Konzert der Städtischen Singgemeinde
Ein spannender Dialog zwischen Musik, Alltag und jungen Perspektiven
KLEVE. Die Mensa der Gesamtschule am Forstgarten war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Städtische Singgemeinde Kleve zu einem ebenso anspruchsvollen wie berührenden Konzert unter dem Titel „English Music – Musique Française“ einlud.
Es waren nicht allein die Werke aus England und Frankreich, die den Nachmittag prägten; vielmehr war es die fein abgestimmte Harmonie des Chorgesangs mit der Interpretation durch die Solisten, die dem Konzert eine ganz besondere Strahlkraft verliehen. Mit großer Ausdruckskraft führte die Sopranistin Ekaterina Korotkova durch die emotionalen Facetten der Werke aus fünf Jahrhunderten. Ebenso begeisterte die Mezzosopranistin Frauke Roelofsen mit warmem Timbre und erzählerischer Tiefe. Sie schuf eine musikalische Präsenz, die das Publikum unmittelbar erreichte. Am Klavier sorgte Anja Speh für ein sensibles Fundament und humorvolle Akzentuierung. Stefan Burs führte nicht nur als Dirigent inspirierend durch das Programm, sondern trat in der „Frost Scene“ aus Henry Purcells „King Arthur“ auch selbst solistisch in Erscheinung. Sein sonorer Bass verlieh dieser Szene eine zusätzliche dramatische Intensität. Besonders lebendig wurde der Nachmittag durch die kreativen Beiträge der Schüler der Gesamtschule am Forstgarten, die das Programm kreativ, nachdrücklich und in dramatischer Weise ergänzten, etwa mit einem eigens entwickelten WhatsApp-Chat zu einem der Werke. So entstand ein spannender Dialog zwischen Musik, Alltag und jungen Perspektiven; auch gewürdigt durch den Schulleiter Stefan Püplichuisen, der der Zusammenarbeit bereits den Status einer Tradition gab. Im großen Finale verschmolzen schließlich Chor, Publikum und Mitwirkende zu einem gemeinsamen Klangkörper – ein begeisternder Abschluss.
Am 8. November steht das nächste Konzertprojekt der Städtischen Singgemeinde unter dem Titel „Mendelssohn² – verborgene Schwester, gefeierter Bruder?“ in der St. Willibrord-Pfarrkirche Kellen auf dem Programm. Mit den Werken der Geschwister Fanny Hensel und Felix Mendelssohn-Bartholdy lernen wir zwei herausragende musikalische Persönlichkeiten kennen, die durch die Zeiten höchst unterschiedlich wahrgenommen wurden: Während Felix weltweite Anerkennung fand, blieb Fannys kompositorisches Schaffen lange im Schatten. Stefan Burs und sein Chor arbeiten nicht nur an der Vorbereitung der Werke, sondern auch an der Frage: Ist es nun wirklich von Felix oder doch von Fanny? Das Konzertprojekt lädt Sängerinnen und Sänger zum Mitmachen ein: Die Proben beginnen am 13. April um 20 Uhr in der Hochschule Rhein-Waal. „Wer Musik gestaltet, schafft reizvolle Erinnerungen für das Tagebuch des Lebens“, so schrieb es Fanny Hensel einst an ihren Bruder. Der Konzertnachmittag im Frühling zeigte es eindrucksvoll: Musik begeistert – vor allem dann, wenn man sie gemeinsam erlebt und gestaltet.