Neue Ausstellung im DreiGiebelHaus in Xanten: Dialog in Abstraktion
Ausstellung „AugenHöhe“ wird morgen im DreiGiebelHaus in Xanten eröffnet
XANTEN. Die „Begegnung auf Augenhöhe“, verstanden als respektvoller und offener Dialog, steht im Mittelpunkt der Ausstellung „AugenHöhe“ des Künstlerehepaars Magdalena Morosini und Marco Morosin. Ihre Werke, die ab Sonntag, 22. Februar, in der Galerie im DreiGiebelHaus in Xanten zu sehen sind, wirken auf den ersten Blick ähnlich und entfalten bei näherer Betrachtung doch eine eigenständige künstlerische Handschrift. Beide Künstler arbeiten konsequent mit abstrakten Ausdrucksformen – sowohl in der Grafik als auch in der Skulptur.
„Kunst ist Begegnung – mit Materialien, mit Formen, mit Gedanken, mit sich selbst. In diesem Spannungsfeld bewegt sich das Werk des Künstlerpaares Morosin:i, das in seiner schöpferischen Partnerschaft nicht nur den Dialog zwischen zwei Persönlichkeiten, sondern auch zwischen den Ausdrucksformen Grafik und Skulptur kultiviert“, erläutert das Künstlerehepaar in einem Begleitkatalog zur Ausstellung im Xantener DreiGiebelHaus, die sie zum großen Teil auch extra für die Domstadt angefertigt haben. „Ein großer Bestandteil meiner Werke ist die heilige Helena. Sie soll ja den Xantener Dom gegründet haben“, sagt Magdalena Morosini, die 1988 aus dem polnischen Krakau zu ihren Eltern nach Xanten zog und fortan die Marienschule in Xanten besuchte. Nach dem Abitur am Stiftsgymnasium zog es sie für ihr Kunst-Studium jedoch unter anderem nach Düsseldorf und Essen. Im vergangenen Jahr war sie zum ersten Mal wieder in Xanten zu Gast, da sie gemeinsam mit ihrem Mann ein Teil der Kunstausstellung der Duisburger Sezession in der Galerie im DreiGiebelHaus in Xanten war. „Zuvor war ich bestimmt 15 Jahre nicht mehr in Xanten“, sagt Morosini, die gemeinsam mit ihrem Mann in Duisburg lebt.
Michael Blaszczyk vom Verein Stadtkultur Xanten fragte die beiden schließlich, ob sie in der Galerie im DreiGiebelHaus in Xanten auch eine Einzelausstellung zeigen wollen. Das war natürlich vor allem für Magdalena Morosini eine Herzensangelegenheit, für die sie sich die heilige Helena als zentrales Element aussuchte. Sie hat sie nicht nur in abstrakten Gemälden, sondern auch in einer Skulptur verewigt. Die Skulptur „Ichthys“, was der griechische Begriff für Fisch ist, verbindet dabei drei Materialien zu einem stillen Bild des „Ichthys“ und der heiligen Helena. „Der grobe Holzblock bildet das irdische Fundament: Er erinnert an das Kreuzholz, das Helena der Überlieferung nach in Jerusalem wiederentdeckt haben soll, und trägt die ganze Komposition wie ein Stück Welt, in das der Glaube eingelassen ist. Der weiß polierte Marmor darüber wirkt wie ein aufgebrochener Stein, zugleich Schiffsrumpf und Grab, aus dem Neues hervorbricht - ein Hinweis auf die Auferstehung Christi, die Helena durch die Auffindung des Kreuzes sichtbar machen wollte. Die unregelmäßige Bruchkante lässt den Stein verwundbar erscheinen und stellt so die Verletzlichkeit der ersten Christen in einer Zeit der Verfolgung dar. Aus dem Marmor wächst der geglühte Eisendraht, zu einem stilisierten Fisch gebogen, dessen beide Enden im Stein verankert sind“, beschreibt Morosini, die sich selbst als sehr gläubig beschreibt. Deshalb habe der „Ichthys“ als eines der ältesten Geheimzeichen der Christen – in seinen griechischen Buchstaben verberge sich das Bekenntnis „Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter“ – für sie auch ebenso wie die heilige Helena eine große Bedeutung.
Der schwebende Schwung des Drahtes lasse in ihrer Skulptur den Fisch wie eine Zeichnung in der Luft erscheinen, „als würde das unscheinbare Zeichen, das früher nur in Katakomben und an versteckten Türen zu finden war, aus dem Untergrund an die Oberfläche treten“. Im Zusammenspiel von schwerem Stein und leichtem, glühend verformten Eisen spiegele sich Helenas Weg wider: von der höfischen Macht an der Seite Konstantins hin zur Pilgerin, die in den Tiefen Jerusalems nach den Spuren des Gekreuzigten sucht. „Der fest im Marmor verankerte Fisch verweist darauf, dass das Bekenntnis zu Christus nicht mehr heimlich in den Sand gezeichnet werden muss, sondern dauerhaft in die Geschichte eingeschrieben ist. Zugleich bleibt der Draht dünn und verletzbar, als Erinnerung daran, dass Glaube immer auch Risiko und persönliche Entscheidung bleibt – damals in den Katakomben wie heute“, erläutert Morosini.
Auch ihr Mann Marco Morosin – übrigens gelernter Steinmetz – hat für seine Skulpturen Steine und Drähte genommen. „Die Drähte sollen für mich Bleistiftstriche in der Luft darstellen, die aus jeder Blickrichtung anders wirken“, sagt Morosin. Aufgrund seines beruflichen Hintergrunds fallen seine Objekte auch deutlich größer aus als die seiner Frau. Auch Morosin hat aber Bilder gemalt, die vor allem in gedeckten Farben daherkommen. „Meine Frau malt bunter. Durch sie sind aber auch meine Werke in den vergangenen Jahren bunter geworden“, sagt Morosin. Das Ehepaar hat sich übrigens 2020 bei der Duisburger Sezession – also durch die Kunst – kennengelernt und 2022 geheiratet. „Wir ergänzen uns gut“, betonen beide – und das nicht nur in ihrer Partnerschaft, sondern auch künstlerisch: „Mein Mann malt morgens direkt nach dem Aufstehen, ich male abends. Ich brauche abends die Ruhe“, verrät Morosini.
Die Ausstellung „AugenHöhe“ des Künstlerehepaars Magdalena Morosini und Marco Morosin wird am Sonntag, 22. Februar, in der Zeit von 12 bis 14 Uhr in der Galerie im DreiGiebelHaus in Xanten eröffnet. Zur Begrüßung wird auch Xantens Bürgermeister Rafael Zur ein Grußwort halten. Die Einführung übernimmt Thomas Krützberg, ehemaliger Kulturdezernent der Stadt Duisburg. Die Ausstellung ist anschließend bis zum 21. März in der Galerie im DreiGiebelHaus, Kapitel 18 in Xanten, zu sehen.
Sabrina Peters
Marco Morosin hat unter anderem große Skulpturen gefertigt. NN-Fotos (2): Theo Leie Foto: Theo Leie NiederheinNachrichten
Magdalena Morosini mit ihren Skulpturen, die an die heilige Helena erinnern sollen. NN-Fotos (2): Theo Leie
Redakteurin in Xanten, Kalkar, Rheinberg und Alpen sowie Büderich und Ginderich