Lebensorientierung geben am Übergang in den Beruf
Pfarrer Dr. Georg Freuling wechselt von der Gemeinde in die Schule
GELDERLAND. Pfarrer Dr. Georg Freuling (52) wechselt innerhalb des Kirchenkreises, er übernimmt die vakante Pfarrstelle am Berufskolleg Geldern.
Seit zehn Jahren ist Pfarrer Freuling Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Kleve. „Ich hatte immer schon mal an einen Wechsel gedacht – auch an eine Aufgabe außerhalb von Gemeinde, vielleicht im Bildungsbereich“, sagt Freuling. Nach dem Probedienst in Krefeld war er bis 2014 fünf Jahre Pfarrer in der badischen Kirche und neben dem Dienst in zwei Pfarrgemeinden an einer „Gewerbeschule“ tätig. Dort hatte er Maler und Lackierer unterrichtet, „das hat mir Spaß gemacht“.
Im Frühsommer wurden zunächst parallel mit dem Superintendenten des Kirchenkreises, Hans Joachim Wefers und dem Leiter des Berufskollegs Geldern, Andreas Boland, Gespräche geführt. „Im Gespräch mit der Schulleitung habe ich gemerkt, dass dem Fach Evangelische Religion am Berufskolleg viel Wertschätzung entgegengebracht wird“, so Freuling. Auch danach entwickelte sich alles bis zur erforderlichen Eignungsprüfung Anfang Juni sehr positiv. Seit dem 1. August ist Freuling nun Pfarrer am Berufskolleg in Geldern.
Zu einer offiziellen Entpflichtung im Gottesdienst kam es nicht mehr, erklärt der Pfarrer: „Definitiv war der Wechsel nach Geldern erst Anfang Juni. Ich habe das dann direkt in der Gemeinde mitgeteilt – denen, mit denen ich direkt zusammenarbeite, Gemeindegliedern, Gruppen und auch in meinem letzten Gottesdienst vor den Ferien.“ Ein „offizieller“ Akt käme nun nach den Sommerferien verspätet. „Außerdem haben sich viele, denen es wichtig war, schon von mir in diesen letzten Wochen verabschiedet. Auch in der Evangelischen Stiftung, die ich in den letzten Jahren begleitet habe, gab es einen sehr schönen Abschiedsgottesdienst.“
Pfarrer Freuling nimmt ganz viele Begegnungen aus Kleve mit: „Einige haben mich sehr berührt. Wichtig waren mir immer die Seelsorge, die Gestaltung von Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen und Gottesdiensten und der Konfirmandenunterricht natürlich.“ Für ihn sind das auch die Schlüsselaufgaben eines Gemeindepfarrers. „Da wurde mir oft von den Menschen signalisiert: „Das war gut“, oder „Da konnte ich etwas mitnehmen.“ Viele hätten ihm auch im Laufe der Jahre gesagt, dass sie in seinen Gottesdiensten und Predigten finden, was für ihren Glauben wichtig ist, und dass sie ihn als Pfarrer erlebt haben, „der zu dem steht, was er glaubt.“
Schon diese Woche beginnt mit den Konferenzen, dann muss er Schritt für Schritt den Unterricht vorbereiten, Material sichten und suchen. „Generell finde ich das System Berufskolleg gut, denn es ist nicht die eine Schule mit dem einen Abschluss: Unser Bildungssystem zeigt an dieser Stelle eine große Durchlässigkeit und eine Bandbreite an Möglichkeiten für die jungen Menschen.“ Für ihn als Pfarrer bietet die Schule eine Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu treten, die mit der Kirche sonst oft wenig Berührungspunkte haben.
Mit dem Religionsunterricht hofft Freuling Lebensorientierung am Übergang in den Beruf geben zu können, Dinge die für Schülerinnen und Schüler relevant sind. „Deshalb spricht man im beruflichen Religionsunterricht auch oft von der Kompetenzenorientierung.“ Es sei gut, dass Schüler in dieser wichtigen Lebensphase sich nicht nur die notwendigen beruflichen Kompetenzen aneignen, sondern auch einen Ort haben für ihre großen Fragen: was zählt – worauf kommt es im Leben an. „Dazu gehört meinerseits eine Dialogbereitschaft, denn auch ich kann ja von den jungen Menschen lernen“, findet Freuling. Gemeinsam ein Thema entwickeln, das reizt ihn. Als Pfarrer in der Gemeinde sei der Schwerpunkt ein anderer, im Unterricht predige er nicht: „Es geht auch nicht darum, Menschen (m)einen Glauben überzustülpen, sondern eher mit dem Glauben in Kontakt zu bringen.“