurück – bis zu den Kelten und ins fünfte Jahrhundert vor Christus. Als wichtiger Vorläufer gilt das keltische Erntefest „Samhain“. Es markierte das Ende des Sommers und den Beginn der dunklen Jahreszeit. Nach der Überlieferung glaubten die Kelten, dass an diesem Tag die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten besonders durchlässig sei. Die Verstorbenen konnten demnach zurückkehren und sich unter die Menschen mischen. Um sich vor den Geistern zu schützen, wurden Kerzen in ausgehöhlte Rüben gestellt, die Menschen verkleideten sich und zogen von Haus zu Haus. Klingt irgendwie vertraut. Jahrhunderte später wurde Allerheiligen auf den 1. November gelegt. Aus „Samhain“ entwickelte sich schließlich „All Hallows‘ Eve“ – der Abend vor Allerheiligen. Irische Auswanderer brachten die Tradition Anfang des 19. Jahrhunderts nach Nordamerika. Dort entwickelte sich daraus nach und nach das Halloween, das heute rund um den Globus gefeiert wird. Und in Sonsbeck hat man daraus inzwischen offenbar eine ganz eigene Tradition gemacht: mit Nebel, Monstern, Süßigkeiten – und einer gut geölten Kettensäge.
Nico Breitenstein arbeitet bereits fleißig an der diesjährigen Halloween-Deko. NN-Foto: vs