Kuh und Riese werden bunt
In den kommenden Wochen werden noch viele helfende Hände gebraucht
BEDBURG-HAU. „Man muss Geduld haben, aber es macht total viel Spaß“, sagen Matilda (7) und Isabella (8). Ihr „Fliesenleger-Diplom“ haben die beiden bereits in der Tasche und deshalb dürfen sie dabei helfen, die bunten Mosaiksteine auf den freundlichen Riesen zu kleben. „Man muss immer kleine Ameisenstraßen machen“, sagt Matilda und zeigt, wo Zement und Sand mit Wasser gemischt werden, während es gleich daneben den Fliesen an den Kragen geht. Ein paar Meter weiter bearbeiten Nelia (11) und Shalin (12) den Rücken der liegenden Kuh, der noch etwas runder werden soll. Es herrscht reges Treiben, die Stimmung ist gut. Das freut die Gocher Künstlerin Nicole Peters, die mit Blick auf ihren Zeitplan dennoch betont: „Jetzt kommt es auf jede helfende Hand an!“
Endspurt also auf der Baustelle am Honigsberg zwischen Grundschule und Rathaus. Schließlich soll sie im Herbst feierlich eröffnet werden, die bespielbare Miteinander-Großskulptur, die in den letzten Wochen dank zahlreicher Helfer Tag für Tag mehr Form angenommen hat. „Im Moment bin ich sechs Tage in der Woche jeweils zehn bis zwölf Stunden vor Ort“, sagt Peters. Über mangelndes Interesse beschwert sie sich nicht. Allen voran wären da die OGS und der Ferienspaß zu nennen, die fleißig mitarbeiten und mit viel Tatkraft bei der Sache sind. „Die älteste Helferin ist 79 Jahre alt“, freut sich Peters, dass es keine Frage des Alters ist. Auch Menschen mit Handicap können mitmachen – „wir können die Baustelle für einen Rollstuhl befahrbar machen, wenn man sich vorher kurz bei mir meldet“, ist Peters bemüht, alle mitzunehmen und einzubinden. Das gilt natürlich auch für Menschen, die geflüchtet sind und sich hier mit ihren Fähigkeiten einbringen können. Da gab es den Verputzer aus Syrien, den Stuckateur aus Afghanistan oder den Lehrer aus dem Kongo – für Peters viele schöne Begegnungen, die zeigen, wie wertvoll gemeinsames Tun für sich selbst und die Gemeinschaft ist. „Es macht doch viel mehr Sinn, zu sehen, was die Leute können – dafür muss man nicht zuerst einen Sprachkurs absolviert haben“, findet sie. Gut für die Seele ist es noch dazu. „Tarek hat es einfach gut getan, gebraucht zu werden und etwas Gutes für die Kinder zu tun, die hier bald spielen können“, habe ihr der junge Syrer erklärt. Er hat auch den kleinen Schutzengel mitgebracht, der über die Baustelle wacht.
„Unsere Skulptur ist ein starkes Zeichen für Liebe und Fürsorge“, sagt Peters und sieht auch eine Parallele zu Ewald Matarés Kühen und Joseph Beuys‘ sozialen Plastiken. Peters betont auch, dass alle Entscheidungen demokratisch getroffen wurden. Am Anfang standen die Workshops, dann die Abstimmung über die Modelle und auch die Farbgebung (das Layout für die Mosaiksteine) wurde gemeinsam festgelegt. Jetzt kommt es darauf an, dass noch möglichst viele Leute mitmachen. Möglich ist das montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 12 bis 16 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr.
Anmelden muss man sich nicht, bei größeren Gruppen erleichtert das aber die Einteilung auf der Baustelle. Im Zweifelsfall einfach Nicole Peters kontaktieren: Mail an atelier@nicole-peters.de, Telefon 0174/ 4621098 oder Instagram @ateliernicolepeters.
Nicole Peters weiß, welche Konsistenz die Masse benötigt. NN-Foto: vs
Matilda hilft fleißig mit. NN-Foto: vs
Das sieht nach Arbeit aus... gemeinsames Tun macht aber auch Spaß. NN-Foto: vs