Ingrid Kühne verabschiedet sich von den Karnevalsbühnen
Nach rund 100 Auftritten allein in dieser Session war gestern Abend Schluss – ihr Solo-Programm geht weiter
XANTEN. Die vergangenen Wochen und Tage waren für Ingrid Kühne ganz besondere. Denn die erfolgreiche Kabarettistin aus Xanten-Lüttingen hat sich von den großen Karnevalsbühnen verabschiedet. „Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, sagt Kühne, die gestern Abend bei der Nippeser Bürgerwehr in der Flora in Köln ihren letzten Auftritt nicht nur in dieser Session, sondern generell im Karneval hatte. „Das war die Sitzung meines Agenturchefs und damit war es nicht irgendeine Sitzung für mich. Es war ein schöner und vor allem familiärer Abschluss“, so Kühne.
Schon im April vergangenen Jahres kündigte die gebürtige Aldekerkerin ihren Rückzug aus dem Karneval an – dort, wo vor vielen Jahren alles anfing. Ingrid Kühne stand zwar schon als Kind beim „Laientheater auf Plattdeutsch“ in Aldekerk auf der Bühne, erst mit 18 Jahren folgte aber die Premiere in der Bütt im Karneval. Ein Zufall war das jedoch nicht. „Schon meine Mutter war Büttenrednerin“, sagt Kühne, die 1998 von Ludger Frerix, der damalige Sitzungspräsident des Lüttinger-Karneval-Vereins, gebeten wurde, kurzfristig eine Büttenrede zu halten. Diese kam so gut an, dass sie ab diesem Moment von sämtlichen Karnevalsvereinen aus der Region angefragt wurde.
2010 absolvierte Kühne ihren ersten Auftritt im Kölner Karneval, dem viele folgen sollten. „2016 hat mich dann Joachim Wüst (Präsident der „Große Kölner“, Anm. d. Red.) zur Mädchensitzung geholt. Das hat meinen Bekanntheitsgrad natürlich stark erhöht“, erinnert sich Kühne. Die TV-Aufzeichnung aus dem Kölner Gürzenich war am vergangenen Mittwochabend im ZDF zu sehen und ist aktuell noch in der Online-Mediathek abrufbar. Zum zehnten und letzten Mal präsentierte Kühne dort – zwischen den Auftritten der kölschen Kult-Bands Brings und „De Höhner“ – ihr Programm.
Seit Anfang Januar hat Ingrid Kühne um die 100 Auftritte im Karneval absolviert – es hätten sogar noch mehr sein können. „Aber ich hatte schon vor der Session etwas aussortiert“, verrät Kühne. Mehr als acht Auftritte an einem Tag seien nicht zu schaffen. Schon in der vergangenen Session habe sie zudem gemerkt, dass der Stress im Karneval ihr nicht mehr guttue. „Ich war im vergangenen Jahr nach Karneval erstmal über zwei Wochen krank und konnte nichts mehr. Natürlich spricht man da dann auch mit der Familie drüber“, sagt Kühne, die als allerersten Grund für ihren Entschluss deshalb ihre Gesundheit nennt. Sie wolle sich diesem Stress einfach nicht mehr aussetzen. „Es sind ja nicht nur die Auftritte, sondern auch die Wege dorthin. Wenn man eine Session plant, schaut man erstmal bei Google Maps nach, wie lange ungefähr die Fahrtzeiten von Auftritt zu Auftritt sind. So plant man dann die Termine. Aber diese Fahrtzeiten waren zuletzt fast nie mehr einzuhalten“, berichtet Kühne. Stau und Baustellen – wie etwa der Bau der neuen Autobahnbrücke zwischen Köln und Leverkusen – hätten dies unmöglich gemacht. „Wenn man nur fünf Minuten im Zeitplan hinkt, holt man das den ganzen Abend lang nicht mehr raus. Mein Mann Ralf hat dann als mein Fahrer oft sogar den stressigeren Job gehabt als ich“, meint Kühne.
Doch auch auf der Bühne sei es immer schwerer geworden. „Wenn sich Gäste früher nicht für die Büttenreden interessiert haben, sind sie aus Respekt rausgegangen. Heute wird einfach am Tisch miteinander geredet. Auf der Bühne muss man dadurch immer lauter reden. Ich habe mir oft gedacht: Hoffentlich macht meine Stimme das mit“, berichtet die Lüttingerin.
Trotzdem habe es in den vergangenen 16 Jahren natürlich unendliche viele schöne Momente gegeben – so viele, dass sie keine einzelnen Highlights nennen könne. „Ich bin ja auch selbst durch und durch Karnevalistin“, betont Kühne. Dementsprechend habe sie es immer geliebt, als Büttenrednerin im Karneval unterwegs zu sein. Trotzdem sei die Entscheidung, jetzt aufzuhören, richtig. „Es war jetzt einfach der richtige Zeitpunkt. Die Leute wollten mich noch sehen und ich habe nochmal eine schöne Abschiedstour im Karneval gemacht. Deshalb war es auch die richtige Entscheidung, bereits im vergangenen Jahr meinen Rückzug anzukündigen, aber noch eine Session zu machen“, resümiert Kühne, die vor einer Woche beim karnevalistischen Frühschoppen des SV Viktoria Birten bereits ihren letzten, sehr emotionalen Auftritt in der Region hatte.
Trotzdem glaubt Ingrid Kühne nicht, dass sie nächstes Jahr „todtraurig“ sein werde, nicht mehr in der Bütt zu stehen. „Ich werde die ein oder andere Sitzung als Gast besuchen. Darauf freue ich mich“, sagt Kühne. Vorher wird sie aber noch beim Blutwurstsonntagszug am morgigen Sonntag auf dem Wagen des Xantener Blutwurstkomitees (XBK) und am Rosenmontag auf dem Gesellschaftswagen der „Großen Kölner“ beim Kölner Rosenmontagszug mitfahren. Das werde sie noch einmal genießen, „denn es wird wahrscheinlich das letzte Mal für mich sein. Ab nächstem Jahr hat natürlich keine Karnevalsgesellschaft mehr einen Grund, mich auf den Wagen einzuladen“, weiß die Kabarettistin.
Dafür ist Ingrid Kühne ab März dann wieder mit ihrem aktuellen Solo-Programm „Ja, aber ohne mich!“ unterwegs. „Wer mich also sehen möchte, kann das ja bei meinem Solo-Programm. Denn das mache ich ja weiter. Da werden noch ganz viele Auftritte kommen“, verspricht Kühne.
Am heutigen Karnevalssamstag wird um 20.15 Uhr die Aufzeichnung der Düsseldorfer Fernsehsitzung „Mer bliewe bunt – ejal wat kütt!“ im WDR ausgestrahlt. Dort wird Ingrid Kühne noch einmal auf der Bühne zu sehen sein. Die Wiederholung wird am Veilchendienstag um 22.10 Uhr im WDR zu sehen sein. Weitere Informationen und alle Termine des aktuellen Solo-Programms gibt es online unter www.ingrid-kuehne.de.
Sabrina PetersViele Kollegen verstehen sich auch hinter der Bühne gut – so wie Ingrid Kühne und Brings-Sänger Peter Brings. Foto: privat
Redakteurin in Xanten, Kalkar, Rheinberg und Alpen sowie Büderich und Ginderich