Neue Eigentümer für das World House in Wetten
Trotz Erfolgen keine finanzielle Absicherung: Thera van Osch verkauft an Park Residenz Wittenberg
WETTEN. Seit 2013 hat das frühere Kloster der Dominikanerinnen am Vellarsweg 2 in Wetten als Gäste- und Tagungshaus gedient. Nun hat Geschäftsführerin Thera van Osch das World House verkauft: Park Residenz aus Lutherstadt Wittenberg verwandelt es in ein „Green College“.
Einen Ort schaffen, an dem eine Wirtschaft gelebt wird, die auf Werten wie Fürsorge, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft basiert. Das war Thera van Oschs Traum, als sie 2011 nach Wetten kam, wie sie nun – nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags – auf einer öffentlichen Begegnungsveranstaltung erzählte.
Herausforderungen habe es schon zu Beginn gegeben, darunter eine langwierige Genehmigungsphase und aufwändige Renovierungen. Doch seien es Hürden gewesen, die sie mit Unterstützung von vielen Seiten habe überwinden können.
Das ermöglichte es ihr, ihren Traum in den kommenden Jahren Schritt für Schritt umzusetzen und das World House zu einem Platz für Begegnung, Austausch und gemeinsames Lernen zu machen. Die Liste der Errungenschaften ist lang: zahlreiche Ausstellungen von unterschiedlichsten deutschen und internationalen Künstlern – auch, aber nicht nur im Rahmen der jährlichen Landpartie –, jährliche Apfeltage mit freiwilligen Helfern aus aller Welt, eine gemeinschaftlich von vielen Akteuren angelegte und prämierte Streuobstwiese, neue Vogelhäuser und ihre Pflege durch den Nabu Kevelaer, der Gemüse-Erlebnis-Garten und die dazugehörigen Kurse des Kneipp-Vereins, Tanzkurse des Kevelaerer Tanzensembles oder auch die Aktion „Mehr Bäume jetzt“.
Ihr Blick zurück ist geprägt von einer „wunderschönen“ Zeit: „Es war ein offenes Haus und ein offener Garten für alle, die sich engagieren wollten mit einer Fürsorgewirtschaft auf lokaler Ebene“, sagte van Osch in ihrer Rede. Sie ist sich sicher: „Wir haben sozialen, kulturellen und ökologischen Reichtum geschaffen.“
Dennoch bleibe am Ende eine „harte Wahrheit“, sagte sie. „Es war nicht möglich, das World House finanziell zu sichern und die bestehenden Schulden abzubauen.“ Damit blieb ihr nur der der Verkauf – für Thera van Osch keine leichte Entscheidung: „Manchmal fühlt es sich an, als hätte ich diesen Kampf verloren.“ Trotzdem ist sie sich sicher, dass „jede Begegnung, jedes gestärkte Selbstvertrauen, jede künstlerische Arbeit und jede Biene, die hier einen Lebensraum gefunden hat, einen Wert hat, den kein wirtschaftliches Sytem messen kann.“
Die Zukunft des World House
Trotz aller Wehmut gibt es gute Nachrichten: Für die erwähnten Akteure und Vereine vor Ort, die am World House ihre Projekte und Angebote durchführen, soll sich nichts ändern. „Es bleibt so, wie es war“, sagt Marion van Gog, die das Unternehmen Park Residenz gemeinsam mit ihrem langjährigen Berater Wichard Schrieks gegründet hat. Beide kommen eigentlich aus den Niederlanden: Hier baut van Gog auf 70 Hektar verschiedenstes Gemüse an. In der Lutherstadt Wittenberg sind beide seit 2014 mit Gewächshäusern im Anbau tätig.
Auf Wetten aufmerksam geworden sind van Gog und Schrieks durch van Oschs Bemühungen, geeignete Käufer zu finden. Die Vorteile würden schon beim bloßen Anblick sichtbar, sagt van Gog: „Die Ruhe, die Natur: Es passt einfach!“ Mit dem geplanten „Green College“ möchte man nun nämlich den nächsten Schritt gehen: Hier sollen die Mitarbeiter für die Arbeit in den Gewächshäusern sowohl geschult als auch untergebracht werden. „Wir versuchen, unsere Anlagen so nachhaltig wie möglich zu gestalten“, erläutert Schrieks. Ihre Philosophie und das erklärte Ziel: keine Chemie im Anbau. Am neuen Standort soll es bereits in etwa zwei Monaten losgehen.
Einziger Wermutstropfen des neuen Konzepts: Als Hotel wird es im World House zukünftig keine Angebote mehr für auswärtige Gäste geben. Die derzeitigen Bewohner mit längerem Aufenthalt bekommen aber noch Zeit, sich anderweitig umzuschauen.
Die Nachnutzung durch die neuen Eigentümer ist auch im Sinne der Vorbesitzerin, die ihren Traum daher in guten Händen weiß. Sie dankte nun noch einmal allen Helfern der letzten Jahre „für Ihre Unterstützung, Ihre Offenheit, Freundschaft und dafür, dass Sie auf diesem Weg ein Stück mitgegangen sind.“
Schlagen ein neues Kapitel für das World House in Wetten auf: (v.l.) Wichard Schrieks, Thera van Osch und Marion van Gog. NN-Foto: Thomas Langer