Pfalzdorfer Landfrauen besuchen das Niederrheinische Museum Kevelaer: Ein Blick in die Vergangenheit
Pfalzdorfer Landfrauen besuchen das Niederrheinische Museum Kevelaer
PFALZDORF. Bei den Pfalzdorfer Landfrauen hieß es mal wieder: „Treffen um 10 Uhr am Insektenhotel an der Kirche zur diesjährigen Radtour“. Da das Wetter nach den vorhergegangenen heißen Tagen merklich abgekühlt war und ein paar Wolken am Himmel waren, hatten die meisten Teilnehmerinnen Regenkleidung mitgebracht.
Aber es sollte nur auf der Hinfahrt nach Kevelaer einen kurzen, leichten Nieselregen geben. Ansonsten herrschte ideales „Fahrradwetter“ bei 20 bis 23 Grad. Zunächst ging es nach Weeze. Auf für Radfahrerinnen sehr gut geeigneten Wegen fuhren die Landfrauen Richtung Keylaer, einem Ortsteil von Kevelaer, und kamen dabei an der vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammenden Hubertuskapelle vorbei. Die Gruppe erreichte um ca. 11:30 Uhr Pastors Höffken in Kevelaer, wo die Fahrräder abgestellt wurden. Die Teilnehmerinnen hatten nun zwei Stunden Zeit, um in Kevelaer zu bummeln, einen Imbiss oder Kaffee und Kuchen – vielleicht auch beides – zu sich zu nehmen, etwas zu besichtigen oder das Kaufangebot von Kevelaer zu nutzen.
Danach trafen sich alle Radfahrerinnen und noch zwei weitere Landfrauen, die mit dem Auto gekommen waren, am Eingang des Niederrheinischen Museums Kevelaer e.V., einem der größten Museen am Niederrhein. Eine Kunsthistorikerin führte die Gruppe durch die Räume. Zuerst gab es einen Einblick in das Leben und Wohnen vor etwa 100 bis 150 Jahren. Ein Tante-Emma-Laden und eine Küche wurden gezeigt und dabei anschaulich erklärt, wie sich das Leben dort abspielte. Ein alter Ofen mit drei Kochmöglichkeiten und Küchengeräte wurden vorgestellt.
In früherer Zeit war die Küche oft der einzige beheizte Raum, wo nicht nur gekocht und gegessen wurde. Dort fand ein Großteil des täglichen Lebens statt. Abends saß man in der warmen Küche beisammen und spielte Karten oder beschäftigte sich mit Handarbeiten wie Stricken und Häkeln sowie dem Reparieren von Kleidungsstücken. Für den Informationsaustausch wurde der Tante-Emma-Laden genutzt, der neben dem Verkauf von Waren des täglichen Bedarfs auch über einen Ausschanklizenz verfügte.
Ein besonderes Augenmerk wird im Museum auf das Handwerk und das Kunsthandwerk gelegt. Es sind mehrere ehemalige Werkstätten aufgebaut, wie zum Beispiel die eines Küfers, eines Schusters oder Schmieds. Nicht zu vergessen sind das Handwerk des Goldschmieds oder auch das des Glasmalers. Dazu ist zu bemerken, dass sich in Kevelaer Künstler einfanden. So wurden Ende des 19. Jahrhunderts die Beichtkapelle, die Gnadenkapelle und die Marienbasilika durch den Künstler Friedrich Stummel, der sich in Kevelaer niederlies, ausgemalt. Anschließend erfolgte eine Erklärung zu den oft als niederrheinische Irdenware bezeichneten Keramikproduckten, die häufig eine bildliche Darstellung von religiösen Motiven und Alltagsszenen wiedergeben. Die roten Tonteller und -gegenstände sind oft mit den Farben Braun, Gelb und Grüne versehen.
Als nächster Punkt wurde der älteste Teil des Museums angesteuert, nämlich das zur Hauptstraße hin gelegene Risbroeksche Haus, in dessen Erdgeschoss einige Räume die gutbürgerliche Wohnkultur des Biedermeiers veranschaulichen.
Es folgte ein Abstecher zu den Gemälden aus der Sammlung Dr. Georg und Eva Ratermann, die u.a. auch Werke von bekannten Künstlern wie Max Slevogt zeigt.
Zum Abschluss ging es in die Spielzeugsammlung und in ein altes Klassenzimmer, wo sich viele an längst vergangene Zeiten ihres eigenen Lebens erinnern konnten. Im Klassenzimmer nahmen sie in den Bänken Platz und schauten sich alte Schiefertafeln, Lesebücher, Wandtafeln und Wandkarten an.
Der Besuch des Museums war für die Teilnehmerinnen eine schöne Abwechselung vom Alltag. Einige werden vielleicht nicht das letzte Mal dagewesen sein. Nach einem Abschiedskaffee in der im Eingangsbereich des Museums befindlichen alten Gaststätte wurde die Heimfahrt angetreten.