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Kabarett als Radioshow, mit Politik, Platten, Protest und Pointen, präsentiert Jürgen Becker. Foto: Manfred Linke
25. Mai 2025 Von NN-Online · Rees

Jürgen Becker im Interview: „Verliebt in Uschi Nerke“

Kabarettist gastiert am Dienstag, 17. Juni, ab 20 Uhr im Bürgerhaus in Rees

REES „Deine Disco! – Geschichte in Scheiben“ heißt das Bühnenprogramm, mit dem Kabarettist Jürgen Becker am Dienstag, 17. Juni, ab 20 Uhr im Reeser Bürgerhaus auftritt. „Politik, Platten, Protest und Pointen werden als mitreißende Radioshow auf der Bühne live gemischt, man taucht satirisch tief in die Soundfiles der bewegten Jugend“, verspricht das Kulturbüro Niederrhein in seiner Ankündigung. Vorab beantwortete Jürgen Becker die brennendsten Fragen zum Soundtrack seines Lebens.

Gleich zu Beginn die Gewissensfrage: Vinyl oder digital?

Jürgen Becker: Beides! Knisternde LPs machen ebenso Freude wie die Spotify-Playlist. Der Vorteil der LP: Die großen Cover schenken Sammlern Freude, wie etwa die berühmte Rolling-Stones-LP „Sticky Fingers“ mit einem echten Reißverschluss. Sie hängt eingerahmt bei mir zu Hause, schließlich hieß der Grafiker Andy Warhol.

Funktioniert Ihr privater Plattenspieler noch?

Becker: Der tut et noch! Und das ist der zweite Vorteil: Man bleibt in Bewegung, man muss ja alle 20 Minuten aufstehen und die Platte umdrehen.

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Kabarettprogramm samt Gesellschaftsstudie auf Schallplatten basieren zu lassen?

Becker: Die Menschen sind zunehmend veränderungserschöpft. So suchte ich nach Ankern in Zeiten, die richtig gut waren und wo wir richtig gut waren und viel verändert und gestaltet haben. Wenn wir uns davon emotional berühren lassen, können wir auch in Zukunft noch viel bewegen. Pessimismus ist Zeitverschwendung.

Welche Schallplatte war die erste, die Sie gekauft haben?

Becker: Das war „Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band“. Die haben wir im Musikunterricht durchgenommen. Außerdem fand ich das Cover toll.

Als Kölner Jung waren Sie sicherlich früher oft bei Saturn. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit diesem einst größten Plattenladen Deutschlands?

Becker: Ja, das war prägend. Eine LP war mit unserem schmalen Schülerbudget eine riesige Investition. Also mussten wir uns absprechen, dass wir nicht dieselben Platten kauften, sondern gemeinsam eine große Vielfalt hören konnten. Irgendwann habe ich ein gebrauchtes UHER-Tonbandgerät ergattert und konnte damit schon in etwa das herstellen, was man heute Playlist nennt.

Welche Modewellen des Musikfernsehens haben Sie begeistert miterlebt?

Becker: Richtig begeistert hat mich die Sendung „Beat-Club“ von Radio Bremen. Ich glaube, wir waren damals alle verliebt in Uschi Nerke, die die Sendung mit wechselnden Partnern moderierte. Danach kam das Radio mit der „Radiothek“ auf WDR 2. In der dort integrierten „Discothek“ fragte Mel Sandock: Hit oder Niete? Er sprach immer über die Titel drüber, so dass wir sie schlecht mitschneiden konnten. Anderseits hatte die Sendung dadurch unheimlich Drive. Und so habe ich mir gedacht: Sei doch einfach der Mel Sandock des Kabaretts! Jetzt mache ich das in meinem Programm „Deine Disco“ auch so. Das macht mir echt Spaß, und im Publikum muss ja niemand mitschneiden.

Wie musikalisch sind Sie eigentlich selbst, im Hinblick auf Stimme und Instrumente?

Becker: Komischerweise gar nicht. Ich liebe Musik über alles, weiß aber, dass andere das besser können, und lasse die Finger von der Gitarre, auf der ich mal ein paar Akkorde gelernt habe. Beim Singen mache ich Ausnahmen, wie bei dem Lied „Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin“, das ich mit Norbert Alich auf der Beerdigung von Hanns Dieter Hüsch ersonnen habe. Am Niederrhein bekommt man oft die besten Ideen.

Die meisten Kabarettisten singen auf der Bühne. Ist das (immer) eine gute Idee?

Becker: Jeder, wie er mag. Am genialsten finde ich Pigor & Eichhorn mit ihrem Lied: „Halt, Ihr könnt doch jetzt nicht alle in Rente gehen!“ Das begeistert mich.

Bei welcher Filmmusik haben Sie im Kinosaal Gänsehaut bekommen?

Becker: Mein erster Kinofilm, den ich ohne Eltern, nur mit Freunden anschaute, war James Bond in „To live and let die“ mit dem genialen Soundtrack von Paul McCartney. Ich war restlos begeistert. Zuletzt war ich in „A complete unknown“, der wunderbare Film über Bob Dylan. Und komischerweise muss ich im Kino immer weinen. Mein Körper spürt das: Du bist jetzt im Kino, sofort Tränenflüssigkeit bereitstellen!

In vielen Interviews werden Prominente gefragt, welches Lied bei ihrer eigenen Beerdigung gespielt werden soll. In diesem Interview passt es perfekt. Also?

Becker: Meine Beerdigung muss ja den Hinterbliebenen dienen, nicht mir. Aber wenn es in meine Urne schallt: „Sie wünschen, wir spielen“, würde ich hinausrufen: „Der Astronaut muss weiter“ von Udo Lindenberg.

Tickets im Vorverkauf

Tickets sind zum Preis ab 29 Euro unter anderem in der Reeser Touristeninformation, unter www.stadt-rees.de/shop sowie in Geschäftsstellen der NN und unter www.niederrhein-nachrichten.de/ticketshop erhältlich.

Kabarett als Radioshow, mit Politik, Platten, Protest und Pointen, präsentiert Jürgen Becker. Foto: Manfred Linke

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