"Jugendliche genießen Ferienfreizeit in L'Escala, Spanien, am Strand"
14. August 2026 Von NN-Online · Alpen

L‘Escala – mehr als nur Sonne, Strand und Meer

Ferienlager des Ferienhilfsweks Alpen

ALPEN. L‘Escala. Mountainbike fahren an der spanischen Küste, Schnorcheln im Mittelmeer, ein Ausflug nach Barcelona oder abends mit Freunden noch einmal an die Promenade: Wer 15 bis 17 Jahre alt ist, braucht im Ferienlager längst nicht mehr von morgens bis abends ein durchgetaktetes Programm. Im Ferienlager für die Ältesten des Ferienhilfswerks geht es deshalb um etwas anderes: gemeinsam unterwegs sein – und gleichzeitig immer selbstständiger werden. Vielleicht passt gerade deshalb zu dieser Freizeit, dass sie sich in den vergangenen Jahren immer wieder verändert hat. Frankreich, Spanien, Italien und nun erneut Spanien: Während andere Ferienlager über Jahre mit einem bestimmten Ort verbunden sind, gehört hier der Wechsel fast schon zum Konzept. Für Lagerleiter Tom Fleuren ist genau das ein Teil des Reizes. Er kennt die Ferienfreizeit aus nahezu jeder Perspektive: Achtmal fuhr er selbst als Teilnehmer mit, anschließend drei Jahre als Betreuer – und in diesem Sommer hat er erstmals zusammen mit Oliver Meier die Lagerleitung übernommen. „Der Reiz liegt für mich vor allem darin, jedes Jahr etwas Neues zu erleben und gemeinsam mit den Jugendlichen Erinnerungen zu schaffen, die sie hoffentlich noch lange begleiten werden. Jeder Ort bringt seine eigenen Besonderheiten mit und sorgt dafür, dass keine Freizeit der anderen gleicht.“

L‘Escala kannte das Lagerteam bereits aus dem Jahr 2024. Nach einem Sommer in Italien fiel die Entscheidung in diesem Jahr bewusst für eine Rückkehr an die Costa Brava. „Der Ort, die Umgebung und die Atmosphäre haben uns damals einfach überzeugt“, sagt Fleuren. „Gleichzeitig fühlt es sich jedes Jahr ein bisschen wie ein neues Abenteuer an – selbst wenn man an einen Ort zurückkehrt.“ Dass dieses Ferienlager anders funktioniert als die Freizeiten für jüngere Kinder, erlebt Kevin Kremer seit Jahren. In sieben Jahren als Betreuer kommt er inzwischen auf 13 Ferienlager. Er kennt sowohl Ellemeet mit den Jüngsten als auch Mauterndorf und betreut in diesem Sommer bereits zum fünften Mal die Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen. Der entscheidende Unterschied ist für ihn die zunehmende Selbstständigkeit. „Bei den 15- bis 17-Jährigen merkt man deutlich, dass die Jugendlichen viel selbstständiger sind und mehr Freiraum möchten. Sie wollen auch einmal alleine zum Strand, shoppen gehen oder einfach mit Freunden entspannen.“ Das verändert auch den Tagesablauf. Morgens und abends gibt es in der Regel gemeinsame Programmpunkte. Dazwischen gehört ein Teil des Tages den Jugendlichen selbst. Gerade während der heißen Mittagsstunden ist das nicht nur angenehm, sondern ziemlich sinnvoll. Auch am Abend bleibt Zeit, noch einmal gemeinsam in die Stadt oder an die Promenade zu gehen. Für Kremer liegt genau darin die Aufgabe einer Jugendfreizeit: nicht weniger anzubieten, sondern anders. „Je älter die Jugendlichen werden, desto mehr geht es darum, ihnen Angebote zu machen, ihnen aber gleichzeitig Freiraum und Eigenverantwortung zu geben.“ Freiheit bedeutet hier also nicht, dass jeder einfach macht, was er möchte. Sie funktioniert, weil die Jugendlichen lernen, mit ihr umzugehen – und weil ihnen zugetraut wird, Verantwortung für sich selbst und füreinander zu übernehmen.

Und natürlich macht es einen Unterschied, wo diese zwei Wochen stattfinden. Sonne, Mittelmeer und spanische Abende bilden nicht bloß die Kulisse für das Ferienlager. Für Leo Voß (17 Jahre) beeinflusst das Land unmittelbar die Stimmung. „Die Kultur hier ist völlig anders. Das Wetter, das Klima, wie die Leute so drauf sind und das Essen – das macht das Ganze hier besonders und einzigartig.“ Die Umgebung eröffnet Möglichkeiten, die zu dieser Altersgruppe passen: gemeinsam zum Strand, unterwegs sein, die Umgebung erkunden, Mountainbike fahren und schnorcheln – oder einfach Zeit mit Freunden verbringen. Dass viele Jugendliche trotzdem nicht allein wegen Spanien zurückkommen, wird schnell deutlich. Leo beschreibt es so: „Wir kommen Jahr für Jahr wieder – für die Gemeinschaft, zum Entspannen in einem anderen Land, um mit Freunden zu genießen, für das Programm und um mit den Betreuern eine schöne Zeit zu haben.“ Mit 15, 16 oder 17 Jahren müssen Jugendliche viel weniger durch die Tage geführt werden. Sie treffen eigene Entscheidungen, gestalten ihre freie Zeit und erleben gleichzeitig, was es bedeutet, Teil einer Gruppe zu sein. Kevin Kremer hat in seinen vielen Ferienlagern sämtliche Altersstufen erlebt. Trotz aller Unterschiede stellt er deshalb eine Gemeinsamkeit über alle Freizeiten hinweg fest: „Eines ist bei allen Altersgruppen gleich: Hier wachsen wir innerhalb der zwei Wochen zu einer Gemeinschaft zusammen.“ Bei den Älteren passiert das nur auf eine andere Art. Weniger über Anleitung, noch stärker über gemeinsame Entscheidungen, Freiräume und Erlebnisse auf Augenhöhe. Oder, wie Kremer es formuliert: „Am Ende machen wir aus diesen zwei Wochen gemeinsam richtig geile zwei Wochen, an die sich hoffentlich alle noch lange und gerne zurückerinnern.“ Was davon tatsächlich hängen bleibt, lässt sich kurz vor der Heimreise am besten diejenigen fragen, um die es geht. Anna Ullenboom (16 Jahre) braucht dafür nur einen Satz: „Es war eine tolle Zeit mit neuen Leuten und meinen Freunden, die mir lange in Erinnerung bleibt.“ Marie Theis (16) muss bei der Frage nach ihrem persönlichen Höhepunkt nicht lange überlegen. Ihr wird vor allem „der Ausflug nach Barcelona in Erinnerung bleiben“. Und Milla Költgen (16) beschreibt kurz vor der Abreise vielleicht am treffendsten, was nach zwei Wochen tatsächlich mit in den Bus steigt: „Wenn wir morgen wieder nach Hause fahren, nehme ich viele neue Erinnerungen mit meinen Freunden mit nach Hause.“ Es sind Sätze, die wenig mit einem einzelnen Programmpunkt zu tun haben. Dafür umso mehr mit Menschen. Für Tom Fleuren schließt sich in diesem Sommer zugleich ein besonderer Kreis. Vom achtmaligen Teilnehmer über den Betreuer bis zum Lagerleiter ist die Ferienfreizeit seit Jahren Teil seines eigenen Sommers. Und vielleicht erklärt seine Geschichte auch, warum dieses Lager trotz wechselnder Reiseziele eine erstaunliche Beständigkeit besitzt.

Mit 15 bis 17 Jahren bedeutet Ferienlager deshalb ein Stück mehr als Urlaub ohne Eltern. Es bedeutet, Freiheiten zu bekommen und mit ihnen umzugehen. Entscheidungen selbst zu treffen. Mit Freunden unterwegs zu sein, neue Menschen kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln, die man zu Hause so vielleicht nicht gemacht hätte. Und irgendwann fährt der Bus wieder Richtung Heimat. Die Sonnenbräune wird verschwinden. Die Urlaubsfotos rutschen in der Galerie immer weiter nach hinten. Aber Barcelona, die Abende in L‘Escala, das Meer, neue Freundschaften und diese zwei Wochen miteinander – die bleiben. Vielleicht ist genau das die besondere Stärke dieses Ferienlagers: Es braucht keinen festen Ort, um sich jedes Jahr wieder wie Zuhause zu fühlen.

Die Ferienfreizeit in L‘Escala wird den Jugendlichen noch lange in Erinnerung bleiben. Foto: privat

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