Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.OKWeitere InformationenCookies Auflistung
Rohrweihen sind etwa bussardgroße Greifvögel, die in NRW auf der Roten Liste der Brutvögel als „gefährdet“ eingestuft sind. Foto: Naturschutzzentrum im Kreis Kleve
7. Juli 2025 Von NN-Online · Rees

Röhricht erholt sich und die Bewohner kehren zurück

Seit 2018 gibt es das EU-LIFE-Projekt „Lebendige Röhrichte“

KREIS KLEVE. Seit 2018 führt das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve das EU-LIFE-Projekt „Lebendige Röhrichte“ durch. Ziel ist die Erholung der Röhrichtbestände am Bienener Altrhein und Millinger Meer. Röhricht ist ein typischer Pflanzenbestand der Gewässerränder. Dazu gehören eher unbekannte Arten wie der Große Wasserschwaden oder das Rohrglanzgras, aber auch bekannte Arten wie das Schilfohr oder der Rohrkolben. Bis heute konnten zehn Hektar Röhricht zurückgewonnen werden. Eine tolle Entwicklung. Dies macht sich mittlerweile auch bei den Röhrichtbewohnenden Vogelarten bemerkbar.

In der aktuellen Brutsaison kann ein schöner Erfolg beobachtet werden. Gleich zwei Paare von Rohrweihen brüten am Bienener Altrhein. Rohrweihen sind etwa bussardgroße Greifvögel, die in NRW auf der Roten Liste der Brutvögel als „gefährdet“ eingestuft sind. Sie sind eine Charakterart der ausgedehnten Röhrichtgürtel an Gewässern, welche sie nun auch am Bienener Altrhein wieder vorfinden. Mit Hilfe einer Drohne konnten die Nester gefunden und bestätigt werden. Hierzu sei angemerkt, dass das Fliegen im Naturschutzgebiet grundsätzlich verboten ist und daher eine Genehmigung benötigt wird. Das Fliegen erfolgt nur aus Naturschutzgründen und mit Umsicht. Die Bestätigung der Nester und deren Lokalisierung hilft dem Naturschutzzentrum, die Vögel bestmöglichst zu schützen. Es zeigte sich, dass die Rohrweihen in Bereichen brüten, an denen bis vor wenigen Jahren gar kein Schilf mehr wuchs. „Das ist ein schönes Zeichen dafür, dass durch das LIFE-Projekt nicht nur die Pflanzen zurück an den Altrhein kommen, sondern auch die Funktion als Lebensraum für weitere Arten wieder hergestellt werden kann“, sagt Martin Brühne, Biologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Naturschutzzentrums.

Insgesamt ist die Entwicklung der Vogelarten, die im Röhricht brüten, am Bienener Altrhein positiv. So ist beispielsweise der Bestand des schönen Blaukehlchens in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Neben der Rohrweihe gab es auch weitere Neu- beziehungsweise Wiederbesiedlungen. In der Saison 2019 wurde erstmals nach 2000 wieder ein Schilfrohrsänger am Altrhein festgestellt. Mittlerweile sind es über zehn Paare. In der aktuellen Brutsaison wurde zudem als neue Brutvogelart der Rohrschwirl festgestellt. Diese Vogelart gilt als selten in NRW.

Hintergrund des Projektes war der zwischen 2000 bis 2018 beobachtete starke Rückgang des Röhrichts am Bienener Altrhein. Als Hauptgrund dafür konnte der massive Fraß durch Nutrias ausgemacht werden. Die Nutria wurde durch den Menschen aus Südamerika eingeschleppt und gilt bei uns als invasiv, das heißt sie verdrängt heimische Arten. Am Bienener Altrhein fraß sie mit Vorliebe die Vegetationskegel der Röhrichtpflanzen, wodurch diese nicht mehr neu austreiben konnten. Da sich die Nutria zudem rasant vermehrt, schädigte sie die Pflanzen und den Lebensraum nachhaltig. Hinzu kamen weitere Faktoren, die dem Röhricht zusetzten. Im LIFE-Projekt wurden verschiedene Maßnahmen durchgeführt, dazu gehört die Entfernung der Nutria aus dem Gebiet wie auch die Initialpflanzungen verschiedener Röhrichtarten, um eine Ausbreitung der Röhrichte zu fördern.

Das Life-Projekt „Lebendige Röhrichte“ läuft noch bis Ende 2026. Es wird aus Mitteln des Life-Programms der Europäischen Union, des Ministeriums für Umwelt, Natur- und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, des Kreises Kleve, des Deichverbandes Bislich-Landesgrenze, der Stöckmann-Stiftung und der HIT-Stiftung finanziert.

Rohrweihen sind etwa bussardgroße Greifvögel, die in NRW auf der Roten Liste der Brutvögel als „gefährdet“ eingestuft sind. Foto: Naturschutzzentrum im Kreis Kleve

Prospekte