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Pascal Beuer schreibt gern Bücher. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
20. Januar 2026 · Verena Schade · Kleve

„Ich schreibe gern kurz und knackig“

Pascal Beuer aus Kleve schreibt gern Bücher und hat es damit schon in Bestseller-Listen geschafft

KLEVE. Wollte man Pascal Beuer mit nur einer Charaktereigenschaft beschreiben, träfe „vielseitig interessiert“ den Kern vermutlich am besten. Der 30-jährige Klever hat seine berufliche Erfüllung zwar noch nicht endgültig gefunden, weiß dafür aber umso genauer, wo seine eigentliche Berufung liegt: im Schreiben.

„Schon in der Grundschule habe ich eigene Geschichten verfasst und Bücher verschlungen“, erzählt er. Auch vor „dicken Wälzern“ schreckt er nicht zurück – im Gegenteil. Sachbücher und wissenschaftliche Abhandlungen gehören ebenso zu seiner Lektüre wie alles, was mit Archäologie zu tun hat. Könnte er durch die Zeit reisen, würde es ihn direkt in die Blütezeit des Römischen Reiches ziehen. Sein absolutes Lieblingswerk ist Tacitus‘ Germania. „Man taucht darin unglaublich tief in die Lebens- und Denkweise der damaligen Zeit ein“, sagt Beuer. Das zwischen 98 und 111 nach Christus entstandene Werk gilt als Zeitzeugenbericht über Landschaft, Recht, Organisation, Religion und Bräuche der mitteleuropäischen Stämme. Die Faszination für Geschichte begleitet ihn schon lange: „Mein Vater und ich waren früher oft im Archäologischen Park in Xanten.“ Auch heute ist er regelmäßig dort – inzwischen gern mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter. „Und jedes Mal finde ich ein neues Buch, das ich mit nach Hause nehmen muss“, lacht er.

Wenn er nicht liest, schreibt er selbst. Die Grundlagen dafür erlernte er in einem Journalismus-Kurs, den er vor vier Jahren erfolgreich abschloss. Damals hatte er gerade sein Fachabitur gemacht und eigentlich geplant, über das Vollabitur ein naturwissenschaftliches Studium anzuschließen. Ein längerer Krankenhausaufenthalt und die Pandemie durchkreuzten diese Pläne jedoch. „Gesundheitlich war ich noch angeschlagen, Stress wäre zu der Zeit nichts für mich gewesen.“ Also entschied er sich für ein Fernstudium – und dafür, seinem Hobby mehr Raum zu geben. Geld verdienen stand dabei nie im Vordergrund. „Wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, geht im schlimmsten Fall der Spaß verloren“, sagt Beuer. Auch auf die Suche nach einem Verlag hat er verzichtet. „Ich weiß, wie schwierig es ist, dort unterzukommen – gerade als neuer Autor.“ Auftragsarbeiten kommen für ihn ebenfalls nicht infrage. Seinen Lebensunterhalt verdiente Beuer bis vor Kurzem als Mitarbeiter einer Schuhgeschäft-Filiale in der Innenstadt. Da sich das Unternehmen nun aus Kleve zurückzieht, ist offen, wie es beruflich weitergeht. „Ich programmiere nebenbei Spiele und betreibe einen Online-T-Shirt-Shop“, erzählt er – auch der Schritt in die Selbstständigkeit sei denkbar.

Was seine Autorentätigkeit angeht, ist der Weg hingegen klar abgesteckt. Im Mai 2025 veröffentlichte Beuer über Amazon sein „Lexikon der nordamerikanischen Legenden und Kreaturen“ als Taschenbuch auf Bestellung. Aktuell arbeitet er am Layout der Kindle- und Hardcover-Ausgabe. „Ich denke, daraus wird eine Reihe“, sagt er. Südamerika, Afrika, Asien, Australien, Europa – „überall gibt es Legenden und Sagen, die man bündeln könnte“. Sein Stil ist dabei bewusst kompakt: „Ich schreibe gern kurz und knackig, um auch Menschen zu erreichen, die sich sonst nicht intensiv mit solchen Themen beschäftigen.“

Nach diesem Prinzip ist auch sein im Februar 2025 erschienenes Buch „Mysteriöse archäologische Entdeckungen, die Fragen aufwerfen“ aufgebaut. Auf – je nach Ausgabe – 52 bis 63 Seiten stellt Beuer mehr als 150 kuriose Funde vor und lädt dazu ein, sich bei Interesse tiefer mit ihnen zu befassen. Auf Quellenangaben verzichtet er bewusst. „Es ist eine Zusammenfassung frei zugänglichen Wissens“, erklärt er. Durch den Verzicht auf Zitate umgehe er zudem urheberrechtliche Probleme. Sein Ziel sei ein niedrigschwelliges Angebot: „Ich möchte vor allem neugierig machen.“

Das scheint gelungen zu sein. Im Kindle-Shop erreichte das Buch Platz 3 in der Kategorie Kulturgeschichte, Platz 4 in Vorgeschichte & Frühgeschichte sowie Rang 25 in „Geschichte allgemein“. „Darauf bin ich schon ziemlich stolz“, sagt Beuer – und sieht die Platzierungen als Bestätigung.

In den vergangenen fünf Jahren hat er eine ganze Reihe weiterer Titel bei Amazon veröffentlicht, thematisch bunt gemischt. Angefangen hat alles 2021 mit einem Buch über Corona. „Eigentlich ist es eher ein längerer Artikel“, räumt er ein. Es folgten ein Kinderbuch – mit KI-Illustrationen – basierend auf einer Geschichte, die er sich als Kind ausgedacht hat, zwei Rezeptbücher („in meiner Familie wollten alle, dass die alten Rezepte nicht verloren gehen“) sowie Texte zu Demokratie und Gesellschaft.

„In erster Linie mache ich das für mich“, sagt Beuer, „aber ich freue mich natürlich über jeden, der meine Bücher gern liest.“ Amazon biete dafür eine unkomplizierte Plattform: Man gestalte alles selbst, lasse es prüfen und erhalte anschließend einen Probedruck. Im Freundes- und Familienkreis kommt das Konzept gut an. „Nicht jeder möchte so tief in ein Thema einsteigen wie ich“, sagt er. Seine Wissens-„Häppchen“ seien dagegen gut verdaulich. Und: „Wenn man mir sagt, dass ich noch kürzen soll, dann mache ich das auch.“ Er erinnert: „Nicht jeder liest gern dicke Bücher.“ Er sehe sich ohnehin eher als Journalist denn als klassischer Autor. Ein neues Projekt ist bereits in Planung – mehr will Beuer dazu allerdings noch nicht verraten.

Pascal Beuer schreibt gern Bücher. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

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