Erfolgreiches EU-LIFE-Projekt zeigt Wege für lebendige Röhrichte
Experten tauschen sich in Rees über erfolgreiche Ansätze zur Renaturierung und zum Management invasiver Arten aus.
REES. Wie lassen sich wertvolle Röhrichtlebensräume erfolgreich wiederherstellen? Welche Methoden haben sich in der Praxis bewährt? Und wie kann die Ausbreitung invasiver Arten wie der Nutria dauerhaft eingedämmt werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der zweitägigen Abschlussveranstaltung des EU-LIFE-Projekts „Reeds for LIFE – Lebendige Röhrichte“ in Rees.
Rund 60 Fachleute und Interessierte aus drei Ländern kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, Projektergebnisse zu diskutieren und Perspektiven für den künftigen Schutz von Röhrichten zu entwickeln. Veranstaltet wurde die Fachtagung vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve.
Neben Reden von Angela Hommen, 1. stellvertretende Bürgermeisterin Stadt Rees, und Christoph Gerwers, Landrat des Kreises Kleve, war ein besonderer Höhepunkt war das Grußwort von Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Minister informierte sich über die Ergebnisse des seit 2018 laufenden Projekts und würdigte dessen Bedeutung für den Natur- und Artenschutz in der Region: „Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie europäische Fördermittel vor Ort wirken. Hier im Kreis Kleve ist es gelungen, damit messbare Beiträge zum Schutz wertvoller Lebensräume und seltener Arten zu leisten. Die Ergebnisse sind ein Gewinn für den Naturschutz und für alle, die diese besondere Landschaft erleben können.“
Auf dem Luftbild des Bienener Altrheins sind die erfolgreichen Röhrichtanpflanzungen gut zu erkennen. Foto: Naturschutzzentrum im Kreis Kleve
Einen Einblick in die Umsetzung und die Ergebnisse des LIFE-Projekts gaben die Projektmitarbeiter Martin Brühne und Achim Vossmeyer. Dr. Wolfgang Ostendorp vom Limnologischen Institut der Universität Konstanz erläuterte die besondere Bedeutung von Schilf für die biologische Vielfalt. Beispiele aus den Niederlanden stellte Jan van der Winden vor. Dr. Malenthe Teunis präsentierte außerdem Matten aus biologisch abbaubarem Material, die bei der Renaturierung von Röhrichten und anderen Pflanzengesellschaften eingesetzt werden können.
Insgesamt wurde deutlich, dass eine erfolgreiche Röhrichtentwicklung verschiedene Ansätze miteinander verbinden muss: geeignete Wasserstände, passende Uferstrukturen, die Auswahl geeigneten Pflanzmaterials und einen wirksamen Schutz vor Fraß.
Der zweite Tagungsschwerpunkt lag auf dem Management invasiver Arten. Die Referierenden thematisierten die erfolgreiche Nutriakontrolle am Bienener Altrhein sowie das Bisam- und Nutriamanagement in den Niederlanden, das Pascal van der Linden von der Waterschap Rivierenland vorstellte.
Dolf Moerkens von der Unie van Waterschappen zeigte neue Möglichkeiten auf, invasive Arten mithilfe von Umwelt-DNA – sogenannter eDNA – frühzeitig nachzuweisen. Dr. Friederike Gethöffer ordnete anschließend die Herausforderungen des Managements invasiver Arten in einen größeren Zusammenhang ein. In der abschließenden Diskussion ging es darum, wie die vorgestellten Maßnahmen langfristig fortgeführt und weiterentwickelt werden können.
„Die Tagung hat gezeigt, dass Naturschutz dort besonders erfolgreich ist, wo wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und internationale Zusammenarbeit zusammenkommen. Gerade bei der Wiederherstellung von Röhrichten und beim Management invasiver Arten können wir voneinander lernen und gemeinsame Lösungen entwickeln“, resümierte Johanna Dohle, Geschäftsführerin des Naturschutzzentrums im Kreis Kleve.

Bei der Exkursion am zweiten Veranstaltungstag erläuterte Achim Vossmeyer die Projektergebnisse vor Ort. Foto: Blöß
Mit der Abschlussveranstaltung nähert sich das EU-LIFE-Projekts „Reeds for LIFE – Lebendige Röhrichte“ seinem Ende. Die Tagung machte jedoch zugleich deutlich, dass die Sicherung der erreichten Erfolge eine langfristige Aufgabe bleibt. Die Kontrolle der Nutria soll deshalb auch nach Projektende in Zusammenarbeit mit dem Land Nordrhein-Westfalen, dem Kreis Kleve und dem Deichverband Bislich-Landesgrenze fortgeführt werden.