Keine Wissenschaft für Krieg
Statement des Campus Solidarity Collective zur möglichen Kooperation der HSRW mit Rheinmetall
KLEVE. Das Campus Solidarity Collective ist eine Studierendengruppe der Hochschule Rhein-Waal, die sich für politische Teilhabe von Studierenden, gesellschaftskritischen Austausch und eine solidarische, gerechte Hochschule und Gesellschaft einsetzt. Anlass der jüngst veröffentlichten Stellungnahme ist die anhaltende Debatte über eine mögliche Kooperation der Hochschule Rhein-Waal mit der Rheinmetall AG. Nach einem konkreten Gesprächsangebot des Konzerns diskutieren das Präsidium und der Senat derzeit verschiedene Formen einer Zusammenarbeit, darunter Stiftungsprofessuren und eine mögliche Beteiligung am Production Launch Center Defence (PLCD).
Das Campus Solidarity Collective positioniert sich gegen jede mögliche Form militärischer Zusammenarbeit und gegen jede Kooperation mit Unternehmen der Rüstungsindustrie: „Forschung an unserer Hochschule dient dem Menschen. Sie soll gesellschaftlichen Fortschritt ermöglichen und zum Frieden beitragen – nicht zur Entwicklung von Waffen oder Rüstungsgütern. Die Hochschule Rhein-Waal steht mit ihrer Friedens- und Konfliktforschung für gewaltfreie Konfliktlösung und internationale Zusammenarbeit. Das verpflichtet uns auch dazu, einer zunehmenden Normalisierung militärischer Lösungen entgegenzutreten. Eine Kooperation mit einem Rüstungskonzern würde diesem Selbstverständnis und unserem Bildungsauftrag widersprechen. Während unsere Hochschule Wissen für Frieden und gesellschaftlichen Fortschritt schafft, erwirtschaftet Rheinmetall seine Gewinne mit der Herstellung und dem Verkauf von Rüstungsgütern. Dass Waffenlieferungen des Konzerns über Jahre zeitgleich sowohl nach Russland als auch in die Ukraine erfolgten und seine Produkte zudem weiterhin an Staaten geliefert werden, die schwere Menschenrechtsverletzungen gegen die Zivilbevölkerung begehen, zeigt uns erneut: Für Rheinmetall stehen wirtschaftliche Interessen im Mittelpunkt. Die Behauptung, die Waffen des Konzerns dienten einer friedlicheren Welt oder gar der Verteidigung demokratischer Werte, überzeugt uns deshalb nicht. Eine Kooperation würde unsere Forschung untergraben, kriegerisches Wachstum fördern und einen Beitrag zur Destabilisierung unserer Welt leisten. Das ist mit unseren Werten und den Werten, die einst in der hochschuleigenen Zivilklausel festgeschrieben wurden, unvereinbar.“
Forschung müsse frei sein – frei von wirtschaftlichen Interessen, insbesondere wenn diese wirtschaftlichen Interessen über Menschenleben gestellt würden. Wer sich finanziell von einem Rüstungskonzern abhängig mache, laufe Gefahr, sich dessen wirtschaftlichen Interessen anzupassen. „Die Finanzierung von Professuren mag für die Hochschule zunächst attraktiv erscheinen - schließlich ist sie chronisch unterfinanziert. Eine Kooperation mit Rheinmetall würde jedoch genau solche finanziellen Abhängigkeiten schaffen und den Druck erhöhen, Forschung und Lehre an die Bedürfnisse dieses Unternehmens auszurichten. Wissenschaft sollte sich aber an den Bedürfnissen der Gesellschaft orientieren – nicht an denen eines Konzerns. Angebote, wie Stiftungsprofessuren dienen Rheinmetall als Einfallstor um einen Fuß in die Tür zu setzen und werden genutzt, Kooperationen auszuweiten und Abhängigkeiten auszubauen. Das sehen wir bereits an einigen anderen Unis in Deutschland. Diese rote Linie darf nicht überschritten werden.“
Auch das Versprechen der Möglichkeiten von Praktikumsplätzen und Abschlussarbeiten überzeugt das Campus Solidarity Collective nicht. Die betroffenen Studiengänge bestünden zu einem großen Teil aus internationalen Studierenden. Viele von ihnen hätten aufgrund von Sicherheitsauflagen oder ihrer Staatsangehörigkeit gar nicht die Möglichkeit, bei Rheinmetall tätig zu werden. Von diesen Kooperationen würden die allerwenigsten Studierenden profitieren – und die, für die diese Tür theoretisch offen stünde, würden sich auch wegen der oben genannten Bedenken dagegen aussprechen.
Zudem möchte man hervorheben, dass sich die HSRW als internationale Hochschule verstehe. „Menschen aus mehr als 120 Nationen studieren und forschen hier gemeinsam. Einige von ihnen kommen aus Regionen, die von Krieg, Vertreibung und Gewalt geprägt sind. Ihnen gegenüber tragen wir eine besondere Verantwortung - wir dürfen als Bildungseinrichtung niemals das Leben der Familien und Freund*innen unserer Mitstudierenden aufs Spiel setzen, indem wir mit einem Konzern arbeiten, dem das Leben von Menschen nicht gleichgültiger sein könnte. Wir fordern das Präsidium und den Senat auf, Kooperationen mit Rheinmetall und anderen Unternehmen der Rüstungsindustrie auszuschließen und Forschung, Lehre und Innovation konsequent in den Dienst von Frieden, gesellschaftlichem Fortschritt und internationaler Zusammenarbeit zu stellen. Wir rufen politische Parteien, Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen dazu auf, sich öffentlich gegen eine Kooperation der Hochschule Rhein-Waal mit Rheinmetall zu positionieren. Wir bitten darum, diese Informationen über eigene Netzwerke, Verteiler, Webseiten und Social-Media-Kanäle weiterzuverbreiten, um möglichst viele Menschen zu erreichen und den öffentlichen Druck auf die Hochschule zu erhöhen. Außerdem rufen wir Interessierte dazu auf, an der nächsten Senatssitzung am 30. September teilzunehmen, bei der die mögliche Kooperation mit Rheinmetall ausführlich diskutiert werden soll. Studierende und Hochschulangehörige bitten wir, die Petition „Keine Wissenschaft für Krieg! / Keep HSRW out of War!“ zu unterzeichnen und ihre Bedenken gegenüber dem Präsidium der Hochschule deutlich zu machen. Um unsere Forschung, unsere Zukunft und das Leben der Familien und Freund*innen unserer Mitstudierenden zu schützen, sagen wir als Studierende der Hochschule Rhein-Waal klar und deutlich: Nein zur Militarisierung unserer Hochschule. Nein zu Rheinmetall.“
Die Stellungnahme für das Campus Solidarity Collective wurde unterzeichnet von Chloe Lechner, Lisa Rieger, Anna Porath, Carolin Jana Theile und Fida Wichern.