Porträt von Sänger Michel van Dam, niederländische Wurzeln, deutscher Liedermacher, Foto privat.
7. August 2026 · Michael Bühs · Was läuft am Niederrhein

Michel van Dam: Weihnachtskonzert an einem Ort voller Erinnerungen

In der St.-Antonius-von-Padua-Kirche in Nieuw-Dijk präsentiert der Sänger „Magische Welten im Zauber der Melodien“. Warum gerade diese Kirche für ihn eine Herzensangelegenheit ist, verrät er im NN-Interview.

NIEDERRHEIN. Er bezeichnet sich selbst als „Sänger aus Leidenschaft mit Herz und Gefühl“. Letzteres möchte Michel van Dam auch bei seinem Weihnachtskonzert „Magische Welten im Zauber der Melodien“ am Sonntag, 20. Dezember, von 15.30 bis 17.30 Uhr (Einlass ab 15 Uhr) in der St.-Antonius-von-Padua-Kirche in Nieuw-Dijk, Didam, in den Niederlanden transportieren. Im NN-Interview spricht van Dam über seine persönliche Verbindung zur Kirche in Nieuw-Dijk, zum Leben in der Grenzregion und über die Bedeutung von Liedtexten.

Herr van Dam, Sie sind in Didam geboren, leben in Suderwick nahe Isselburg. Sie sind quasi auf beiden Seiten der Grenze unterwegs.

Michel van Dam: Stimmt. Wenn ich aus dem Garten rauskomme, ist rechts Holland, links ist Deutschland. Ich wohne wirklich unmittelbar an der Grenze. Man nennt es auch Dinxperwick, hat Dinxperlo und Suderwick zusammengefügt. Beide Orte sind sehr stark miteinander verbunden.

Wenn Sie auf beiden Seiten der Grenze mit Ihren Konzerten unterwegs sind, bemerken Sie einen Unterschied beim Publikum?

Van Dam: Früher war ich viel in Holland unterwegs und habe gemerkt, dass der Holländer natürlich sehr spontan ist und gut feiern kann. Aber ich finde: Die Mischung macht es immer. Das ist immer so interessant hier in der Region: Die Leute können gut miteinander umgehen und können gut miteinander feiern. Aber meistens bin ich doch auf deutscher Seite unterwegs, und deshalb finde ich es ja auch interessant, das Konzert dort zu planen, wo wir an der Grenze praktisch zu Hause sind.

Orgel in St.-Antonius-von-Padua-Kirche, Nieuw-Dijk, Didam, Niederlande.

Die Orgel in der St.-Antonius-von-Padua-Kirche in Nieuw-Dijk, Didam, in den Niederlanden. Foto: H. J. Rubin

Weshalb haben Sie Nieuw-Dijk als Veranstaltungsort für das Weihnachtskonzert ausgewählt?

Van Dam: Das hat einen ganz bestimmten Hintergrund. Ich komme aus diesem Örtchen, war selbst Messdiener in der St.-Antonius-von-Padua-Kirche, und mein Vater war hier erster Tenor. Diese Kirche hat für mich eine magische Ausstrahlung, speziell mit der neuen, großartigen Orgel. Die ganze Atmosphäre und auch die Akustik sind einfach gigantisch. Dadurch, dass ich früher da gewohnt habe, groß geworden bin, mein Vater mir zum Teil Lieder beigebracht hat, war es mir wichtig, dort irgendwann mal etwas zu veranstalten. Und ich dachte mir: Ein Weihnachtskonzert, das würde ganz gut passen. Für mich ist es immer wichtig, dass ich für das Publikum eine Lokalität aussuche, die auch von der Atmosphäre passend ist und das Konzert so schön abrundet. Zumal ich vor allem auch für die „ältere Jugend“ Musik mache.

Es ist also Ihr erstes Konzert in der Kirche von Nieuw-Dijk?

Van Dam: Richtig. Eine Kirche für ein Konzert am Jahresende, in der Weihnachtszeit – das passt einfach. Außerdem habe ich habe mir den Damenchor „Popkoor Vocaal“ dazu geholt, bestehend aus 50 Sängerinnen aus Nieuw-Dijk selbst. Und mit Philipp Heuvelmann, einem ausgebildeten Kirchenorganist aus Bocholt, gebürtig aus Emmerich, ist zudem einer der besten Kirchenmusiker unserer Region dabei, der mich bei den Weihnachtstiteln begleiten wird sowie beim „Panis angelicus“, das mein Vater früher immer gesungen hat. Ebenfalls erwähnenswert ist: Ich werde auf einem großen LED-Bildschirm Bilder vom Niederrhein zeigen, begleitend zu meiner Musik. Showelemente miteinander zu verbinden, das schafft auch einen gewissen Mehrwert fürs Publikum.

Wie anspruchsvoll ist es, nicht nur Lieder und Songs zu finden, die zur Kirche passen, die zur Jahreszeit passen, sondern die dann auch noch zu diesem visuellen Aspekt passen.

Van Dam: Die Lokalität stand ja für mich fest. Also lautete die nächste Frage: Was machst du genau? Ich habe ein Riesen-Repertoire an Titeln, die damals über meine Plattenfirma Rubin Records rausgebracht wurden. Viele haben ein eher sonniges Gemüt, viele aber auch einen theatralischen Charakter, also Balladen mit einem gewissen Tiefgang. Diese Lieder habe ich in erster Linie ausgewählt, passend vom Textinhalt, von der Melodie und vom Gesamteindruck her. Dazu dann noch einige positive Titel sowie bekanntes deutsches Liedgut. Ich wollte ein wenig „back tot he roots“, also keine ausgesprochene Kirchlieder, sondern einfach Weihnachtslieder und ein Kirchenlied, das mein Vater immer gesungen hat.

Werden es sowohl Lieder mit niederländischen als auch mit deutschen Texten sein?

Van Dam: Nein, zu niederländischen Texten habe ich mich nie berufen gefühlt. Ich habe nie die innere, emotionale Verbindung zum niederländischen Liedgut gehabt. Das war nicht mein Ding. Für mich ist es immer wichtig, nach meinem Herzen zu gehen, den eigenen inneren Impulsen zu folgen. Das waren für mich immer Lieder, die eine schöne der Balladenhaftigkeit haben, und positive Titel mit Tiefgang. Unter diesem Aspekt hat mir das Singen auf Niederländischnie gelegen – es hat mich nicht gepackt, nicht berührt.

Haben Sie Vorbilder, das deutsche Liedgut betreffend?

Van Dam: Ich habe eher bestimmte Stimmen und Melodien, bei denen ich sage: Wow, die finde ich toll. Darunter sind auch unbekannte Künstler, die viele hier nicht kennen. Zum Beispiel der Produzent und Interpret Wolfgang Herrmann: Er hat so viel tolles Liedgut, Texte mit Inhalt und mit Tiefgang, die einen berühren, wenn man nur gut hinhört. Er hat eine Melancholie in seiner Musik, auch eine Botschaft in seinen Texten, die mich sehr stark berühren. Eben diese Melancholie war mir in meiner Musik immer wichtig. Dadurch kann man sehr gut auch einen gewissen Tiefgang transportieren, das aber auch in Verbindung mit Liedern, die einen positiven Charakter haben. Zum Beispiel „Jeder Mensch braucht einen Stern“ oder „Der Clown, der nie lacht“: Sie zeigen, dass man trotz aller Widrigkeiten im Leben nie das Lächeln vergessen sollte.

Das Konzert trägt den Titel „Magische Welten im Zauber der Melodien“. Weshalb taucht der Begriff „Weihnachtskonzert“ nicht auf?

Van Dam: Wir Menschen haben alle gewisse Schlüsselerlebnisse in unserem Leben gehabt, die sowohl positiv als auch negativ waren. Und durch Lieder, durch Texte, diese Form von Kunst, kann man Menschen so berühren, dass die nachdenken über das, was sie erlebt haben, über die Tiefen und Höhen im Leben. Das hat für mich eine gewisse magische Ausstrahlung, deshalb „Magische Welten“, und das Ganze unterstützt und ausgelöst, verstärkt durch diesen „Zauber der Melodien“. Deshalb wollte ich es nicht einfach nur „Weihnachtskonzert“ nennen. In einer Kirche können die Menschen, unterstützt durch Melodien und Bilder, in Gedanken versinken über ihr eigenes Leben. Das kann Kraft geben, das kann auch mal zu Tränen rühren.

Was ist Ihnen bei Ihren Liedern und den Texten wichtig?

Van Dam: Für mich war immer der Inhalt wichtig – ein schöner Text, der passt zur Melodie, zur Emotion, zur Stimme. Die Melodie muss mich packen, und dann muss der Text einfach auch passend sein für das, was ich zu singen habe. Wenn es mich nicht berührt, nicht bei mir ankommt, dann lasse ich die Finger davon. Heute leben wir in einer KI-generierten Welt, in der alles so schnelllebig ist und wo alles auf eine gekünstelte, unpersönliche Art und Weise produziert wird. Und ja, die Zeiten haben sich geändert, aber Gott sei Dank habe ich die gute Zeit der „schönen“ Produktionen erlebt und ein großes Repertoire an Liedern auch für ältere Menschen. Es wird für die Jugend viel gemacht, heute dies, morgen das. Aber die „ältere Jugend“, wie ich immer sage, ist noch empfänglich, hat die Muße, um etwas zu genießen, sich etwas anzuhören, etwas anzugucken, etwas auf sich wirken zu lassen und ist nicht schnelllebig. All diese Menschen erreiche ich über meine Musik.

Karten im Vorverkauf

Karten für das Weihnachtskonzert „Magische Welten im Zauber der Melodien“ mit Michel van Dam am Sonntag, 20. Dezember, 15.30 bis 17.30 Uhr, in der Sint-Antonius-van-Padua-Kerk, Smallestraat 35a, in Nieuw-Dijk (Didam) gibt es für 35 Euro in der Buchhandlung Hintzen in Kleve, im H&H das Brillenhaus in Emmerich und Elten sowie unter www.opus241.nl.

Niederländische Wurzeln, aber dem deutschen Liedgut verbunden: Sänger Michel van Dam. Foto: privat

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