Kabarett und Comedy im Reeser Bürgerhaus: Ein Abend mit „Stunk Unplugged“
Bruno Schmitz und Ensemble begeistern mit humorvollen Einblicken aus 42 Jahren Kölner Stunk-Sitzung
REES. Für Bruno Schmitz war es nicht nur ein Heimspiel, sondern auch ein Seitenwechsel: Seit 30 Jahren holt der fast 80-jährige Kabarettist, dessen Karriere als Lehrer in Rees und Emmerich begann, mit seinem Kulturbüro Niederrhein prominente Künstler auf die Bühne des Reeser Bürgerhauses. Diesmal stand er selbst drauf, als er mit dem Ensemble von „Stunk Unplugged“ beliebte Stücke aus 42 Jahren Kölner Stunksitzung aufführte.
Zum Auftakt begrüßte Bruno Schmitz die 250 Zuschauer im Saal, dann übernahm Keyboarder Christian Wübben die Moderation des Abends – und das, obwohl im Reeser Karneval „Helau“ statt „Alaaf“ gerufen wird: „Da sind wir tolerant.“
Die zweieinhalbstündige Kabarett-Musik-Revue-Show erwies sich als kurzweiliger Mix aus Kabarett und Comedy mit feinstem Humor, aber auch ohne Angst vor gelegentlich grobem Brachialwitz.
Neben Gründungsmitgliedern der alternativen Stunksitzung wie Bruno Schmitz und Didi Jünemann waren unter anderem Christian Rzepka, Charalampos Lavassas, Gilly Alfeo, Doris Dietzold, Doro Egelhaaf, Angelika Pohlert und Ruth Schiffer dabei. Die Nummern reichten vom energisch vorgetragenen Monolog bis zur Massenszene, etwa beim Besuch des Museums der Zukunft, in dem der Sparzwang zu leeren Rahmen führte. Die bekannten Meisterwerke, die längst verkauft wurden, muss sich der Besucher halt vorstellen. Das ist dann Kunst im Konjunktiv oder, wie der Kölner sagt, im „Würdikativ“.
Auch das Krankenhaus der Zukunft zwingt zur Eigeninitiative. In dem Sketch, der noch von der frühen Gesundheitsreform im letzten Jahrtausend inspiriert wurde, der aber nichts an Aktualität verloren hat, müssen Entbindung oder Knie-OP innerhalb der kurzen Öffnungszeiten eigenhändig durchgeführt werden.
In flottem Tempo wurden Bahnsketche oder die das originelle Playback-Duell zwischen einem Döner- und einem Gyros-Verkäufer präsentiert. Feinsinnig wurde es, als der spezialisierte Einzelhandel vorgestellt wurde, in dem Leichtsinn, Trübsinn, Wahnsinn oder reaktionärer Schwachsinn feilgeboten werden, während sich Gerechtigkeitssinn oder Scharfsinn als altmodische Ladenhüter erweisen. Dagegen setzte die meistbeachtete Nummer des Abends nicht auf große Worte, sondern auf große Hoden: Mit gigantischen Klöten, die vom Hosenstall bis auf den Bühnenboden reichten, schlugen die schlimmsten Diktatoren der Gegenwart aufeinander ein, um ihre gigantischen Egos zu befriedigen.
Die Zugabe erfolgte mit einer Abwandlung der U2-Hymne „With or Without You“, zu der das Ensemble „Wegen dem Brauchtum“ sang und sich mit allerlei Ukulelen begleitete. Und als der Abend sein Finale erreichte, luden Christian Wübben und Bruno Schmitz das Reeser Publikum zur nächsten „Stunksitzung“-Session ein. Im nächsten Jahr. Im E-Werk. In Köln. Dort, wo man „Alaaf“ statt „Helau“ ruft.
Die nächsten Kabarett-Gäste im Reeser Bürgerhaus: Abdelkarim am Samstag, 10. Oktober, Stefan Verhasselt, Freitag, 6. November, und Herbert Knebels Affentheater (bereits ausverkauft), Donnerstag, 10. Dezember. Alle Veranstaltungen beginnen um 20 Uhr, Tickets sind unter anderem erhältlich in der Touristeninformation am Reeser Markt und unter www.stadt-rees.de/shop.