Rees: Thementag gegen „Hochwasser-Demenz“
Deichverband Bislich-Landesgrenze lädt am 30. Januar ins Bürgerhaus
REES/EMMERICH. Hochwasser und Starkregen bestimmen mittlerweile ganzjährig die Schlagzeilen, und dennoch hat der hiesige Rhein-Pegel dabei kaum eine Rolle gespielt. Am 31. Januar 1995 erreichte der Rhein-Pegel Rees mit 10,56 Meter letztmalig seinen Höchststand. Dieses Ereignis ist mittlerweile 30 Jahre her, und somit kennt eine ganze Generation hier in unserer Region kein hohes Rhein-Hochwasser mehr. Dieser „Hochwasser-Demenz“ vorzubeugen, ist Ziel des gleichnamigen Thementages des Deichverbandes Bislich-Landesgrenze am Donnerstag, 30. Januar, 14 bis 21 Uhr, im Bürgerhaus in Rees.
Am Rhein zu leben heißt, auch mit dem Rhein zu leben. Auch Hochwassergefahren zu kennen, gehört dazu. In der Bevölkerung und in den zuständigen Behörden gelingt es nur noch durch permanente Aufklärung, auf diese latente Gefahr hinzuweisen. Noch immer sind nicht alle sanierungsbedürftigen Deichabschnitte saniert. „Aber auch nach Sanierung aller Deichabschnitte gibt es keinen 100-prozentigen Hochwasserschutz“, wie der Deichverband betont. „Diese Tatsache muss mit Aufklärung und dem Hinweis zur notwendigen Eigenvorsorge mehr öffentliche Wahrnehmung erfahren.“
Der Deichverband Bislich-Landesgrenze möchte daher mit dieser öffentlichen Veranstaltung auf die Gefahren und die lebenswichtige Aufgabe in der Region im Rahmen eines Thementages in Rees hinweisen. „Die Menschen in unserer Region konnten im letzten Jahr erfahren, wie ergiebige Niederschläge und hohe Grundwasserstände unmittelbar auf Keller, Gebäude oder landwirtschaftliche Flächen einwirkten, ohne dass parallel ein nennenswertes Rhein-Hochwasser ablief“, teilt der Landesverband mit. „Es darf in der Öffentlichkeit nicht der Irrglaube verbleiben, dass wir Menschen allen Naturgewalten und Standortnachteilen entgegentreten können. Wir müssen gemeinsam die Risiken kennen und bewerten. Nur so gelingt es vielleicht, die Aufmerksamkeit nach extremen Ereignissen und den Ruf nach Verantwortlichen und fehlenden Konzepten in eine noch zielführendere wasserwirtschaftliche Politik zu lenken.“
Um auch der Öffentlichkeit Praxisbeispiele für den eigenen Objektschutz geben zu können, hat der Verband das Hochwasser Kompetenz Centrum (HKC) mit ihrem Info-Mobil aus Köln gebucht, das über die Eigenvorsorge im Privatbereich gegen Starkregen und Überflutung informiert. Zudem umfasst der Thementag verschiedene Vorträge, etwa von Deichgräf Harry Schulz, Holger Friedrich, Geschäftsführer des Deichverbandes Bislich-Landesgrenze, und Jürgen Baetzen, Leiter Krisenstab Kreis Kleve, und NRW-Umweltminister Oliver Krischer. Mit dem Vortrag „Zieht euch warm an, es wird heiß!“ von Sven Plöger, Diplom-Meteorologe und TV-Moderator, endet der Thementag. Der Eintritt ist frei.
Das Hochwasserbewusstsein ist vielseitig. Es reicht von Hochwasserschutz an Flüssen, Naturgewalten, Grund-Hochwasser, Standortnachteilen bis zur Eigenvorsorge. „Hohe Grundwasserstände sind in unserer Region bei langanhaltenden Hochwässern eine normale Begleiterscheinung und weitaus nicht die dominierende Gefahr“, teilt der Deichverband weiter mit. Hochwasserabflüsse im Rhein – wie 1995 – würden bei nicht funktionierendem Hochwasserschutz weitaus gravierendere Ausmaße haben. „Dann stünde in unserer Region meterhoch das Wasser in den Gebäuden und auf den Flächen – auch dürfen wir nicht verschweigen, dass Tote zu beklagen wären.“
Sven Plöger spricht über „Zieht euch warm an, es wird heiß!“. Foto: Pino Petrillo