Jugend- und Verwaltungszentrum gewinnt Architekturpreis
Das JVZ in Kevelaer wird mit dem Iconic Award 2026 ausgezeichnet
KEVELAER. Das neue Jugend- und Verwaltungszentrum (JVZ) in Kevelaer ist mit dem Iconic Award 2026 ausgezeichnet worden. Das Projekt des Straelener Architekturbüros Michael van Ooyen | Freie Architekten setzte sich in der Kategorie „Public“ in einem internationalen Teilnehmerfeld durch. Mehr als 800 Arbeiten aus rund 45 Ländern waren in diesem Jahr für den Architektur- und Designpreis eingereicht worden.
Die Iconic Awards werden seit 14 Jahren vom Rat für Formgebung, dem German Design Council, vergeben. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht allein gestalterische Fragen, sondern das Zusammenspiel von Architektur, Funktion, Nachhaltigkeit, Material und Nutzung. Eine international besetzte Fachjury entscheidet über die Auszeichnungen.
Für das Straelener Büro ist der Erfolg in Kevelaer bereits die fünfte Auszeichnung mit einem Iconic Award. Prämiert wurden zuvor die Neubauten für die Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort, die Mensa am Schulzentrum Straelen sowie im vergangenen Jahr gleich zwei Projekte: das Feuerwehrgerätehaus in Wachtendonk und die Erweiterung der Marienschule in Geldern-Kapellen.
Altes Schulgebäude erhält neue Aufgabe
Das Jugend- und Verwaltungszentrum entstand aus der ehemaligen Virginia-Satir-Schule an der Kroatenstraße. Statt das vorhandene Gebäude aufzugeben, wurde der zweigeschossige Backsteinbau saniert und um einen Neubau ergänzt. Damit erhielt die frühere Schule eine neue Nutzung und wurde zugleich zu einem gemeinsamen Standort für Verwaltung und Jugendarbeit.
Eine besondere Herausforderung bestand darin, den vertrauten Charakter des Bestands mit Satteldach und Backsteinfassade zu bewahren und gleichzeitig die funktionalen und energetischen Defizite des Gebäudes zu beseitigen. Alt und Neu sollten dabei nicht nebeneinander stehen, sondern zu einem zusammenhängenden Ensemble werden.
Der Neubau ergänzt das ehemalige Schulgebäude in klarer, zeitgemäßer Formensprache. Transparente Verbindungen im Erdgeschoss sowie eine verglaste Brücke im Obergeschoss verknüpfen beide Gebäudeteile miteinander. So entstehen kurze Wege und Sichtbeziehungen, gleichzeitig bleiben die unterschiedlichen Nutzungsbereiche klar ablesbar.
Eigene Adresse für die Jugendlichen
Ein wesentlicher Teil des Konzeptes ist das Jugendzentrum „Kompass“. Es verfügt über einen eigenen Eingang und damit über eine klar erkennbare Adresse innerhalb des Gesamtkomplexes. Herzstück ist ein großzügiger zentraler Aufenthaltsbereich, an den sich die weiteren Räume angliedern. Offenheit, flexible Nutzungsmöglichkeiten und vielfältige Blickbeziehungen prägen die Innenräume.
Damit verbindet das JVZ zwei Bereiche, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinen: kommunale Verwaltung und offene Jugendarbeit. Beide erhalten ihre jeweils eigenen Räume und Identitäten, profitieren aber zugleich von der gemeinsamen Nutzung eines Gebäudekomplexes.
Auch technisch wurden neue Wege beschritten. So wurde die Photovoltaikanlage nicht lediglich auf das Dach aufgesetzt. Teile der Anlage übernehmen selbst die Funktion der Dachhaut und verbinden damit Energiegewinnung und Gebäudekonstruktion unmittelbar miteinander. Zu den Besonderheiten des Projektes gehören damit sowohl die Umnutzung einer ehemaligen Schule zum Verwaltungsstandort als auch die räumliche Verbindung von Verwaltungs- und Jugendnutzungen.
Architektur als Werbung für den Niederrhein
Für Architekt Oliver Droop ist die Auszeichnung deshalb mehr als eine Anerkennung für die Gestaltung eines einzelnen Gebäudes. Gute öffentliche Architektur müsse Funktion, Wirtschaftlichkeit und Gestaltung miteinander verbinden. Genau darin liege die Qualität solcher Projekte.
Zugleich könne eine international wahrgenommene Auszeichnung auch über das Gebäude hinaus wirken. „Architekturpreise sind immer eine gute Werbung für die Region“, sagt Droop. Preisgekrönte Architektur könne Orte aufwerten, Identität schaffen und dazu beitragen, dass Kommunen auch über ihre Grenzen hinaus wahrgenommen werden.
Bereits bei den beiden Iconic Awards des vergangenen Jahres hatte das Straelener Büro die Bedeutung öffentlicher Gebäude für das Zusammenleben betont: Architektur könne Wertschätzung ausdrücken und das Miteinander in einer Gemeinde stärken. Mit dem Jugend- und Verwaltungszentrum in Kevelaer kommt nun ein weiteres ausgezeichnetes Projekt vom Niederrhein hinzu – eines, bei dem aus einem bestehenden Gebäude durch Weiterbauen, Umnutzen und Ergänzen ein neuer Ort für Verwaltung, Jugendliche und Stadtgesellschaft entstanden ist.