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Paul-Heinz Böhmer war von 2004 bis 2016 Kreisbrandmeister und hat in dieser Zeit viele Wappenteller an Jubilare verliehen. NN-Foto: HF
23. Januar 2026 · Heiner Frost · Niederrhein

Schutzengel für uns alle

Im vergangenen Jahr feierte der Kreisfeuerwehrverband sein 50-Jähriges

KREIS KLEVE. Paul-Heinz Böhmer sitzt in der Feuerwehrwache in Nütterden. Irgendwie ein Stück Zuhause, denn Böhmer war in seiner „aktiven Zeit“ nicht nur Leiter der Grundschule in Nütterden. Er war von 2004 bis 2016 Kreisbrandmeister und Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes.

„Der Verband wurde am 1. Januar 1975 gegründet. Damals wurde aus den Kreisen Geldern und Rees der Kreis Kleve und mit dieser Neugründung fiel dann auch die Neuorganisation des Verbandes zusammen“, blickt Böhmer zurück und ergänzt: „Vor der kommunalen Gebietsreform gab es in den Alt-Kreisen eigenständige Kreisfeuerwehrverbände. Alle Verantwortlichen waren bereits im Vorfeld 1974 einstimmig der Auffassung, die bestehenden Verbände aufzulösen und einen gemeinsamen Kreisfeuerwehrverband Kleve e.V. (KFV) zu bilden. Erster Vorsitzender und Kreisbrandmeister (KBM) wurde der bisherige Vorsitzende des ehemaligen Kreisfeuerwehrverbandes Geldern, Matthias Schwartges.“

Im vergangenen Jahr feierte der KFV sein 50-jähriges Bestehen. Natürlich: Die Geschichte spielt eine Rolle, aber für Böhmer, der mittlerweile der sogenannten „Ehrenabteilung“ angehört, ist etwas anderes wichtig: „Vielen Menschen ist die enorme Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehr nicht bewusst. Die denken: Wenn‘s brennt, dann kommen die.“ Der Gedanke ist richtig, aber wer macht sich schon Gedanken um das „Dahinter“. Wieder einmal gilt: Das Selbstverständliche wird schnell unsichtbar oder zumindest unterschätzt. Dass der KFV im Kreis Kleve ausnahmslos aus Ehrenamtlichen besteht, die ihre Tätigkeit also zusätzlich zu ihren jeweiligen Berufen ausüben, mache man sich – so Böhmer – viel zu selten klar. „Stellen Sie sich einfach vor, es gäbe die Freiwilligen nicht.“ Nicht auszudenken.

Ein paar Circa-Zahlen. Der Kreisfeuerwehrverband Kleve vertritt in 84 Ortsfeuerwehren rund 4.300 Mitglieder, davon circa 2.800 aktive Mitglieder, circa 800 Angehörige der Ehrenabteilung, circa 470 Mitglieder der Jugendfeuerwehr, circa 200 musizierende Mitglieder und circa 60 in der sogenannten Unterstützungsabteilung.“ Was ist die Ehrenabteilung? Böhmer: „Spätestens mit 67 ist für Feuerwehrleute Schluss. Die wechseln dann in die Ehrenabteilung. Manche auch in die Unterstützungsgruppe. Da sind dann Leute unterwegs, die nicht mehr auf Einsätze fahren, aber sich beispielsweise um Dinge im Hintergrund kümmern.“ Mit frühestens 60 Jahren können Feuerwehrleute in die Ehrenabteilung wechseln.

84 Ortsfeuerwehren allein im Kreis Kleve – das scheint viel. Es habe, so Böhmer, immer wieder Bestrebungen seitens der Politik gegeben, die Feuerwachen kleinerer Ortschaften zusammenzulegen. „Ich halte das für keine gute Idee. In vielen kleinen Ortsteilen gibt es keine Kirche mehr, keinen Pastor vor Ort und kaum Vereinsleben – aber es gibt überall eine Freiwillige Feuerwehr. Da geht es ja nicht nur um die Sicherheit – es geht auch um soziale Netze.“

Gibt es denn eigentlich ein Gefälle angesichts eines Vergleichs zwischen Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr? Böhmer sieht das nicht. „Seit 1977 organisiert der Kreisfeuerwehrverband den jährlichen Leistungsnachweis der Feuerwehren, an dem auch Einheiten aus dem Kreis Viersen und den Niederlanden teilnehmen. Der Leistungsstand der Freiwilligen ist auf einem sehr, sehr hohen Niveau.“ Auch ein Austausch mit den niederländischen Wehren findet statt. Böhmer: „Gerade die Zusammenarbeit mit den benachbarten Niederlanden war und ist ein Schwerpunkt der Verbandsarbeit. So finden jährlich Treffen der Führungskräfte aus den Kreisen Kleve und Viersen sowie den Niederlanden statt. Einheiten aus dem Kreis Kleve nehmen jährlich an den internationalen Feuerwehrwettkämpfen in den Niederlanden teil. Auch grenzüberschreitende Symposien fanden an der Fachhochschule in Bocholt mit Unterstützung des Kreisfeuerwehrverbandes Kleve statt. Ein wichtiges Anliegen des Kreisfeuerwehrverbandes war der Aufbau der sogenannten Feuerwehr- und Notfallseelsorge. Der Verband war seit der Gründung an der Fort- und Weiterbildung der Feuerwehrangehörigen insbesondere durch die Gewinnung von Kreisausbildern maßgeblich beteiligt.“Wenn Böhmer davon spricht, dass im Kreis Kleve ausnahmslos freiwillige, sprich: ehrenamtliche Feuerwehrleute im Einsatz sind, gilt das nur noch bis zum 1. April. Wenn dann nämlich der derzeitige Kreisbrandmeister ausscheidet, wird es an der Spitze erstmals einen Hauptamtlichen geben. Dann wird auch die Doppelfunktion von Kreisbrandmeister und Kreisverbandsvorsitz entkoppelt. Oberster Feuerwehrmann im Kreis wird dann der Berufsfeuerwehrmann André Jansen werden, der von Moers nach Emmerich wechselt. Über den Vorsitz im Kreisverband wird erst im Sommer entschieden.

Zahlen über das Verhältnis von weiblichen und männlichen Feuerwehrleuten hat Böhmer nicht.

Übrigens: Als Wertschätzung für besondere Verdienste oder für Jubiläen wurde Mitte der 80-er Jahre ein eigener Wappenteller des Verbandes mit allen 16 Wappen der Städte und Gemeinden des Kreises Kleve sowie dem Kreiswappen mit dem heiligen Florian in der Mitte geschaffen.

Böhmer: „Wenn mir etwas besonders wichtig ist, dann ist es die Tatsache, dass in der Freiwilligen Feuerwehr Menschen bereit sind, im Extremfall die eigene Gesundheit in den Dienst der Sicherheit anderer Menschen zu stellen.“ Dass der Kreis Kleve in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten gänzlich ohne eine Berufswehr auskommen wird, hält Böhmer – zumindest in Bezug auf die großen Städte – für fraglich. Die Zahl der Einsätze seit in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. „Allein in Emmerich gab es im vergangenen Jahr über 300 Einsätze. Natürlich sind viele im eher kleineren Bereich anzusiedeln, aber im Bereich der Emmericher Feuerwehr gibt es mehr und mehr Industrie, es gibt die Autobahn und den Rhein.“ Die nächste Berufsfeuerwehr gibt es übrigens in Moers.

Paul-Heinz Böhmer war von 2004 bis 2016 Kreisbrandmeister und hat in dieser Zeit viele Wappenteller an Jubilare verliehen. NN-Foto: HF

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