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Eine „sehr persönliche Geschichte“ ist der Verkauf von Brautmode für Renate Overfeld stets gewesen, verbunden mit vielen Geschichten und vielen Emotionen. Foto: privat
12. Februar 2026 · Michael Bühs · Rees

Rees: Abschied einer Institution der Brautmode

Braut- und Abendmoden Renate Overfeld schließt nach 42 Jahren

ESSERDEN. Nach mehr als vier Jahrzehnten am Puls der Braut- und Abendmodenszene, voller Emotionen, besonderer Momente und persönlicher Nähe schließt Braut- und Abendmoden Renate Overfeld in Rees-Esserden seine Türen. Aus Altersgründen beendet Inhaberin Renate Overfeld ihre berufliche Laufbahn und verabschiedet sich von einer Branche, die sie seit 1984 entscheidend mitgeprägt hat.

Begonnen hat alles im eigenen Haus – zunächst mit dem Verleih festlicher Kleider für Damen, später auch von festlicher Kleidung für Herren, wie Smoking und klassischer Cut. „Schließlich bin ich mit Brautkleidern in den Verkauf gegangen“, erzählt Overfeld. Aus dies geschah weiterhin zuhause, aus dem Wunsch heraus, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Als Mutter von zwei Töchtern schuf Renate Overfeld früh ein Geschäftsmodell, das unternehmerischen Mut, Organisationstalent und familiäre Verantwortung miteinander verband. Aus diesen Anfängen entwickelte sich Schritt für Schritt eine feste Größe der regionalen und später überregionalen Festmodenszene. Zwischenzeitlich eröffnete Overfeld auch eine Filiale im Reeser Gewerbegebiet, die von Mitarbeiterinnen betreut wurde. „Die Kunden waren es aber gewohnt, zu mir nach Hause zu kommen und mich dort anzutreffen“, sagt sie – weshalb sie sich nach sechs Jahren wieder auf das „Kerngeschäft“ fokussierte. „Das private Umfeld bedeute anfangs für manche Kunden eine große Hemmschwelle“, erinnert sich Overfeld, „das hat sich aber schnell gelegt.“

Über die Jahre wurde das Geschäft in Esserden zu einer echten Institution. Bräute aus dem gesamten Niederrhein und weit darüber hinaus fanden hier nicht nur ihr Kleid, sondern vor allem Vertrauen, ehrliche Beratung und ein feines Gespür für Stil und Persönlichkeit. Mütter, die einst ihr Brautkleid bei Renate Overfeld und ihrem Team gekauft hatten, kamen oft mit ihren Töchtern und Schwiegertöchtern zurück. Es gab in der Region fast kein Schützenfest ohne ein Kleid von Renate Overfeld. Zu vielen Kunden entstand eine lange, vertrauensvolle, oft auch persönliche Bindung. Einen besonderen Ruf genossen die Modenschauen zum Beispiel auf der Wasserburg Anholt und Burg Boetzelaer, die weit über die Region hinaus Beachtung fanden und für viele Kundinnen unvergessliche Erlebnisse waren.

„Der Verkauf von Mode für den ‚schönsten Tag im Leben‘ ist immer mehr als nur der reine Verkauf – es ist auch eine sehr persönliche Geschichte“, sagt Renate Overfeld rückblickend. „Dass ich so viele Menschen – insbesondere Bräute wie Bräutigame, Brautmütter und Throndamen – auf ihrem Weg begleiten durfte, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.“

Es versteht sich, dass über einen Zeitraum von mehr als vier Jahrzehnten unzählige Geschichten und Erinnerungen zusammengekommen sind. Von der zunächst an einem Veilchendienstag abgesagten Hochzeit, die einige Monate später dann doch noch mit einem glücklichen Ende stattfand, über den Bräutigam, der nach einem Sturz von der Leiter mit beiden Armen in Gips vor dem Altar stand, bis zu Last-Minute-Hochzeit rund um das Mittelalter-Fest in Xanten, bei der das Paar nur eine Stunde vor der Trauung in Mittelalter-Gewändern bei Renate Overfeld im Geschäft eintraf. „Es gibt so viele Geschichten, die mit so vielen Emotionen verbunden sind“, sagt die heute 78-Jährige.

Ein wichtiger Bestandteil dieses Erfolges waren auch die langjährigen Mitarbeiterinnen, denen Renate Overfeld ausdrücklich dankt. „Sie hatten stets ein außergewöhnlich gutes Gespür für das individuell passende Outfit und haben unsere Kundinnen mit viel Empathie und Fachwissen begleitet“, betont sie.

Zum Abschied bedankt sich Renate Overfeld auch bei ihren Kundinnen, langjährigen Partnern, ihrer Familie – die immer mit eingebunden war – und allen Wegbegleitern für 42 Jahre Vertrauen, Treue und persönliche Begegnungen.

Als emotionaler Höhepunkt und zugleich Schlusspunkt findet am Rosenmontag, 16. Februar, ein großer Ausverkaufstag statt. Endgültig schließen die Türen dann aber am 28. Februar. Mit der Schließung endet nicht nur ein Geschäft – es endet ein bedeutendes Kapitel regionaler Mode- und Hochzeitshistorie. „Aus eigenem Antrieb heraus wäre es vielleicht nie passiert“, gesteht Overfeld. „Meine Töchter haben zu mir gesagt: Es ist auch mal gut.“ Rückblickend sei es die richtige Entscheidung gewesen, denn „manches fällt inzwischen doch schwerer“, sagt sie mit einem Augenzwinkern, weiß aber auch: „Es wird nicht leicht, wenn ich die Tür zum letzten Mal schließe.“

Eine „sehr persönliche Geschichte“ ist der Verkauf von Brautmode für Renate Overfeld stets gewesen, verbunden mit vielen Geschichten und vielen Emotionen. Foto: privat

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